Vergessene Wracks - Schwarze Tränen der Meere

Vergessene Wracks: Schwarze Tränen der Meere WDR.DOK 12.06.2019 43:53 Min. UT Verfügbar bis 12.06.2020 WDR Von Christian Heyen

Vergessene Wracks - Schwarze Tränen der Meere

Vor den Küsten der Welt liegen tickende Zeitbomben: 6.300 Wracks, gesunken im Zweiten Weltkrieg, verrosten seit mehr als 75 Jahren im Meer. Und sie verlieren Öl. Giftiges Öl.

Natursandstrand

Überall auf der Welt rosten Schiffwracks am Meeresgrund - und bedrohen wertvolle Naturräume wie den Naturstrand der Danziger Bucht.

Forscher schätzen die in ihnen verbliebene Menge Öl auf bis zu 15 Millionen Tonnen. Sie bedrohen Strände an Nord- und Ostsee, am Atlantik wie auch in der Pazifikregion. Urlaubs- wie auch Tierparadiese.

Tickende Zeitbombe

Die Gefahr stellt alle bisherige Ölkatastrophen in den Schatten. Zum Vergleich: Als 1989 der Tanker Exxon Valdez vor Alaska auf Grund lief, verseuchte er die Küste mit 37.000 Tonnen auslaufenden Rohöls. Wir erinnern uns an Bilder, wie verschmierte Seevögel im Ölfilm ertranken. Dabei ist es nur ein Bruchteil dessen gewesen, was in den Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet wird.

Forschungsschiff auf dem Meer

Auf Suche nach Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg: das polnische Forschungsschiff "Imor" des Marineinstituts Gdansk.

Der Film führt die Zuschauer vor die Ostseeküste Polens, nach Norwegen, in die USA und in den pazifischen Ozean. Er begleitet Wissenschaftler, die untersuchen, wie stark der Meeresboden an manchen Orten bereits durch austretendes Öl verseucht wurde. Sie beobachten kritische Wracks, entwickeln Gefahrenszenarios und warnen: Das Öl etlicher gesunkener Schiffe müsste dringend abgepumpt werden.

Zeit zu handeln

Noch wäre Zeit, die "schwarzen Tränen der Meere" sicher zu entsorgen. Doch trotz aller Warnungen unternehmen die wenigsten Regierungen bisher etwas gegen die Gefahr. Die Wracks auszupumpen wäre zwar technisch möglich, aber aufwändig und teuer. Dabei warnen Experten, dass etliche Wracks jetzt in eine kritische Phase eintreten. Aufgrund der jahrzehntelangen Korrosion im salzigen Meerwasser reichen manchmal kleinste Erschütterungen aus, um die Stahlwände der gesunkenen Schiffe brechen zu lassen.

Luftaufnahme eines versunkenen Schiffswracks

Aus der Luft gut zu erkennen: ein Wrack aus dem Zweiten Weltkrieg, eine tickende Zeitbombe.

Der Film begibt sich auf eine ebenso spannende wie brisante Recherche in die Tiefen der Meere und dokumentiert einen Wettlauf gegen die Zeit. Meeresforscher, Küstenwachen und Bergungsexperten weltweit sind sich einig: Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann weitere massive Ölaustritte aus Wracks des Zweiten Weltkrieges eine Ölpest verursachen werden.

Ein Film von Christian Heynen
Redaktion: Thomas Kamp

Stand: 11.06.2019, 16:51

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