Die eigenen vier Wände

Deutschland filmt! - Folge 3

Stand: 14.08.2015, 23:15 Uhr

Richtfest auf der Baustelle, Weihnachtslieder vor dem Tannenbaum, Modeschauen im Wohnzimmer – nicht erst seit YouTube ist das Privatleben eine öffentliche Angelegenheit. Schon seit Jahrzehnten wird unter deutschen Dächern gefilmt, was das Zeug hält. Super 8, 16-mm-Film, Video oder Smartphone – die Technik hat sich geändert, die Szenerie nicht unbedingt: Zuhause ist es am schönsten und die Kamera immer irgendwo in der Nähe

Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander und blicken in die Kamera. Im Hintergund ist ihr Eigenheim zu sehen.

Egal ob Finanzierung mit Bausparvertrag, Kredit oder über die Genossenschaft: Für viele ist das Eigenheim bis heute der Traum vom Glück.

Auf Dachböden und in privaten Archiven liegen oft sogar kulturhistorische Schätze verborgen: Privatfilme aus mehr als fünf Jahrzehnten erzählen davon, wo und wie sich die Deutschen am wohlsten fühlten: Vom Gelsenkirchener Barock bis zum coolen Fabrikloft.

Fernsehstar im Möbellager

Während man sich in Westdeutschland über den Zusammenbau von Billy Regalen entzweite, ging im Osten ohne Improvisationstalent und Phantasie gar nichts. Zum Beispiel bei Winfried Glatzeder: Der berühmte DDR-Schauspieler wohnte in maroden Altbauten und beschaffte sich seine Wohnungseinrichtung in Sammelstellen für alte Möbel – liebevoll festgehalten mit der Schmalfilmkamera der Mutter.

Ein älterer Mann sitzt in einem Sessel vor seinem Fernsehschrank und zeigt seine alten Aufnahmen aus der Vergangenheit.

Das echte Heimkino: Hier zeigt sich. wie sich Wohntrends und Geschmäcker geändert haben.

Zeitreise durchs Wohnzimmer

Unzählige Meter Film haben Amateurfilmer in Deutschland belichtet. Sie dokumentieren Lebensgefühl und Zeitgeist von den Kriegsjahren bis heute. Der Film "Die eigenen vier Wände" ist eine Zeitreise durch ost- und westdeutsche Wohngeschichte.

Glücksgefühle im Plattenbau

Franz Eckstaller saß mit seiner Mutter im Luftschutzkeller, als sein Haus zerbombt und all seine Spielsachen unter den Trümmern begraben wurden. Rüdiger Kalwa filmte das Leben in einer Zechenwohnung im Ruhrgebiet. Rolf Spieker erzählt vom Glück, in Rostock eine Plattenbauwohnung mit Heizung, Bad und Balkon zu ergattern und Ehepaar Scholz vom Einzug in die Sozialwohnung in Nürnberg.

Zwei Männer und eine Frau sitzen zusammen am Tisch in ihrer Essnische und blicken in die Kamera.

Idylle am Küchentisch: Ob Familienfeier oder Wohngemeinschaft - in der Küche plaudert sich am besten.

In Westdeutschland verhalf ein Bausparvertrag zum Traum vom eigenen Haus, in Magdeburg Improvisation und Eigeninitiative. In Kiel protestierten Hausbesetzer lautstark gegen Altbauabrisse, in Potsdam versuchte Andreas Höntsch vergeblich eine Dusche in der Küche einzubauen.

Ein Film von Elke Sasse
Redaktion: Monika Pohl und Christiane Hinz

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