AKTE D – Das Kriegserbe der Bahn

Einheimische Männer beseitigen Eis und Schnee von den Gleisanlagen im Bahnhof, damit ein Zug einfahren kann.

AKTE D – Das Kriegserbe der Bahn

Hat die deutsche Eisenbahn eine braune Geschichte? Historiker sind sich heute einig: Die Bedeutung der Reichsbahn bei den Nazi-Verbrechen wird immer noch massiv unterschätzt. Mehr noch: Ohne die Reichsbahn wäre der Holocaust niemals möglich gewesen.

Ein Reichsbahner mit Trillerpfeife gibt ein Handzeichen auf dem Rangierbahnhof Berlin-Pankow.

Ein Reichsbahner mit Trillerpfeife gibt ein Handzeichen auf dem Rangierbahnhof Berlin-Pankow.

Über 3 Millionen Opfer wurden mit der Eisenbahn in den Tod gefahren. Und das gegen Bezahlung. Die Reichsbahn rechnete jeden Transport genau ab – pro Kopf und Kilometer. Dass die Deportierten ihre Reise in den Tod oftmals auch noch selbst bezahlen mussten, bereitete den Verantwortlichen der Reichsbahn keine Kopfschmerzen.

Historische Verantwortung

Auch beim Thema Zwangsarbeit spielte die Reichsbahn eine erhebliche Rolle: Mit fast 500.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern war sie der mit Abstand größte „Zwangsarbeitgeber“ im NS-Staat. Laut einer Studie summieren sich die Löhne, die allein die Reichsbahn ihren Zwangsarbeitern vorenthalten hat, auf über 700 Millionen Reichsmark.

Einige Menschen schauen verunsichert aus dem Fenster eines Güterwagons.

Abfahrt eines Deportationszuges vom Hauptbahnhof Bielefeld im Dezember 1941.

Die heutige Deutsche Bahn AG steht zu ihrer historischen Verantwortung. Sagt sie. Doch fragt man nach einer juristischen und vor allem materiellen Verantwortung, blockt sie ab. Die Bahn sieht ihre moralische Pflicht erfüllt. Aber ist sie bereit, sich ihrem Kriegserbe und ihrer historischen Verantwortung wirklich zu stellen?

Ein Film von Winfried Oelsner
Redaktion: Beate Schlanstein und Thomas Kamp

Stand: 20.12.2017, 22:22

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