Unsere Winterbräuche

Unsere Winterbräuche

Die Weihnachtszeit beginnt am 11. November mit dem Fest des heiligen Sankt Martin und endet erst Anfang Februar mit Mariä Lichtmess. In dieser Zeit folgen die Menschen bei uns im Westen den verschiedensten Winterbräuchen...

Darunter ganz bekannte, wie dem Nikolausfest am 6. Dezember - in der Mitte der vorweihnachtlichen Fastenzeit. Aber auch ganz unbekannte, merkwürdig anmutende Bräuche, wie das neue Jahr zu begrüßen mit Midwinterhörnern oder Milchkannenschüssen im Münsterland. In Siegen-Wittgenstein wird "gerewwelt", um sich wieder zu vertragen. Und am Niederrhein werden am 2. Weihnachtsfeiertag die Pferde gesegnet und die Glocken gebeiert.

Von Barbarazweig bis Wurstsingen...

In der Zeit der kalten und dunklen Winternächte rund um die Jahreswende gibt es viele Bräuche. Wir haben einige davon zusammengetragen...

Sankt Martin

Sankt Martin
Der Martinstag am 11. November markiert den Beginn der christlichen Weihnachtszeit. Gefeiert wird das Andenken an Sankt Martin.
Der Legende nach zerteilte Martin von Tours - damals noch römischer Soldat - seinen eigenen Umhang, um ihn mit einem frierenden, armen Bettler zu teilen. Bis heute gilt der heilige Martin als Patron der Armen und Geächteten.
An Sankt Martin wird an vielen Orten mit einem Laternenumzug an dessen barmherziges und christliches Handeln erinnert. Oft wird dabei auch die berühmte Legende nachgestellt - wie beim Martinszug in Essen-Kettwig, wo Sankt Martin als Soldat gekleidet mit einem Pferd die Prozession anführt. So werden auf anschauliche Weise urchristlichen Werte von Barmherzigkeit und Mitgefühl auch den Kleinsten vermittelt.

Sankt Martin
Der Martinstag am 11. November markiert den Beginn der christlichen Weihnachtszeit. Gefeiert wird das Andenken an Sankt Martin.
Der Legende nach zerteilte Martin von Tours - damals noch römischer Soldat - seinen eigenen Umhang, um ihn mit einem frierenden, armen Bettler zu teilen. Bis heute gilt der heilige Martin als Patron der Armen und Geächteten.
An Sankt Martin wird an vielen Orten mit einem Laternenumzug an dessen barmherziges und christliches Handeln erinnert. Oft wird dabei auch die berühmte Legende nachgestellt - wie beim Martinszug in Essen-Kettwig, wo Sankt Martin als Soldat gekleidet mit einem Pferd die Prozession anführt. So werden auf anschauliche Weise urchristlichen Werte von Barmherzigkeit und Mitgefühl auch den Kleinsten vermittelt.

Adventskalender-Haus
Jedes Jahr im Dezember verwandelt sich das Alte Rathaus im mittelalterlichen Stadtkern von Hattingen in einen riesigen Adventskalender. Die 24 Fenster des im Jahre 1576 erbauten Gebäudes werden mit weihnachtlichen Motiven geschmückt. Geöffnet werden die Fenster vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag um 17.00 Uhr von Frau Holle! Anschließend erzählt sie eine Geschichte oder singt gemeinsam mit den versammelten Kindern ein Lied. Glänzende Augen sind hier garantiert.

Überall im Land verbreitet sich auch zunehmend die Idee des "lebendigen Adventskalenders": An jedem Abend der Adventszeit laden Nachbarn, Freunde, Bekannte, Gemeindemitglieder sich gegenseitig ein zu einem kleinen Event oder einfach nur zum Zusammensein und um sich gemeinsam auf das Weihnachtsfest einzustimmen.

Nikolaus
Alljährlicher Ehrengast auf dem Weihnachtsmarkt in Rheine ist der Nikolaus. Der heilige Mann reist mit dem Schiff über die Ems an, dann geht es gemeinsam mit seinem Gefolge und den Zuschauern zum Weihnachtsmarkt auf dem alten Marktplatz. Dass der Heilige Nikolaus mit dem Schiff anreist, ist nicht ungewöhnlich, denn er gilt als Schutzpatron der Seefahrer. Eine Legende besagt, dass er einst ein in Seenot geratenes Schiff vor dem Untergang rettete.
Auf den Nikolaustag am 6. Dezember freuen sich besonders die Kinder - denn dann gibt es Geschenke. Der Heilige Nikolaus, der Bischof von Myra war, widmete sein Leben vor allem den armen und benachteiligten Menschen und vor allem auch Kindern in Not. Daraus entwickelte sich dann der Brauch der Nikolausgeschenke.

Nicht verwechseln sollte man den Nikolaus mit dem Weihnachtsmann. Letzterer ist eher eine Erfindung der Werbeindustrie und zusammen mit dem Abwenden von religiösen Traditionen im 19. Jahrhundert populär geworden. Der Heilige Nikolaus ist nur echt mit der Mitra, der Bischofsmütze, und dem Bischofsstab - so wie der in Rheine eben! 

Midwinterhörner
Im münsterländischen Ochtrupp, nahe der niederländischen Grenze, pflegt man eine ganz besondere Tradition: Das Middewinterhorn blasen. „Middewinter“ bedeutet im plattdeutschen Dialekt „die Mitte des Winters“. Im Westmünsterland wurde auch Weihnachten als „Middeweinter“ bezeichnet. Ein Middewinterhorn ist also ein Weihnachtshorn und wird daher in der Zeit vom 1. Dezember bis zum Dreikönigsfest am 6. Januar erklingen lassen.

Seit dem 15. Jahrhundert fertigt man diese ca. 1,30 Meter langen Hörner aus Holz an. Sie dienten in früherer Zeit auch als Verständigungsmöglichkeit zwischen den oft weit entfernt gelegenen Höfen oder als Warnsignal. Der Klang der Midwinterhörner ist sehr speziell, denn jedes Horn erzeugt einen anderen Ton. Deshalb werden sie nacheinander und nicht zusammen gespielt.

Milchkannenschießen
Noch ein interessanter Brauch: Salutschüsse auf münsterländisch quasi, das ist das Milchkannenschießen ursprünglich gewesen. Festtage, wie die Geburt eines Kindes oder Eheschließung, wollen schließlich lautstark gewürdigt werden. Beim Milchkannenschießen wird der Deckel der Milchkanne durch eine explosive Mischung bis einige Dutzend Meter mit einem lauten Knall weggesprengt.

Pferdesegnung
Immer am 2. Weihnachtsfeiertag findet im Gocher Ortsteil Kessel eine feierlichere Pferdesegnung statt. Die Segnung von Pferden oder auch anderen Tieren hat eine lange Tradition im bäuerlichen Leben. Schließlich hing vom Wohlergehen der Tiere auch das der Menschen ab. Da kann ein Segen von ganz Oben ja nicht schaden. Hier in Kessel am Niederrhein ist dieser Brauch noch sehr lebendig und manche Teilnehmer kommen schon seit vielen Jahren zu der stimmungsvollen Veranstaltung.

Glockenbeiern
Normalerweise werden Kirchenglocken durch Schwingen zum Klingen gebracht. Beim Glockenbeiern aber wird der Klöppel mit der Hand nach einem festgelegten Rhythmen angeschlagen. Mehrere "Beiermänner" können so auch richtige Melodien spielen. Gebeiert wird nur an besonderen Festtagen - wie Weihnachten.
Auch in Büttgen am Niederrhein wird die Tradition im Turm der Pfarrkirche aufrecht erhalten. 

Nachtsanggeläut
In Gütersloh nennt man das Beiern „Nachtsanggeläut“. Das Besondere daran: Nur ein Glöckner beiert drei Glocken gleichzeitig. Dafür werden die Klöppel mit einem Seil an den Hände und Füße des Musikanten fixiert. Durch Anziehen, Schlagen und Loslassen mit Händen und Füßen wird dann die Melodie gespielt. Eine durchaus beachtliche körperliche Leistung!
Das Nachtsanggeläut erklingt traditionell in der Zeit zwischen Reformationstag und Maria Lichtmess.
Zu hören ist ein Nachtsanggeläut zum Beispiel in der Martin-Luther-Kirche in Gütersloh.

Sinterklaas und Zwarte Piet
Weihnachtsmärkte gibt es in der Region viele, aber nur der in Blomberg ist stark durch niederländische Traditionen geprägt. Denn in Blomberg waren in den sechziger Jahren viele niederländische Soldaten stationiert. Diese brachten nicht nur ihre Familien mit, sondern auch ihren „Sinterklaas“ und seinen „Zwarten Pieten“. Seither hat sich mit dem "Sint Nicolaas Mark" in Blomberg der größte niederländische Weihnachtsmarkt in Deutschland entwickelt.

Jedes Jahr am 1. Advent freuen sich nun Groß und Klein auf den hohen Besuch aus dem Nachbarland, ausgelassene Stimmung und natürlich original niederländische Leckereien.

Brezelgang
In der Eifel gibt es einen leckeren Brauch: der sogenannte Brezelgang. Ende Januar verteilen die St. Sebastianus Schützen bei einem Umzug mehrere tausend Brezeln an die Bevölkerung.

Ihren Ursprung hat diese Tradition im Dreißigjährigen Krieg. In dieser Zeit des Hungers und der Not ordnete der Kloster-Abt an, an die Bedürftigen gesegnetes Brot zu verteilen. Seit 1856 führen die Mitglieder des St. Sebastianus-Vereins diesen schönen Brauch jetzt schon fort.

Barbarazweig
Für diesen Brauch muss man früh aufstehen und noch vor Sonnenaufgang Zweige von Obstbäumen schneiden. Am liebsten Kirschzweige - Forsythie oder Quitte geht aber auch. Sie sollen am Heiligen Abend erblühen und der Sage nach Glück bringen! Aber nur wenn sie am 4. Dezember - dem Barbaratag - geschnitten werden!

Der Geschichte des Barbarazweiges reicht bis ins Mittelalter zurück. Der Legende nach soll ein Kirschbaumzweig, den die Heilige Barbara auf Ihrem Weg ins Gefängnis in eine Vase gestellt hat, völlig unerwartet an Ihrem Todestag geblüht haben.

Brief ans Christkind
Es hat sich herumgesprochen: das Christkind hat sein irdisches Büro in Engelskirchen. Und das bereits seit über dreißig Jahren. 1985 trudelten erstmal Wunschzettel in Engelskirchen ein, adressiert „An das Christkind bei den Engeln“. Die Post und die Gemeinde reagierten schnell und richteten dem Christkind im oberbergischen Engelskirchen eine Postfiliale ein. Mittlerweile  kommen hier über 130.000 Briefe und Wunschzettel aus aller Welt an – und alle werden beantwortet! Jedes Jahr am dritten Adventswochenende ist auch das Christkind höchstpersönlich in seiner Filiale anzutreffen.

Wunschbäume
Wer selbst ein bisschen Christkind spielen will, der sollte sich in seiner Stadt oder Gemeinde nach einem „Wunschbaum“ umhören. Bei der Wunschbaum-Aktion hängen Kinder aus bedürftigen Familien Wunschzettel an einen Baum. Geschenke-Paten erfüllen ihnen dann ihre Wünsche. Eine tolle Sache für alle Beteiligten!

Heischebräuche
Das Kurrende-Singen war ursprünglich ein protestantischer Brauch, bei dem bedürftige Schüler von Haus zu Haus ziehen, singen, und dafür etwas zu Essen oder Geld bekommen. Im Sauerland gibt es für den Brauch keine Altersbegrenzung – hier ziehen junge und junggebliebene Menschen von Tür zu Tür und erfreuen mit mehrstimmigen Adventsliedern.

Das Kurrende-Singen bezeichnet man auch als Heischebrauch. Dabei geht es immer um das Erbitten von Gaben. In den unterschiedlichen Regionen haben sich verschiedene und manchmal auch skurrilen Formen ausgeprägt, wie das „Wurstsingen“ im Sauerland – bei dem die Sänger eben Würste erbitten.

Dass alte Traditionen angesagt sind, sieht man auch in Siegen-Wittgenstein. Auch in der Gemeinde Netphen-Salchdorf geht es um die Wurst. Hier zieht eine "Wurstekommission", bestehend aus den jungen und unverheirateten Männer des Ortes, am Silvestertag durch die Gemeinde und sammelt Würste und Geldspenden ein. Die Wurstspenden werden dann auf der Silvesterfeier verputzt und mit den Geldspenden werden die ortsansässigen Vereine unterstützt. 

Rewweln
In Diedenshausen bei Bad Berleburg trinkt man Schnaps nicht aus dem Glas. Man löffelt ihn aus einer Suppen-Schüssel! Auch das ein alter Brauch: das Rewweln. Angesetzt wird die Suppe aus Rum, Korn und Kümmelschnaps, mit ein paar Honigkuchenherzen als Einlage. Und dann heißt es: die Suppe gemeinsam auslöffeln. Und genau daher kommt auch dieser Brauch: beim gemeinsamen Rewweln sollte ein etwaiger Streit mit den Nachbarn friedlich beigelegt werden.  

Sternsinger
„Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr: Kaspar, Melchior und Balthasar.“

Das Dreikönigsingen ist sozusagen die die katholische Version des Kurrendesingens. In den Kostümen der drei Heiligen Könige ziehen Kinder am 6. Januar von Haus zu Haus und sammeln Geldspenden - in jedem Jahr für ein anderes caritatives Projekt. Die Sternsinger-Aktion ist außerdem weltweit die größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder!

Im Kölner Dom findet jedes Jahr ein feierlicher Aussendungsgottesdienst für mehr als 3000 Sternsinger statt. Hier erhalten die Kinder und Jugendlichen den Segen für ihre Mission. Ein wirklich bewegendes Ereignis.

Öffnung des Dreikönigsschreins im Kölner Dom
Traditionell öffnet der Kölner Dom einmal im Jahr seinen größten Schatz: den Dreikönigsschrein. Am Tag der Heiligen Drei Könige, am 6. Januar, wird die trapezförmige Platte des Doms geöffnet und gibt, laut Legende, den Blick frei auf die drei Totenschädel der Heiligen Drei Könige. Der Schrein ist eines der größten, künstlerisch bedeutendsten und inhaltlich anspruchsvollsten Reliquien des Mittelalters. Zahlreiche Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen - Schlange stehen ist also garantiert, doch es lohnt sich.

Wie die Sternsinger ziehen Sabine Heinrich, Yvonne Willicks, Thomas Bug und Ingolf Lück durch das winterliche Land und suchen nach verborgenen, unterhaltenden und liebenswerten Winterbräuchen.

Stand: 29.11.2018, 17:45

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