Zwischenzeit oder Zwischenspiel? Stefanie Carps erste Ruhrtriennale

Westart-Reportage von Marion Ammicht und Eric Brinkmann

Zwischenzeit oder Zwischenspiel? Stefanie Carps erste Ruhrtriennale

Szenenfoto aus The Head and The Load, Ruhrtriennale 2018, William Kentridge

Noch bis zum 23. September bespielt die Ruhrtriennale mit 33 Projekten und 120 Aufführungen die stillgelegten Industrieanlagen im Ruhrgebiet. Mit Stefanie Carp steht die erste Frau an der Spitze der 2002 gegründeten Ruhrtriennale. Das Internationale Kunstfestival unter der neuen Intendantin versteht sich als künstlerisches Laboratorium, sprengt Genre-Grenzen und wartet unter dem Motto "Zwischenzeit" mit einem explizit politischen Programm auf.

Künstler etwa aus Afrika und dem Nahen Osten, wie der südafrikanische Theatermagier William Kentridge, der Choreograf Serge Aimé Coulibaly aus Burkina Faso oder der syrische Dramatiker Mohammad Al Attar setzen sich auf vielfältige Weise mit den Folgen des Kolonialismus, mit Flucht und Krieg, Fremde und Migration auseinander. Die Westart-Reportage blickt mit Künstlern und Kulturschaffenden auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer globalisierten Welt und lässt uns nicht nur deren Herkunftsländer, sondern auch Europa mit anderen Augen sehen. Ein Europa, das unter dem Eindruck seiner eigenen kolonialen Vergangenheit und den damit zusammenhängenden aktuellen Flucht- und Migrationsbewegungen ebenfalls um eine neue kulturelle Identität ringt.

Schon im Vorfeld der ersten Premiere löste die neue Festivalleiterin mit ihrem Schlingerkurs gegenüber der israel-kritischen Band "Young Fathers" einen Sturm der Empörung aus. Mit seinem "Antisemitismus-Eklat" ist das politisch hochambitionierte Festival selbst zum Politikum geworden. Die Westart-Reportage beleuchtet die Hintergründe. 

Stand: 22.08.2018, 10:22