Schule der Verführung - Drei Geschichten aus Russland

Schule der Verführung: Drei Geschichten aus Russland WDR.DOK 24.03.2021 01:34:30 Std. UT Verfügbar bis 23.05.2021 WDR Von Alina Rudnitskaya

Schule der Verführung - Drei Geschichten aus Russland

Drei Heldinnen nehmen ihr Schicksal in die Hand und besuchen die "Schule der Verführung", in der sie lernen, wie sie leben, denken und sich verhalten müssen, um geliebt zu werden. Aber macht sie ein solches Leben wirklich glücklich?

In Russland lautet ein Sprichwort: Du kannst nicht auf zwei Stühlen gleichzeitig sitzen. Doch das ist genau, was moderne russische Frauen versuchen. Der erste Stuhl ist die patriarchale Gesellschaft, der zweite die eigene Unabhängigkeit.

Regisseurin Alina Rudnitskaya begleitet drei Frauen beim Versuch, diesen Spagat zu schaffen, und kommt ihnen in ihrem privaten Umfeld sehr nahe. Sie schafft dabei eine Charakterstudie der modernen Russin, die zwischen alten und neuen Rollenbildern steckt.

Wer heiratet den Millionär?

Frauen üben in einem Klassenzimmer, sexy zu wirken

Sexy wirken: Auch das steht auf dem Lehrplan der "Schule der Verführung".

In dem Dokumentarfilm folgen wir dem Leben von drei jungen Frauen: Diana, Lida und Vika, die in der Metropole St. Petersburg leben und sich zum Ziel gesetzt haben, einen Ehemann zu finden und sozial aufzusteigen. Wie aber findet man einen Mann in einem Land, in dem die Frauen zahlenmäßig bei weitem überlegen sind?

Der Psychologe Vladimir Rakovsky hat eine einfache Lösung dafür. Er ist Tutor in seiner "Schule der Verführung" und gibt teure Kurse mit dem einfachen Titel: "Wie man reiche Männer verführt". Rakovskys Theorie basiert auf amerikanischen Selbsthilfebüchern wie "Wie man ein guter Liebhaber wird", "Wie man sexy wird" oder "Wie man einen reichen Ehemann findet".

Patriarchale Unterdrückung

Nach dem Zerfall der UdSSR boten die wirtschaftlichen Veränderungen den russischen Frauen neue Möglichkeiten. Im modernen Russland können Frauen Unternehmen führen, in die Politik gehen oder in der Armee dienen. Aber versteckte Diskriminierung und soziale Unsicherheit gibt es immer noch. Frauen haben nämlich nicht die Möglichkeit, genug Geld zu verdienen, um eine eigene Wohnung zu mieten, denn Jobs für Frauen werden sehr schlecht bezahlt.

Eine junge Frau küßt auf der Straße ein Werbeplakat mit Waldimir Putin

Reich und mächtig: Für viele russische Frauen sind dies entscheidende Kriterien bei der Partnersuche.

Um diese Freiheit und Unabhängigkeit zu erreichen, müssen die Frauen Männer manipulieren. Sie sehen kaum einen anderen Weg, um in der Gesellschaft zu materiellem Wohlstand zu kommen. Der einfachste Weg nach oben ist an der Seite eines wohlhabenden Mannes. In der russischen Gesellschaft herrscht allgemein die Auffassung vor, dass ein gutes Leben bedeutet, mit einem reichen, attraktiven und erfolgreichen Mann zu leben. Diese Sichtweise schafft eine Kultur, die sehr schwierig zu verändern ist, und die Frauen müssen den Preis zahlen - besonders diejenigen, die keinen Ehemann finden.

Das ist eindeutig ein Dilemma: Einerseits wollen die russischen Frauen unabhängig sein, andererseits ist dies nicht ohne die finanzielle Sicherheit möglich, die ihnen in dieser patriarchalien Gesellschaft nur ein Mann geben kann.

Der Weg zur Unabhängigkeit

Der Film beobachtet, wie Rakovsky den Frauen beibringt, wie man einen Mann verführt - und genauso wichtig: wie man ihn hält. Das sei nicht einfach. Die Frauen müssen einen umfangreichen Lehrplan absolvieren, durch den sie lernen, sich als Frau sexy zu verhalten. Angefangen bei der Kleidung, über die Art zu tanzen oder eine Banane zu essen, bis zum "Klein-Mädchen-Schema", sich auf den Boden zu werfen und zu weinen, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen. Oder wenn der Mann droht, sie zu verlassen.

Diana, Lida und Vika sind unterschiedliche Charaktertypen, aber sie haben das gleiche Ziel: Einen Ehemann zu finden, der ihr Leben hoffentlich vergoldet oder zumindest erträglich macht. Alle drei fühlen sich allein und sind unzufrieden, und genau das ist die treibende Kraft hinter ihren Bestrebungen, ihr Leben zu verändern. Werden diese drei Frauen erfolgreich sein und ihre lang ersehnte Freiheit erreichen? Wie werden sie sich beim Verfolgen ihrer Ziele persönlich weiterentwickeln?

Ein Dokumentarfilm von Alina Rudnitskaya
Redaktion: Jutta Krug

"Schule der Verführung" ist eine Produktion von Danish Documentary Production in Koproduktion mit dem WDR, DR K, Golden Girls Film, UpNorth Film und der Ma.ja.de. Filmproduktion.

Festivals und Auszeichnungen:

  • CPH:DOX 2019
  • Nordamerika-Premiere beim DOC NYC am 9.11 in New York City
  • lief im Wettbewerb des 16. Zürich Film Festivals 2019
  • Sydney Film Festival 2019
  • München Documentary Festival 2019

Stand: 08.03.2021, 11:41

Startseite

Alle Sendungen