Der Sputnik-Schock

Metallkugel mit Antennen

Der Sputnik-Schock

"Sowjetmond rast um die Erde!", "Russen schockieren Amerika", "Blamage für den Westen". Wie eine Bombe schlug die Nachricht ein, dass es der Sowjetunion am 4. Oktober 1957 gelungen sei, zum ersten Mal in der Geschichte einen künstlichen Erd-Mond zu starten. Sputnik 1 war in aller Munde.

Eine 83 kg leichte Metallkugel mit einem Durchmesser von 58 cm, die mit kosmischer Geschwindigkeit um die Erdkugel sauste. Der NASA-Ingenieur Christopher Kraft fasste es in Worte: "Wissenschaftlich und politisch betrachtet war es vermutlich der größte Schock im 20. Jahrhundert! Aus dem einfachen Grund, weil die Menschen nicht wussten, was es war – sie hatten Angst. Sie fragten sich: Wozu ist dieses Ding in der Lage? Kann es eine Bombe auf uns abwerfen? Kann es uns ausspionieren? Es war erschreckend."

Reaktionen auf den Erdtrabanten

sw-Foto zeigt junge Menschen an Teleskopen

Überlegenheit des Kommunismus? Russische Studenten beobachten in Sibirien den Flug des Sputnik I.

Die Tür zu einem neuen Zeitalter wurde aufgestoßen. US-Präsident Eisenhower versuchte Gelassenheit zu zeigen, ging demonstrativ Golf spielen und ließt mitteilen, dass ihm diese kleine Metallkugel im Kosmos keine Angst mache. Aber der Sputnik-Hype war längst außer Kontrolle geraten. Die ganze Welt war aus dem Häuschen. Panik, Schock, Ratlosigkeit, Faszination. Wie umgehen mit diesem welthistorischen Ereignis? Jahrelang hatte die Sowjetunion im Geheimen an der Sensation gebastelt und die Amerikaner im Glauben gelassen, beim Wettlauf in den Kosmos die Nase vorn zu haben. Das Sowjet-Reich vor Sputnik galt vielen im Westen als ein industrielles und wissenschaftliches Entwicklungsland. Ein Vorstoß ins Weltall? Einfach unvorstellbar.

Nun schienen die Sowjets plötzlich sogar technologisch in Führung zu gehen. Meinungsforscher im Westen schlugen Alarm. Im Osten wurde der Sputnik-Flug als Beleg für die Überlegenheit des Kommunismus gefeiert. Im DDR-Fernsehen jubelten nicht nur Leute wie Karl Eduard von Schnitzler. Die Brecht-Interpretin Gisela May sang in der DDR-Wochenschau sogar einen brandaktuellen "Sputnik-Song". Im Westen schwankte die Stimmung. Schock, Faszination und Ernüchterung. Der US-Radiokommentator Gabriel Heatter fand deutliche Worte: "Vielen Dank Genosse Sputnik. Du warst für uns ein Schock, wie damals Pearl Harbour. Du hast uns im Innersten getroffen. Du hast uns plötzlich klar gemacht, dass wir nicht immer die Besten sind ...".

Portraitfoto von Sergej Koroljow

Der Mann im Hintergrund: Chefkonstrukteur Sergej Koroljow

Mythos und Wirklichkeit

"Der Sputnik-Schock" ist ein Film über den Wettlauf ins All, über Mythos und Wirklichkeit des ersten künstlichen Erdtrabanten. Ein Film auch über das Schicksal desjenigen, der den Sputnik erst möglich machte: Chefkonstrukteur Sergej Koroljow.

Seinen Namen durfte die Welt erst erfahren, als er 1965 an der Kreml-Mauer als Held der Sowjetunion beigesetzt wurde. Alle Versuche, ihn für den Nobelpreis zu nominieren, waren an der Geheimniskrämerei der Kreml-Führung gescheitert. Ein Film über Sieger und Verlierer, über Hintergründe und Geheimnisse der ersten Kosmos-Expeditionen.

Ein Film von Martin Hübner
Redaktion: Thomas Kamp

Stand: 17.12.2019, 12:37

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