Wo warst Du, als ... der erste Mensch den Mond betrat?

Drei Astronauten

Wo warst Du, als ... der erste Mensch den Mond betrat?

Es ist der 21. Juli 1969. Weltweit sitzen 600 Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten. So muss die Frage einfach gestellt werden: "Wo warst du, als der erste Mensch den Mond betrat?"

In seiner Dokumentation zeigt Christian Dassel allerdings sehr viel mehr als nur die Bilder einer schwarz-weißen verschwommenen Mondoberfläche. Ihm geht es vor allem um Pioniergeist und Dramatik, um die Tücken der Technik, um ungewollte Komik, um Schlafentzug und Presswehen.

Man muss nicht unbedingt hautnah dabei gewesen sein, um mit einem Ereignis dieser Größenordnung eine ganz eigene, persönliche Geschichte zu verbinden. Hier setzt "Wo warst du, als...?" an.

Ein Moment, den niemand vergisst

"Es sind die Pioniertaten, die die Menschheit seit jeher bewegen", sagt der deutsche Astronaut Reinhold Ewald, der im Jahr 1997 zur Raumstation "Mir" geflogen war, wo er im Auftrag der ESA verschiedene Experimente durchführte.

Protagonistin Ingrid Hoffmann

Für Ingrid Hoffman war Apollo 11 egal: In der Nacht der Mondlandung kam ihr Kind auf die Welt.

Er denkt dabei natürlich eher an Neil Armstrong als an Ingrid Hoffmann. Für sie und ihre Familie stand die eigene "Pioniertat" im Mittelpunkt und degradierte die Mondlandung zu einer Nebensache. Denn in der Nacht der Nächte bekam Ingrid Hoffmann ihr erstes Kind. "Als wir ins Krankenhaus kamen, war da erst mal keiner. Die saßen alle im Ärztezimmer vor dem Fernseher." Irgendwann drückte ihr eine Krankenschwester ein wehenhemmendes Zäpfchen in die Hand, brachte sie auf ihr Zimmer und war schnell wieder verschwunden. "Das hatte alles mit der Mondlandung zu tun. Die wollten die Geburt am liebsten vertagen." Ingrid Hoffmann schmeißt das Zäpfchen ins Klo. "Apollo 11 war mir egal. Für mich war das Wichtigste die Landung meines Kindes." Es wurde eine sehr lange Nacht - die schönste ihres Lebens.

Geduldiges Warten

Es war die aufwendigste und längste Livesendung in der deutschen Fernsehgeschichte. 39 Stunden lang versuchte der Journalist Anatol Johansen in der ARD, diese endlose Sendestrecke mit Inhalt und Kurzweil zu füllen - was vielleicht sogar schwieriger war als eine Landung auf dem Mond.

Anatol Johansen

Anatol Johansen führte durch den 27-stündigen Sendemarathon zur Mondlandung aus dem WDR-Apollo-Studio.

"Es gab immer wieder Phasen, da passierte stundenlang nichts." Gesendet wurde trotzdem. Mit dem Mut der Verzweiflung sorgten Johansen und seine Kollegen für diverse Sternstunden der Fernsehunterhaltung: unerschrocken kämpften sie gegen die schwarzen Löcher im Sendeablauf an. Was heute ausgesprochen komisch wirkt, sorgte seinerzeit bei Johansen für eine schlaflose Nacht.

Krieg der Sterne

Als der Klassenfeind den Mond betrat, war Tassilo Roemisch wider Erwarten begeistert. Im sächsischen Mittweida war man auf das Westfernsehen angewiesen, um die allumfassende Niederlage der russischen Raumfahrt in seiner ganzen Schönheit zu betrachten.

Um ein Haar hätten die Russen den Wettlauf um den Mond tatsächlich gewonnen: Luna 15 war zur selben Zeit im Mondorbit wie Apollo 11 und sollte die ersten Gesteinsproben zur Erde bringen. "Da war plötzlich Krieg der Sterne live im Fernsehen" erinnert sich Reinhold Ewald, der als Zwölfjähriger im Schlafanzug mit den Astronauten bangte.

Wolfgang Völz

Als Besatzungsmitglied der Raumpatrouille Orion kannte sich Wolfgang Völz im Weltall schon damals bestens aus.

"Das war so wahnsinnig langweilig, bis die endlich ausgestiegen sind", erinnert sich der Schauspieler Wolfgang Völz, der sich im Weltall schon damals bestens auskannte - er war lange Jahre Besatzungsmitglied der Raumpatrouille Orion.

Als Neil Armstrong die Landefähre um 3 Uhr 56 schwerelos verließ, war das für die gesamte Menschheit ein sehr individuelles Erlebnis. Deshalb drängt sich die Frage auf: "Wo warst du, als der erste Mensch den Mond betrat?"

Ein Film von Christian Dassel
Redaktion: Thomas Kamp

Stand: 12.07.2019, 18:19

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