Logbuch der Autoren Ina Reuter und Marko Rösseler

Zug um Zug

Logbuch der Autoren Ina Reuter und Marko Rösseler

Da steht plötzlich am Bahnsteig so ein fremder Mensch vor Dir und will mit. "Jetzt, hier, sofort, auf der Stelle, bis ans Ende?", fragst Du vielleicht. "Ja, ja." Und dann zeigt er eine Kamera und sagt: "Ich werde alles filmen, was auf dieser Reise passiert." "Alles?" – "Ja, alles!  Du kennst mich zwar nicht, aber Du kannst mir vertrauen." Wie würdest Du Dich entscheiden?

#wowillstduhin - Die Autoren Ina Reuter und Marko Rösseler

Ina und Marko am Kölner Hauptbahnhof

Ein Griff in die Wundertüte

Es ist dieser erste Schritt, der die Tage am Bahnhof so besonders für uns sein lässt. Ja, oft auch besonders schwer. Jeden Tag überzeugen müssen ist nicht einfach.

Leicht ist es bei Künstlern, die suchen die Bühne. Die beiden Barocktänzer Sarah und Alan aus New York, die für das Händelfestival in Hannover mit ihren gepuderten Perücken gebucht sind. Oder Martin und Justin, die mit Geige und Kontrabass bis kurz vor die ukrainische Grenze wollen und vor der müffelnden Zugtoilette so wunderbar Tango spielen – die brauchen nicht lange, um sich zu entscheiden. Auch die Umweltaktivisten, die in die Sperrzone des Katastrophenreaktors von Tschernobyl wollen, lassen uns mitreisen. Auch wenn uns jemand mit nach Hause nimmt, muss das ja nicht langweilig sein. Wenn „zuhause“ am Ende der Welt liegt oder in einem Wohnwagen mit ganz vielen Bären drin. So etwas gibt es. Aber finden Sie mal solche Menschen!

Die schönsten Momente erleben wir oft mit den leisen Menschen. Die, die sonst vielleicht nicht gefragt werden und sich auch zunächst nicht gerne fragen lassen. Jeder  Tag ist für uns ein Griff in die Wundertüte. Mit kleinen Unterbrechungen fünf Monate lang. Es ging bis Moskau, Polen, Weißrussland, Ungarn, Bulgarien, Italien,Spanien, Frankreich. Zug um Zug.