Frühjahr '45

Ein US-Offizier nach Kriegsende1945 in Deutschland

Frühjahr '45

Im Frühjahr 1945 ist nichts mehr, wie es war. Fünfeinhalb Jahre hat der von Deutschland angezettelte Krieg gewütet, jetzt ist Europa befreit und Deutschland endlich besiegt. Niemand weiß, wie es jetzt weiter gehen wird. Es sind Wochen voller Hoffnung, Angst und Ungewissheit.

Zeitzeugen verschiedenster Länder Europas berichten von ihren Erlebnissen im Angesicht des Kriegsendes, darunter Prominente wie die Philosophin Agnes Heller, die Schriftstellerin Leonie Ossowski, der Politiker Wladyslaw Bartoszewski, der Schauspieler Günter Lamprecht oder die Fernseh-Legende Georg Stefan Troller.

Rettung naht

Eine weibliche Soldatin sitzt auf dem Schoß eines männlichen Soldaten.

Am 25. April 1945 treffen US-Truppen und sowjetische Streitkräfte in der Mitte Deutschlands, bei Torgau an der Elbe, zusammen.

Leonie Ossowski ist in diesem Frühjahr auf der Flucht vor der Roten Armee. Sie ist 19 Jahre alt, hochschwanger und weiß, dass ihr Leben in Schlesien als adlige Gutsbesitzertochter endgültig vorbei ist. Die Französin Annette Chalut wird als KZ-Gefangene in diesen Wochen auf einen der gefürchteten Todesmärsche geschickt. Die ungarische Jüdin Agnes Heller wartet im Ghetto in Budapest auf den sicheren Tod – und fällt überglücklich dem Rotarmisten in die Arme, der eines Tages auftaucht.

Georg Stefan Troller, ins Exil getriebener Wiener Jude, begleitet die US-Truppen als Dolmetscher und überquert mit ihnen den Rhein. Er übersetzt die Erklärungen und Entschuldigungen der festgenommenen Deutschen.

Bangen in deutschen Besatzungszonen

Ein Gruppenbild von einigen befreiten Zwangsarbeiterinnen.

Besatzer für die Einen, Retter für die Anderen: Bei ihrem Vormarsch auf deutsches Gebiet befreien die Alliierten viele Menschen aus Zwangsarbeitslagern.

Es sind Monate des Chaos und der Hoffnung, des Untergangs und des Sieges. Das Schlachtfeld hat sich nach Deutschland verlagert, aber in vielen Ländern Europas sind noch deutsche Soldaten. Während sich die Fronten immer mehr aufeinander zu bewegen, wird in Berlin noch gekämpft, in Italien die Befreiung gefeiert und in Dänemark gnadenlose Jagd auf Widerstandskämpfer gemacht. Und in den französischen "Atlantikfestungen" wie Saint-Nazaire - deutsch besetzten Enklaven - wird immer noch sehnsüchtig auf die Befreier gewartet.

Verwoben mit beeindruckendem Archivmaterial und Tagebuchaufzeichnungen des Dichters Erich Kästner und der als Zwangsarbeiterin in Deutschland inhaftierten Agnes Humbert entfaltet diese Dokumentation ein ungewohntes Bild von Europa im Angesicht des Kriegsendes: dicht, atmosphärisch, bewegend - eine packende multiperspektivische Erzählung aus den Wochen der Ungewissheit zwischen Anfang Januar und Ende Mai 1945.

Ein Film von Mathias Haentjes
Redaktion: Gudrun Wolter, Barbara Schmitz

Stand: 06.05.2020, 16:43

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