Younee, Jessica Gall

Jazzline: Jessica Gall und Younee bei den Leverkusener Jazztagen 2020 WESTART Jazzline 27.11.2020 01:38:39 Std. Verfügbar bis 27.11.2021 WDR

14. November 2020 - Erholungshaus Leverkusen

Younee, Jessica Gall

Younee spielte zusammen mit renommierten Jazzmusikern, schrieb Popsongs für südkoreanische Künstler und war Professorin für Musik an der Hochschule für Kultur und Kunst in Seoul. Was sie nicht mag: auf ein Genre festgelegt zu werden. „Das Leben“, sagt Jessica Gall, „ist doch schon laut genug“. Den zweiten Teil des Satzes muss sich ihr Gegenüber dazu denken, was allerdings kein großes Ding ist. „Da muss meine Musik“, so hätte er auf sicher gelautet, „das nicht auch noch sein.“ Ist sie auch nicht. Aber intensiv, eindringlich, kaum je wieder zu vergessen, das ist sie schon, und zwar mehr denn je.

Younee

So klischeehaft dieses Etikett mitunter erscheint, so wahr kann es immer noch sein. Und auf Younee trifft es ohne Frage zu. Die gebürtige Südkoreanerin, examinierte Konzertpianistin, ist eine Wandlerin zwischen den Welten. Was für die Musikerin sowohl geografisch – sie ist mittlerweile deutsche Staatsbürgerin und lebt im fränkischen Ansbach – als auch musikalisch gilt.

Als Klassikinterpretin zählt Younee Bach, Brahms und Mozart zu ihren Vorbildern. Auf ihren Konzerten improvisiert sie auf Zuruf aus dem Publikum auch schon mal Motive von Rachmaninoff. Überhaupt ist Improvisation ein großes Thema bei den Auftritten von Younee. Englische traditionelle Folksongs wie „Greensleeves“ interpretiert und variiert die Pianistin ebenso wie christliche Musik: „Das Abendlied – Der Mond ist aufgegangen“ nach dem Text von Matthias Claudius zählt ebenfalls zu ihrem Repertoire.

Younee spielte zusammen mit renommierten Jazzmusikern, schrieb Popsongs für südkoreanische Künstler und war Professorin für Musik an der Hochschule für Kultur und Kunst in Seoul. Mit ihrem 2014er-Album „Jugendstil“ machte die Künstlerin endgültig deutlich, was sie nicht mag: auf ein Genre festgelegt zu werden. Auf dem Tonträger übersetzt Younee einfühlsam, stilvoll und gewitzt klassische Werke in eine beschwingte neue Form: mal rockig, mal poppig, mal jazzig. In ihrem Spiel gelingt es Younee, klassische Technik und Formensprache mit der melodischen Kraft des Pop – gepaart mit den rhythmischen Finessen und der improvisatorischen Freiheit des Jazz – zu vereinen.

Younee Fotostrecke

Younee live bei den 41. Leverkusener Jazztagen

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Jessica Gall

Mit „Picture Perfect“ hat die Berlinerin ein Album eingespielt, welches im Vergleich zu seinen Vorgängern und konträr zu seinem Titel in absolut positivem Sinne erfreulich unperfekt klingt. Zumal dann, wenn man aus der Bundeshauptstadt ein urbanes Werk erwartet hatte.
Sie wohnt nicht sehr zentral in Berlin. „Das schafft bei mir ein Bedürfnis“, so Gall weiter, „diese Weite auch erklingen zu lassen in meinen Songs, zumindest eine Ahnung davon sollte es geben.“

Ihr Bedürfnis, Weite erahnen und in Klang übergehen zu lassen, habe in den letzten Jahren zugenommen. Platz und Weißraum in ihrer Musik seien ihr zunehmend wichtig geworden, „beides inspiriert mich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Auf dem neuen Album versuchen wir nun, so reduziert wie möglich zu klingen.“ Damit seien sie und ihre Musiker schon relativ weit gekommen, „aber für meinen Geschmack liegt noch ein Stück des Weges vor uns.“ Und das „wir“ im vorletzten Satz meint nicht zuletzt auch sie und ihren Ehemann Robert Matt, der nicht nur als Produzent und Arrangeur für das Album mitverantwortlich zeichnet, sondern mit dem Jessica auch Kompositionen und Texte erarbeitet.

Auch ihrer Stimme ist der neue Freiraum anzumerken. Vor ein paar Jahren noch hatte sie eine feuilletonistisch eher unverdächtige Tageszeitung zur „sanftesten Stimme Deutschlands“ ernannt. „Damals“, sagt Jessica Gall, „fand ich das nett formuliert.“ Inzwischen allerdings gehe sie viel mehr aus sich heraus, „weil ich besonders auf der Bühne irgendwann gemerkt habe, dass ich weit mehr als sanft sein kann.“ Zwar schreie und kreische sie noch immer nicht, „aber ich halte mich auch nicht länger im Flüsterton zurück. Und ich habe nun einmal eine ziemlich tiefe Stimme.“

Wurden ihre ersten Alben noch einigermaßen unbeirrt in die Kategorie Jazz einsortiert, dürfte das inzwischen selbst dem unbedarften Plattenhändler schwerfallen. Sie selbst, sagt Jessica Gall, interessiere die Einordnung nicht allzu sehr, „mich inspiriert eher, überhaupt Musik machen zu können und zu dürfen. Ich bin gern abwechslungsreich, und so höre ich auch privat Musik. Das reicht von Lady Gaga bis zu Joni Mitchell, Tom Waits oder Ella Fitzgerald. Was mich am ehesten anspricht, ist ein guter Text.“

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Jessica Gall live bei den 41. Leverkusener Jazztagen

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Stand: 26.11.2020, 18:07

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