Loveparade vor Gericht

Loveparade vor Gericht WDR.DOK 04.05.2020 44:00 Min. UT Verfügbar bis 04.05.2099 WDR Von Antje Boehmert, Dominik Wessely

Loveparade vor Gericht

Fast zehn Jahre danach: Das Landgericht Duisburg hat den Prozess zur Loveparade-Katastrophe eingestellt. Die Entscheidung wurde am Montag (04.05.2020) bekanntgegeben. Damit endet einer der aufwendigsten deutschen Gerichtsprozesse der Nachkriegszeit nach 183 Tagen ohne Urteil. Ein Team hatte für den WDR den Mammutprozess vom ersten Tag an begleitet.

Aus diesem Anlass hat das WDR Fernsehen die Dokumentation "LOVEPARADE VOR GERICHT" am 4. Mai 2020 ins Programm genommen.

Es sollte eine gigantische Party werden, doch sie endete in Tod und Trauma. Was war geschehen? Quälende Fragen von Überlebenden und Angehörigen der Opfer. Selten hat ein Strafverfahren die Menschen so bewegt.

Eine Frau sitzt in einem Cafe

Gabi Müller: Sie hat ihren Sohn Christian bei der Loveparade-Katastrophe verloren und ist eine der Nebenklägerinnen.

Am 24. Juli 2010 starben bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen im Gedränge, mehr als 650 wurden verletzt. Der Film erzählt chronologisch den Prozessverlauf und die Katastrophe mit ihren Folgen. Unmittelbar Betroffene erinnern sich an das traumatisierende Unglück und kommentieren den Prozess, darunter ein Überlebender, eine Nebenklägerin, die ihren Sohn verloren hat und eine Polizei-Seelsorgerin, die sehr früh vor Ort war und Verletzte betreute.

Eine Frau mit dem Rücken zur Kamera schaut auf einen großen Monitor

Der Loveparade-Prozess ist eines der wichtigsten Strafverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Der Gerichtssprecher und ein Strafrechtler erläutern den juristischen Kontext. Der Film bietet eine umfassende Auseinandersetzung mit diesem aufwändigen Gerichtsverfahren, das von Anfang an unter ungeheurem Erwartungsdruck stand.

Der Prozess gegen vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung hatte am 8. Dezember 2017 begonnen. Bereits am 5. Februar 2019 wurde das Verfahren gegen sieben der zehn Angeklagten ohne Auflagen eingestellt.

Nach dem 183. Verhandlungstag hatte das Landgericht Duisburg am 7. April 2020 die endgültige Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen. Am 4. Mai 2020 fiel dazu die Entscheidung.

Kränze liegen in Duisburg vor der Gedenkstätte für die Opfer des Loveparade-Unglücks.

Der Ort der Katastrophe: 21 Menschen verloren hier ihr Leben. Eine Gedenkstätte erinnert an sie.

Akribisch hat das Autorenteam Antje Boehmert und Dominik Wessely eines der bislang wichtigsten Verfahren der Nachkriegszeit drei Jahre lang begleitet und dazu Hintergründe recherchiert.

Der Film dokumentiert in einzigartiger Weise das juristische Hin und Her über die Frage, wer die strafrechtliche Verantwortung für die Katastrophe trägt. Er zeigt, wie dieses besondere Verfahren auf Betroffene und Beobachter wirkt. Dabei geht es immer auch um eine gesellschaftliche Aufarbeitung dieser Katastrophe.

Ein Film von Antje Boehmert und Dominik Wessely
Redaktion: Jutta Krug und Mathias Werth

Eine Produktion von DOCDAYS Productions im Auftrag des WDR.

Stand: 04.05.2020, 12:01

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