Der Kuaför aus der Keupstrasse

Der Kuaför aus der Keupstrasse

Anlässlich des 15. Jahrestages des Attentats am 09.06.2004

Es ist der 9. Juni 2004: An einem belebten Sommertag explodiert eine Nagelbombe vor dem Salon des türkischen Frisörs Özcan Yildirim. Im Zuge der Rekonstruktion der polizeilichen Ermittlungen wird deutlich, dass es vor allem die Opfer sind, die als Täter verdächtigt wurden. Ein ausländerfeindliches Motiv wurde weitestgehend ausgeblendet. Erst Jahre später konnte der Anschlag dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet werden.

Einige Nägel fallen auf den Boden.

Die Nagel-Bombe: 702 handelsübliche Zimmermannsnägel, 10 bis 15 Zentimeter lang und auf einem Fahrrad montiert.

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms stehen die Opfer des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße. Am Nachmittag des 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe vor dem Geschäft Özcan Yildirims. Schnell wird er in den Augen der ermittelnden Behörden zum potentiellen Täter mit Verbindungen zur Schutzgeld- oder Drogenmafia.

Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt – Der Nationalsozialistische Untergrund

Yildirim wird verdächtigt und mit ihm die ganze Straße, eine Gemeinschaft mit Migrationshintergrund. Erst sieben Jahre später werden die wahren Täter enttarnt: die Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Ermittlungen gegen die Opfer werden eingestellt, aber es haben sich tausende Seiten Ermittlungsakten angehäuft, die das skandalöse Vorgehen der Behörden dokumentieren.

Ein türkischer Mann in seinem Friseursalon.

Özcan Yildirim, Besitzer des Frisörsalons auf der Keupstraße: Er wurde nach dem Anschlag vor seinem eigenen Salon zu einem der Hauptverdächtigen erklärt.

Auswertung der Ermittlungsakten

Der Kölner Filmemacher Andreas Maus hat Zugang zu diesen Akten und verwendet die Originalverhöre der Opfer und Ermittler in seinem Dokumentarfilm. Die Befragungen der Bewohner der Keupstraße werden aus den gesammelten Protokollen der umfangreichen Ermittlungsakten mit Schauspielern szenisch nachgestellt und es wird deutlich, dass von Seiten der Behörden und Ermittlern nur die Überführung der Opfer als Täter in Frage kam. Ein ausländerfeindliches Motiv wurde nie in Betracht gezogen.

Eine türkische Frau in einem Dekorationsladen.

Meral Sahin ist schockiert – einmal vom Anschlag selbst, aber auch, weil der Rechtsstaat nicht funktioniert hat.

Das Leben nach dem Anschlag

Auf eindrückliche Weise zeigt "Der Kuaför aus der Keupstraße" wie tiefgreifend der Bombenanschlag, aber auch die Verdächtigungen danach, das Leben im Kölner Stadtteil Mülheim erschüttert haben. So wie in Köln wurden auch in den anderen Städten, in denen der NSU gemordet hat, zumeist die Angehörigen und ihr Umfeld verdächtigt.

"Der Kuaför aus der Keupstraße" ist eine Produktion von COIN FILM in Koproduktion mit dem WDR. Gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

Ein Film von Andreas Maus
Redaktion: Jutta Krug

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Stand: 18.04.2019, 19:56

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