Unsere Wettergeschichten

Unsere Wettergeschichten Unser Westen 02.07.2021 44:20 Min. UT Verfügbar bis 02.07.2022 WDR Von Melanie Didier

Unsere Wettergeschichten

Stürme, Gewitter, Schneechaos, Dürre - bis heute ist das Wetter bei uns "Thema Nummer 1", umso mehr noch, wenn es extreme Formen annimmt. Auch bei uns im Westen gab es in den letzten Jahren viele Wetterkapriolen, die uns in Atem gehalten haben ...

Sturmtief Ela zum Beispiel. Ein Jahrhundert-Gewitter, das 2014 durch den Westen fegt und beeindruckende Wettergeschichten liefert. Und auch andere besondere Phänomene sind uns bis heute im Gedächtnis geblieben: das Schneechaos im Münsterland 2005 oder die Sternschnuppen-Nächte in der Eifel.

Topthema: Das Wetter im Westen

Heiß, kalt, stürmisch - das Wetter im Westen kann alles. Und so manche Wetterlage birgt den Stoff für interessante, dramatische, aber zuweilen auch amüsante Geschichte ...

Maike Willuweit, Harald Badenhagen, Wanja Wiese, Sven Plöger.

Unsere vier Experten - Försterin Maike Willuweit, Astronom Harald Bardenhagen, Sturmjäger Wanja Wiese und Meteorologe und Fernsehmoderator Sven Plöger - begleiten uns auf unserer Wetter-Reise durch den Westen ...

Unsere vier Experten - Försterin Maike Willuweit, Astronom Harald Bardenhagen, Sturmjäger Wanja Wiese und Meteorologe und Fernsehmoderator Sven Plöger - begleiten uns auf unserer Wetter-Reise durch den Westen ...

Sturmtief Ela 2014
Blitze, Sturm, Wolken: Am  9. Juni 2014 braut sich etwas Gewaltiges über unseren Köpfen zusammen. Denn Sturmtief Ela fegt am Pfingstmontag über unseren Westen und beendet einen zunächst sonnigen Tag ziemlich abrupt, dunkel und stürmisch.
Es werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 142 Kilometer pro Stunde gemessen. Und gebietsweise fallen rund 40 Liter Niederschläge auf den Quadratmeter. Ela hinterlässt an vielen Orten des Landes eine Spur der Verwüstung …

Sturmjäger Wanja Wiese ist fasziniert von stürmischem Wetter. Seit 12 Jahren jagen er und seine Freunde bereits besonderen Wettergeschichten hinterher. Auch 2014 ist er mit seiner Kamera dabei, als Ela über den Westen zieht.

Auch in Köln wütet Ela heftig. Zunächst ist davon allerdings gar nichts zu spüren: Es ist ein strahlend schöner Tag mit über 30 Grad. Perfekt für das Birlikte Festival, das zum Gedenken an die Opfer des NSU-Anschlags in der Kölner Keupstraße gefeiert wird. Rund 50.000 Menschen kommen und feiern mit Kölner Bands bei schönstem Sonnenschein.
Doch plötzlich geht alles rasend schnell – Ela stürmt auf Köln zu. Jetzt zählt jede Sekunde, deshalb treffen die Verantwortlichen eine schnelle Entscheidung: Sie brechen die Veranstaltung ab. Zum Glück. Denn schon 25 Minuten nach dem Abbruch der Veranstaltung tobt das Sturmtief über dem Festivalgelände. Doch zum Glück wird niemand verletzt.

Auch Düsseldorf wird nicht verschont. Im Großraum um die Landeshauptstadt stürmt Ela sogar am stärksten. Die Feuerwehr ist mit allen Kräften im Dauereinsatz. Sogar die Bundeswehr muss anrücken, um mit Panzern und starkem Gerät die Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien. Besonders schlimm trifft es den Düsseldorfer Hofgarten – alleine hier werden 370 Bäume zerstört, viele davon sind über hundert Jahre alt ...

Vier Düsseldorfer Design Studenten haben aber eine tolle Idee. Sie wollen nicht, das die Bäume zu Brennholz werden. Sie sichern sich die Stämme von einigen Bäumen und machen aus dem Holz die sogenannten „Sturmbrettchen“. Eine tolle Idee, die zum Renner wird: Rund 17.000 Bestellungen trudeln damals bei den Studenten ein! Vom Erlös der verkauften Brettchen pflanzen die Studenten dann 35 neue Bäume und gründen zusammen eine Firma. Eine stürmische Erfolgsgeschichte, made in NRW.


Sternschnuppen-Regen
Das ist mal ein Regen, der wirklich einfach nur schön ist! In der Eifel ist dieses funkelnde Naturspektakel regelmäßig zu erleben. Ob Leoniden oder Perseiden – in der Eifel ist die Wahrscheinlichkeit, die Sternschnuppen zu sehen besonders gut. Denn durch die dünne Besiedlung und die geringe Luftverschmutzung ist der Nachthimmel hier besonders dunkel und sauber. Nicht umsonst darf sich der Nationalpark Eifel seit 2019 auch als „Sternenpark“ bezeichnen. Davon gibt es nur vier Stück in Deutschland.

Astronom Harald Bardenhagen hat sich viele Jahre dafür eingesetzt, dass der Nationalpark Eifel zum Sternenpark wird. Und er liebt es, seine Faszination für die Astronomie weiterzugeben, zum Beispiel bei Sternenführungen im Nationalpark.

Im August und im November regnet es in NRW übrigens besonders viele Sterne. Denn dann sind die Bedingungen besonders gut: Der Himmel ist extrem dunkel, die Temperaturen perfekt und es gibt oft wolken-freie Sicht auf den Nachthimmel. Und nicht vergessen: Wer eine Sternschnuppe am Himmel sieht, der hat einen Wunsch frei …

Seit über 20 Jahren bringt uns Sven Plöger bereits die Wetter-Vorhersage nach Hause. Mehr als nur ein Job für den Diplom-Meteorologen. Denn seit frühester Kindheit ist er fasziniert vom "Wetter" und allem, was damit zusammenhängt. Sein Herzensthema ist dabei der Klimawandel, denn für ihn fest steht: "Wir müssen was ändern". Die Folgen des Klimawandels sieht man auch bei uns im Westen ...

Klimawandel-Spuren
Maike Willuweit
ist Forstwirtschaftsmeisterin aus Haltern. Ihr Wald-Revier ist die „Haard“ im Ruhrgebiet. Sie liebt den Wald seit frühester Kindheit. Umso mehr schmerzt es sie, täglich den schlechten Zustand "ihrer" Bäume zu sehen ...


Die "Haard" ist ein über 5000 Hektar großes Waldgebiet zwischen Haltern und Recklinghausen ist. Ereignisse wie Stürme hinterlassen auch hier Spuren. Doch der Wald leidet noch viel mehr unter den Auswirkungen des Klimawandels.
Die Trockenheit macht besonders Bäumen wie Fichten und Buchen zu schaffen. Der Borkenkäfer gibt den Bäumen dann den Rest. Den Wald mit Bäumen, die mit Trockenheit besser klar kommen, wieder aufzuforsten, ist eine Möglichkeit. Die langfristig sinnvollere sicherlich, dem Klimawandel nachhaltig entgegen zu wirken.

Tornado 2004
Am 18. Juli 2004 braut sich am Himmel über Nordrhein-Westfalen gewaltig was zusammen: Mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde wütet ein Tornado im Ruhrgebiet und hinterlässt in Duisburg, Oberhausen und Essen eine Spur der Verwüstung.
Am stärksten betroffen ist das Zentrum von Duisburg und der Hafen: Zahlreiche Häuser werden abgedeckt, Bäume entwurzelt, unzählige Autos beschädigt, Keller laufen voll Wasser. Im Parallelhafen Duisburg stürzt ein Bagger auf ein Motorschiff, Container werden ins Hafenbecken geweht. Nur rund 30 Minuten wütet der Tornado in Duisburg, aber das Aufräumen dauert mehrere Wochen. Und die verursachten Schäden liegen in Millionenhöhe.


Dürre 1959  
Ein super Sommer mit Sonne satt - das ist normalerweise Grund zur Freude. Doch 1959 ist es eindeutig zu viel des Guten. Fast drei Monate brennt die Sonne damals erbarmungslos vom Himmel, kein Tropfen Regen in Sicht.
Die Hitze sorgt für verdorrte Äcker und Ernteausfälle, durstige und hungrige Tiere. Vor allem im Bergischen Land sind die Auswirkungen der Dürre besonders schlimm. Der Wasserpegel in den Flüssen und Talsperren singt und führt zu Einschränkungen des Wasserverbrauchs. Einige Talsperren - wie die Bevertalsperre im Oberbergischen – sind sogar vollkommen leer. Viele Haushalte haben kein Wasser und müssen mit Wassertankwagen versorgt werden. Nach 70 Tagen Dürre dann endlich: Regen! Selten freut man sich im Bergischen so über das erlösende Nass von oben.


Schneechaos 2005
Im November 2005 erwischt es die Menschen im Münsterland eiskalt. Rund eine Milliarde Tonnen Neuschnee fallen vom Himmel. Es schneit drei Tage lang ununterbrochen!
Das entstehende Schneechaos hat nichts mehr mit "Winter-Wonderland" zu tun: Der Verkehr bricht zusammen, Autofahrer stecken stundenlang in ihren Wagen fest, der Bahnverkehr kommt zum Erliegen. Und es kommt noch schlimmer: Der nasse Schnee legt sich auf Stromleitungen und Maste. Die Stahlgerüste knicken unter der weißen Last zusammen wie Streichhölzer. Die Stromversorgung von 250.000 Menschen wird gekappt. In einigen Orten haben die Menschen sechs Tage lang keinen Strom ...

... und so kommen im Münsterland neun Monate später doppelt so viele Kinder wie sonst zur Welt. Babyboom dank Schneechaos! Auch bei Ulla und Andreas Pass kommt Sohn Tim pünktlich neun Monate nach dem Schneechaos zur Welt - Volltreffer.

Kyrill 2007
Was da am 18. Januar 2007 über unseren Westen hinwegfegt hat es so zuvor noch nicht gegeben: Mit mehr als 200 Kilometer pro Stunde fegt Orkan Kyrill über das Land. Rund 25 Millionen Bäume knicken um wie Streichhölzer, das entspricht der Holzernte von drei Jahren. Auch zahllose Strommasten, Strom- und Telefonleitungen und zehntausende Häuser werden zerstört.
Kyrill richtet immense Schäden an. Viele Existenzen werden an diesem Tag zerstört. Auch heute erinnern noch viele freien Flächen im Sauer- und Siegerland an den Tag im Januar 2007. Auf dem "Kyrill-Pfad" bei Schmallenberg kann man die Spuren, die der Orkan hinterlassen hat noch sehen. Und das "Kyrill-Tor" - gebaut aus Stämmen, die dem Sturm zum Opfer gefallen sind - erinnert sowohl an die Verwüstung, aber auch an den Wiederaufbau - und die unglaubliche Widerstandskraft der Natur.

Zusammen mit unseren "Wetter-Experten" machen wir uns auf die Reise durch unseren Westen und entdecken ungewöhnliche Geschichten.

Stand: 31.05.2021, 15:56

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