Lovemobil

Rita im Wohnmobil

Lovemobil

+++ NDR distanziert sich vom Dokumentarfilm "Lovemobil" +++

Der preisgekrönte und vom NDR mitproduzierte Kino-Dokumentarfilm "Lovemobil" zeigt in weiten Strecken Szenen, die nicht authentisch sind. Mehr Infos unter ndr.de.

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Es ist Nacht in Niedersachsen. Am Rande eines dunklen Waldes, nur wenige Schritte von den rasenden Autos auf einer Landstraße entfernt, stehen ausrangierte Wohnmobile. Farbige Lichterketten und bunte Herzen blinken in stoischem Rhythmus.

Im Innern warten Frauen darauf, dass ein Auto anhält und ein Kunde zu ihnen in den Bus steigt. Drei Jahre haben die Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss und Kameramann Christoph Rohrscheidt hier verbracht, um Geschichten aus diesem Milieu zu erzählen.

Die Angst, nie wieder ein normales Leben zu führen

Eine Frau wartet nachts an der Tür eines Wohnmobils

Rita wartet auf einen Kunden.

Und so treffen wir in dem preisgekrönten Dokumentarfilm auf zwei Sexarbeiterinnen aus Bulgarien und Nigeria. Beide warten darauf, genügend Geld beiseite legen zu können, um die Familie in ihren Heimatländern zu unterstützen.

Mit den beiden Frauen erleben die Zuschauer*innen hautnah, wie sich Ausweglosigkeit anfühlt. Im ständigen Zwiespalt zu stehen, zwischen dem Wunsch, abzuhauen und der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Die Angst, nie wieder ein normales Leben führen zu können und der doch immer wiederkehrenden leisen Hoffnung, dass vielleicht eines Tages jemand kommt, der sie da rausholt. Sie sind hier, freiwillig unfreiwillig, geparkt in einer Zwischenwelt.

Auf der Suche nach dem Glück

Eine Frau sitzt am Fenster eines Wohnmobils

Sexarbeiterinnen wie Rita leben zwischen Angst und Hoffnung.

Durch den Film führt Uschi, eine in die Jahre gekommene "Ehemalige", die die Seiten gewechselt hat und nun die Wohnwagen an die jungen Frauen vermietet. Uschi raucht viel und lebt mit ihren drei Chihuahuas in einem ausgebauten Wohnwagen am Rande eines Dorfes. Täglich kassiert sie mit ihren ständig wechselnden künstlichen Fingernägeln und in ihrer extravaganten Kleidung kompromisslos ab.

40 Jahre Geschichte der Prostitution

Und bei alldem führt sie die Zuschauer*innen auch durch über 40 Jahre Geschichte der Prostitution in der Bundesrepublik und der Suche nach einem Glück, die am Ende für sie selbst in der Einsamkeit endete.

Ein Wohnwagen steht an einer verschneiten Landstraße

Verloren im Nirgendwo stehen die "Lovemobile" an den Landstrassen

"Lovemobil" ist in seiner Tiefe kein Film über Prostitution, sondern ein Film über eine Sackgasse des globalisierten Kapitalismus und jene, die er am härtesten trifft und die mit allen Mitteln ums Überleben und eine Zukunft kämpfen.

Ein Dokumentarfilm von Elke Lehrenkrauss | Redaktion NDR: Timo Großpietsch

"Lovemobil" wurde mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020 ausgezeichnet und für den Grimme-Preis 2021 nominiert.

Eine Übernahme vom NDR

Stand: 24.03.2021, 13:55

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