Die Helden von Prag – Über die deutsche Botschaft in die Freiheit

Blick auf den Eingang der Prager Botschaft, im Vordergrund ein Polizist

Die Helden von Prag – Über die deutsche Botschaft in die Freiheit

Es waren dramatische Ereignisse in der bundesdeutschen Botschaft in Prag: Mehr als 25.000 DDR-Bürger nutzten 1989 diesen Weg, um in den Westen zu fliehen. Viele von ihnen waren überstürzt gekommen und hatten alles zurück gelassen – aus Angst, dass Erich Honecker im Rahmen des 40. Geburtstags der DDR die Grenzen zur ČSSR schließen würde, dem einzigen Land, für das sie kein Visum benötigten. Zu groß war der Wunsch nach Freiheit und zu verlockend das Schlupfloch, das sich bot. Für niemanden aber war damals klar, ob sich der Traum von der Ausreise in den Westen tatsächlich erfüllen würde.  

Ab Anfang September kamen täglich 500 bis 1000 Flüchtende an, die von den Botschaftsmitarbeitern und von Helfern des Roten Kreuzes versorgt wurden. Auf und vor dem Botschaftsgelände wurde improvisiert - auf deutscher wie auf tschechischer Seite.

Blick in den Garten der Prager Botschaft 1989, in der viele Menschen und Zelte sind

Kein Campingplatz: Im Garten der Prager Botschaft mussten immer mehr Flüchtlinge versorgt werden.

Dass es weder zu einer humanitären noch zu einer politischen Katastrophe kam, lag an der Besonnenheit derer, die Entscheidungen trafen, organisierten und sich um die Flüchtenden kümmerten. Sie haben einen wesentlichen Anteil daran, dass der Weg zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung auch hier ein friedlicher war.

Für die Menschen in der und um die Prager Botschaft bleiben die Herbstwochen 1989 als Zeit der extremen Gefühle zwischen Hoffnung und Angst in Erinnerung. Zwischen Menschen, die sich nie zuvor gesehen hatten, entwickelte sich in der drangvollen Enge der Botschaft eine Gemeinschaft – und sie wurden zu Wegbereitern der deutsch-deutschen Geschichte. Der Film erlebt die Ereignisse aus ihrer Sicht. Mit ihnen reist er zurück in die Zeit zwischen September und der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989.

Hans-Dietrich Genscher in der Prager Botschaft

Mit Spannung erwartet: Außenminister Hans-Dietrich Genscher trifft in der Prager Botschaft ein.

Die Autoren Bernadette Hauke und Wolfgang Rebernik haben viele Augenzeugen von damals ausfindig gemacht – Helfer wie das Ehepaar Schmitz, das mit dem Deutschen Roten Kreuz aus Euskirchen nach Prag kam, Zelte, Betten, Feldküchen und  Lebensmittel in die Botschaft brachte und sich um die Bedürfnisse der Flüchtlinge kümmerte. Und Flüchtlinge wie die Familie Kuhn, die mit ihren drei Kindern schon im Frühsommer in die Botschaft kam und erlebte, wie es im Herbst von Tag zu Tag voller wurde.

Ein Mann steht auf dem Balkon der Prager Botschaft

Zeitzeuge Michael Steiner: Der damalige Pressereferent stand 1989 neben Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon, als dieser die erlösende Nachricht verkündete.

Die Ehefrau des damaligen Botschafters, Jaqueline Huber, erinnert sich an den Tag, als Außenminister Genscher seine berühmte Rede auf dem Botschaftsbalkon hielt – und danach den Wunsch nach einem kühlen Bier äußerte. Daneben kommen auch Prager selbst zu Wort, die das Geschehen von der anderen Seite des Botschaftszauns erlebten, wie die tschechische Fotografin Blanka Lamrová, die die Ereignisse im Herbst mit ihrer Kamera festhielt; oder der Schauspieler Jiří Strebl, der den Flüchtlingen den Weg an der Polizeisperre vorbei zeigte.

Ergänzt werden die Geschichten aus dem Inneren der Botschaft durch umfangreiches, zum Teil noch nie gezeigtes Film- und Fotomaterial aus der ČSSR, DDR und BRD – aus öffentlichen und privaten Quellen.

Ein Film von Bernadette Hauke und Wolfgang Rebernik
Redaktion: Monika Pohl und Beate Schlanstein

Stand: 30.09.2020, 11:41

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