Generation Beat-Club

Generation Beatclub

Generation Beat-Club

Als das Fernsehen in Deutschland anfing, gab es Sendungen für Erwachsene und bald auch die "Kinderstunde". Für Jugendliche gab es nichts – bis zum September 1965. Dann begann der "Beat-Club"…

Moderatorin Uschi Nerke zur Zeit des Beat-Club.

Das Gesicht der Sendung: Moderatorin Uschi Nerke wurde schnell zur Kultfigur, mit immer neuen Frisuren und Modeideen.

Es war eine ganz neue  Art von Sendung, die der Ansager so ankündigte: "Liebe Beatfreunde, nun ist es endlich so weit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im Deutschen Fernsehen, die nur für Euch gemacht ist." Vorsorglich fügte er hinzu: "Sie aber meine Damen und Herren, die diese Beatmusik vielleicht nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis. Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten für junge Leute."

Begeisterte Jugendliche, entsetzte Eltern

Aber die "Damen und Herren" waren alles andere als einverstanden, weder mit dem "Gekreische" und den "langen Zottelhaaren" der Musiker, noch mit den knappen Miniröcken von Moderatorin Uschi Nerke. Die jugendliche Zielgruppe allerdings war begeistert. Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen sahen ihren "Beat-Club" schon bald regelmäßig.

Aufnahme der Band "The Who".

Dauerbrenner: Die Band "The Who" trat gleich in acht "Beat-Club"-Sendungen auf.

Im "Beat-Club"-Studio bei Radio Bremen traten (fast) alle Größen der Musikszene live auf: The Who oder The Cream, Jimi Hendrix und Carlos Santana, Deep Purple oder Led Zeppelin bis zu den Trance-Pionieren von Kraftwerk. Regisseur Mike Leckebusch verpasste der Sendung schon bald einen unverwechselbaren Stil, bunt, schräg und experimentell. Der "Beat-Club" war Kult, sieben Jahre lang, von 1965 bis 1972.

Eine Sendung mit Langzeitwirkung

In der Dokumentation "Generation Beat-Club" erzählen einige der jugendlichen Zuschauer von damals, was diese Sendung für sie bedeutet hat. Zum Beispiel der spätere BAP-Gründer Wolfgang Niedecken, der damals in einem streng katholischen Internat den spärlichen Ausgang nutzte, um im "Beat-Club" Anregungen für die erste Schülerband zu finden.

Wolfgang Niedecken im Interview

Musikalische Inspiration: Kölner Musiker Wolfgang Niedecken, gehört zur Generation Beat-Club.

Oder Evelyn Frisinger aus Bremen: Sie brachte aus London die ersten Miniröcke mit, versorgte damit zunächst die Go-Go-Girls des "Beat-Club" und schließlich das gesamte Umland. Christian Kunert, damals Mitglied des berühmten Thomaner-Chors in Leipzig, konnte den "Beat-Club" zwar nur mit erheblichen Bild- und Tonstörungen sehen, verpasste aber keine einzige Folge. Auch er wurde Musiker, bei der wichtigsten oppositionellen Band der DDR, der Renft-Combo.

Ein Film von Michael Meert und Carl-Ludwig Rettinger
Redaktion: Susanne Brahms (RB), Beate Schlanstein (WDR)

Stand: 24.05.2018, 11:35

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