Mein Kopf. Mein Tuch

Mein Kopf. Mein Tuch WDR.DOK 03.03.2021 01:15:18 Std. UT Verfügbar bis 03.03.2022 WDR Von Nicola Graef, Alena Jabarine

Mein Kopf. Mein Tuch

TV-Erstausstrahlung

Der Film "Mein Kopf. Mein Tuch" begleitet fünf Frauen, die das Kopftuch freiwillig und selbstbestimmt angelegt haben, in Deutschland leben und hier arbeiten. Sie alle eint die Tatsache, dass es nicht immer leicht ist, wie sie sagen, mit "diesem Stück Stoff" unterwegs zu sein. Sie alle eint aber auch die Überzeugung, dass sich Vorurteile abbauen lassen durch Dialog, Offenheit und Engagement. Fünf Frauen, fünf sehr unterschiedliche Lebenssituationen.

Selcan Başoğul Yaman

Zwei junge Frauen am Küchentisch, eine mit, eine ohne Kopftuch

Selcan (l.) mit ihrer Schwester Seray - sie ist ebenfalls gläubige Muslima, trägt aber keine Kopfbedeckung.

"Was mich am meisten an der Kopftuch-Debatte stört ist, dass alle über das Kopftuch reden, aber keiner mit den Frauen, die es tragen!" Selcan Başoğul Yaman studiert in Bochum, arbeitet als Selbstverteidigungstrainerin und ist verheiratet. Sie hat sich aus freien Stücken für das Kopftuch als Zeichen ihres Glaubens entschieden. Anders als ihre beiden Schwestern. Die eine trägt Turban, die andere gar keine Kopfbedeckung, aber alle drei sind gläubige Muslimas mit türkischen Wurzeln.

Yasmin Ayhan

Eine junge Frau mit Kopftuch auf der Bühne

Yasmin Ayhan: Die Slammerin trägt auf der Bühne Kopftuch statt Basecap.

Yasmin Ayhan ist Poetry Slammerin und Comedian aus Berlin. Die junge Frau ist geschieden und lebt mit einer Freundin zusammen. Alleine in einer Wohnung. Ihre Mitbewohnerin Tua El-Fawwal ist die erste Schauspielerin in Deutschland, die mit Kopftuch in diesem Beruf tätig ist. "Wenn Freundinnen zu uns kommen, fragen sie immer: Wie, ihr wohnt hier alleine, obwohl eure Eltern auch in Berlin leben?" Diese Unabhängigkeit ist immer noch die Ausnahme. "Aber je mehr wir nach außen gehen, desto mehr junge Frauen trauen sich das auch."

Sara Naggar

Zwei junge Frauen mit Kopftuch stehen in einer Fabrikhalle

Sara Naggar: Die junge Designerin und Unternehmerin hat ein eigenes Mode-Label für "modest fashion". Ihre Models sind alle "echte Hijabis".

Diese Meinung teilt auch Sara Naggar. Sie hat sich mit ihrem Modelabel LIA einen Traum erfüllt und vertreibt sogenannte 'modest fashion' – Kleidung für Frauen, die ihr Kopftuch mit legerer Mode kombinieren und gleichzeitig darauf achten, "dass die Reize verdeckt werden sollen."

Ihr Mann, ein Sizilianer, ist konvertierter Muslim und arbeitet für seine Frau. Sie sieht eine riesige Chance für die jungen Frauen ihrer Generation. "Noch trauen sich viele junge Muslimas nicht, ihren eigenen Weg zu gehen, aber wir wollen Vorbild für sie sein." Aus diesem Grund sind alle ihre Models "echte Hijabis".

Houadia Taraji

Eine Frau mit Kopftuch steht auf dem Parkplatz einer Moschee

Houaida Taraji: Sie ist Frauenärztin mit eigener Praxis.

Selbstständigkeit ist eine treibende Kraft, auch für Houadia Taraji. Sie ist Frauen- und Familienbeaufragte beim Zentralrat der Muslime in Deutschland und führt als Frauenärztin eine eigene Praxis in der Nähe von Düsseldorf. "Als Muslima mit Kopftuch musst du immer 110% geben. Immer wieder wurde ich damals im Krankenhaus für die Putzfrau gehalten, aber das hat sich total gebessert."

Vildane Uludag

Eine Frau mit Kopftuch sitz in einem Büro

Vildane Uludag: Sie ist Chefin eines Beerdingungsunternehmens für Muslime in Hamburg.

Auch für Vildane Uludag aus Hamburg war die Selbstständigkeit das Resultat eines langen Weges. "Ich saß mit dem Baby zuhause und langweilte mich. Da fragte mich mein Vater, der Pathologe war, ob wir nicht ein Bestattungsunternehmen für Muslime gründen sollten. Viele wollen sich in die Heimat überführen lassen. So ging es los."

Heute ist die Mittfünfzigerin die Chefin und kümmert sich bei einem Todesfall für die Hinterbliebenen um alle Formalitäten. "Meine Tochter trägt kein Kopftuch. Das finde ich schade, aber das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Man muss stark sein, wenn man es trägt. Und man legt es nicht einfach so wieder ab."

Der Film taucht ein in das Leben der Frauen. Begleitet sie im Berufsleben, zeigt sie im Kreis ihrer Familie und mit Freunden. Beim Heiraten und beim Rappen, beim Fotoshooting und auf dem Friedhof. Bei politischen Diskussionen und in der Moschee.

"Mein Kopf. Mein Tuch" gibt intime Einblicke in das Leben moderner Muslimas in Deutschland. Sie alle sind überzeugt vom Kopftuch, wollen sich nicht ständig dafür rechtfertigen müssen und sind dennoch offen für alle, die ihren Glauben anders leben. Eine Überzeugung eint sie alle: das Kopftuch darf kein Zwang sein.

Ein Dokumentarfilm von Nicola Graef und Alena Jabarine
Redaktion WDR: Jutta Krug

"Mein Kopf. Mein Tuch" ist ein Produktion der Lona Media Filmproduktion im Auftrag des WDR.

Stand: 03.03.2021, 10:47

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