AKTE D – Das Comeback der Rüstungsindustrie

Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 in voller Fahrt auf einem Testgelände.

AKTE D – Das Comeback der Rüstungsindustrie

Deutsche Waffen tauchen immer wieder in Krisengebieten der Welt auf. IS-Kämpfer posieren mit deutschen Panzerabwehrraketen, Bürgerkriege in Afrika werden mit Sturmgewehren aus Deutschland geführt. Ein Regime wie Katar, das aktiv an regionalen Konflikten teilnimmt, darf 200 Leopard-Panzer kaufen, ohne dass die aktuelle Bundesregierung den Deal verhindert. Wie kann das sein? Hatte der Zweite Weltkrieg nicht klar gemacht: Deutsche Waffen dürfen nie wieder Unheil in der Welt anrichten? Wer verhalf der deutschen Rüstungsindustrie zu ihrem erstaunlichen Comeback, das Deutschland heute zu einem der größten Waffenexporteure der Welt macht?

Ein Mann filmt mit einer Kamera in den Archiven des Deutschen Technischen Museums in München.

Eine Reise durch die Geschichte deutscher Rüstungsindustrie: Akte D über die Waffengeschäfte von früher bis heute.

Netzwerk Rüstungsindustrie

Schon der Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg war problematisch: Die Alliierten setzten auf deutsche Rüstungstechnik, um sich auch mit ihrer Hilfe für den nächsten Krieg zu rüsten - dabei setzten sie sich über die eigenen Regeln hinweg. Führende NS-Rüstungsfunktionäre konnten so in der Bundesrepublik in einer Zeit Karriere machen, als das Land offiziell noch keine Waffen herstellen durfte.

Fabrikationshallen der Fritz Werner AG: Die Firma begann mit der Herstellung von Werkzeugmaschinen zur Waffenproduktion.

Produktionshallen der Fritz Werner AG: Die Firma produzierte Waffen für Nazi-Deutschland und expandierte in den 50er Jahren sogar international.

Der Film beleuchtet dieses Netzwerk und erzählt zudem die verblüffende Geschichte einer Firma aus Berlin, die schon in den 1950er Jahren begann, Waffenfabriken in aller Welt zu bauen, und so zum "tödlichsten" Unternehmer der Nachkriegszeit werden sollte.

Das Geschäft mit den Waffen

Auch SPD-Politiker, die auf eine Politik der Entspannung setzten, stoppten die Waffengeschäfte nicht. Unter den Kanzlern Brandt und Schmidt wurde die Bundesrepublik zu einem internationalen Player im Waffengeschäft. Selbst Militärdiktaturen wurden dabei mit Genehmigung der jeweiligen Regierung hochgerüstet. Häufig ging es darum, Bündnispartner zu stärken, oft waren jedoch die Profitinteressen der Rüstungskonzerne entscheidend - und oft genug war Schmiergeld im Spiel. Waffenexporte großen Umfangs in Krisengebiete waren aber kein Privileg des Westens. Die Dokumentation von Dirk Laabs belegt anhand von bislang unveröffentlichten Dokumenten, wie tief auch die Führung der DDR im internationalen Waffenhandel verstrickt war.

Dokument Situationsplan zur Herstellung von Gewehrpatronen

Sammlungen zur Rüstungsindustrie im Deutschen-Technischen Museum: Situationsplan zur Herstellung von Gewehrpatronen.

Die Dokumentation zeichnet den Aufstieg der deutschen Rüstungsindustrie nach dem Krieg nach und erklärt, warum die Kriegswaffenkontrolle bis heute immer wieder scheitert. Ein brisantes Kapitel der Nachkriegsgeschichte - mit aktuellen Auswirklungen.

"Akte D" ist eine investigative Dokumentationsreihe, die die Zuschauer auf Spurensuche in die Vergangenheit mitnimmt, verdrängte Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte neu beleuchtet und mit Mythen und Legenden aufräumt. Die erste Staffel dieses Formats wurde 2015 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Ein Film von Dirk Laabs
Redaktion: Thomas Kamp (WDR), Beate Schlanstein (WDR), Astrid Harms-Limmer (BR), Marc Brasse (NDR)

Stand: 20.12.2017, 22:16

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