Unser Westen, unser Bestes: Der Teutoburger Wald

Unser Westen 28.01.2022 44:17 Min. UT Verfügbar bis 28.01.2023 WDR Von Christoph Wittig

Unser Westen, unser Bestes: Der Teutoburger Wald

Stand: 28.12.2021, 18:54 Uhr

Der Hermann wacht über die Naturlandschaft des Teutoburger Waldes, eine Region, die zur Erholung einlädt. Nirgendwo sonst gibt es außerdem so viele Heilbäder. Gradierwerke bieten sogar wunderbares Meeresklima - mitten in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte hautnah erleben, auch das geht wirklich gut in Ostwestfalen-Lippe. Das benediktinische Klosterleben in Corvey ist "nur" 1200 Jahre alt. Doch das Westwerk der Klosterkirche trägt zu Recht seit 2014 den Titel UNESCO-Weltkulturerbe.

Beeindruckend sind auch die Externsteine. Schon seit der Eiszeit prägen sie das Bild der Landschaft. Unsere Entdeckungstour endet schließlich in Paderborn, der Stadt, die ihren Namen von dem kürzesten Fluss Deutschlands ableitet. Eine Region zeigt sich von ihrer natürlichsten Seite.

Sprudelnde Quellen, imposante Felsen

Der Teutoburger Wald - die Region, in der das Wasser aus der Erde sprudelt und bizarre Felsen in den Himmel wachsen. Auf geht's zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die schönen Landschaften von Ostwesfalen-Lippe ...

Aqua Magica - Bad Oeynhausen


Zahlreiche Heilquellen und entsprechend viele Kurorte sind in der Region zu finden. Zwischen Löhne und Bad Oeynhausen wurde dem kostbaren Nass sogar ein eigener Park gewidmet: der „Aqua Magica“. Der „Park der Magischen Wasser“  wurde zur Landesgartenschau im Jahr 2000 erbaut und bindet die solehaltigen und warmen Heilquellen in eine anspruchsvolle Gesamtgestaltung mit ein.  


Zahlreiche Heilquellen und entsprechend viele Kurorte sind in der Region zu finden. Zwischen Löhne und Bad Oeynhausen wurde dem kostbaren Nass sogar ein eigener Park gewidmet: der „Aqua Magica“. Der „Park der Magischen Wasser“  wurde zur Landesgartenschau im Jahr 2000 erbaut und bindet die solehaltigen und warmen Heilquellen in eine anspruchsvolle Gesamtgestaltung mit ein.  

Wer noch mehr für die Gesundheit tun möchte: Eine Wohltat für die Atemwege ist das große Gradierwerk im Kurpark mitten in Bad Salzuflen. Wo einst Salz gewonnen wurde, gibt es heute Nordsee-Feeling für Kur-Besucher: Bis zu 600.000 Liter salzhaltiges Wasser – also Sole – rieseln hier täglich an einer Wand aus Schwarzdornzweigen herab und erzeugt ein Heilklima wie am Meer.

Hermann der Cherusker - er ist der Prominenteste im ganzen Teutoburger Wald. Und der Größte: Über 50 Meter hoch ist das imposante Denkmal. Es erinnert an die Varusschlacht (9 n. Chr.) im Teutoburger Wald und den Sieg über römische Legionen unter Führung des Cherusker-Fürsten.
Seit fast 150 Jahren steht die 42 Tonnen schwere Kolossalfigur jetzt schon hier bei Detmold. Bei der Einweihung 1875 ist sie sogar die größte Statue der westlichen Welt.

Spektakulär ist auch ein Besuch in der Adlerwarte Berlebeck. Sie ist die artenreichste Greifvogelwarte Europas. Höhepunkte sind die Flugshows mit bis zu zehn verschiedenen Greifvogelarten.

Auch ein Abstecher zu den Externsteine ist ein absolutes Muss.
Beeindruckend und bizarr recken sich die dreizehn bis zu 40 Meter hohe Felsen bei Horn-Bad Meinberg gen Himmel.
Geologisch lässt sich die Entstehung und das Aussehen der Externsteine ganz einfach erklären: Die riesigen Sandsteinfelsen wurden gegen Ende der Kreidezeit vor rund 70 Millionen Jahren gefaltet und hochgestellt, später ausgewaschen und geborsten. Seit 1926 stehen sie bereits unter Naturschutz.

Der Altenbekener Viadukt ist mehr als nur eine praktische Eisenbahnbrücke über das Beketal. Imposant und elegant zugleich fügt sich das goldfarbene Bauwerk mit seinen 24 Rundbögen in die Landschaft ein. Das 1853 eingeweihte Bauwerk gilt daher als das vielleicht schönste und bekannteste klassische Rundbogenviadukt Nordwestdeutschlands. Sicher ist es aber die größte Kalksandsteinbrücke Europas: Stolze 482 Meter lang und 35 Meter hoch ist sie. Ein Highlight, nicht nur für Eisenbahnfans.

Mönche, Kaiser, Könige – Schloss Corvey hat im Laufe seiner Geschichte schon einige Bewohner erlebt. Die ehemalige Benediktinerabtei hat eine wechselhafte Geschichte und bietet einen Streifzug durch 1.200 Jahre Architekturgeschichte.
Und: Hier befindet sich das älteste und fast vollständige erhaltene karolingische Westwerk der Welt! Das hat auch die UNESCO überzeugt und nimmt es 2014 in die Liste des Weltkulturerbes auf. Außerdem findet man hier auf Schloss Corvey eine der größten Privatbibliotheken Deutschlands, mit über 70.000 Büchern.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Bielefeld gäbe es gar nicht. Genauso hartnäckig versuchen Fans der Stadt im Teutoburger Wald zu beweisen, wie schön es hier doch eigentlich ist … Ein Besuch auf der Sparrenburg ist da hilfreich. Von hier oben hat man einen phantastischen Panoramablick über die Stadt und die Umgebung.

Bielefeld hat neben der Burg aber auch Industriegeschichte zu bieten. Eine Zeitreise kann man im Museum Wäschefabrik unternehmen. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts ist Bielefeld das Zentrum der Leinenweberei. In dem charmanten Museum im ehemaligen Spinnereiviertel ist die Zeit scheinbar stehen geblieben, und liefert so einen interessante Eindruck von der Lebenswelt der Bielefelder in den Zeiten der Industrialisierung.

Ein alter Platz in komplett neuem Gewand ist der Kesselbrink. Wo heute Skater ihre Runden ziehen, köttelten früher Tiere den Platz voll. Denn der Name "Kesselbrink" leitet sich von der ehemaligen Viehweide "Köttelbrink" ab ...
Vor der Neugestaltung wird der Platz lange als Parkplatz und Busbahnhof genutzt. 2010 wird dann ein Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes ausgerufen und seit 2013 erstrahlt der Kesselbrink in neuem Glanz: Mitten in Bielefeld ist so Deutschlands größter Freiluft BMX- und Skaterpark entstanden! Beim „Bielefeld City Jam“ treffen hier jährlich Amateure und Profis aufeinander - drei Tage Spektakel, die man nicht verpassen sollte.

In Bielefeld steht außerdem die Machtzentrale einer der größten deutschen und international tätigen Familienunternehmen: Dr. Oetker.
Dabei fängt alles ganz klein an: In der Hinterstube einer Bielefelder Apotheke versucht sich Dr. August Oetker 1891 an einem Backtriebmittel. Die Idee des Backpulvers ist zu diesem Zeitpunkt nicht neu, doch der Apotheker hat eine zündende Idee: Das Portionspäckchen. Damit garantiert er fortan den gleichbleibend perfekten Kuchen!
Heute ist die Oetker-Gruppe ein Riesenkonzern mit rund 25.000 Mitarbeitern in 300 Firmen weltweit - doch die Fäden laufen nach wie vor in der Zentrale im ostwestfälischen Bielefeld zusammen.

Das Wahrzeichen von Bad Oeynhausen ist eine beeindruckende Wasserfontäne: der Jordansprudel. Mitten in der Stadt schießt hier das Wasser 50 Meter in die Höhe.
Entdeckt wird die Thermalsolequelle 1854 eher zufällig bei der Suche nach Salzvorkommen. Schnell wird aber die Heilkraft des sprudelnden Wassers erkannt und das Städtchen in Ostwestfalen-Lippe 1848 zum "Königlichen Bad Oeynhausen" ernannt.

Für die illustren Gäste von damals, wie Kaiser Wilhelm II nebst Gattin, braucht das Staatsbad natürlich repräsentative Gebäude. Also wird ein Kurhaus errichtet und auch ein prächtiger Kurpark angelegt. Auf einer Fläche von ca. 26 Hektar lässt sich im akkurat angelegten Park auch heute noch hervorragend lustwandeln und über die sorgfältig angelegten Blumenbeete staunen.

Wer durch das Tor von Kloster Dalheim schreitet, der begibt sich in eine andere Welt und erhält tiefe Einblicke in das frühere Klosterleben. Denn hier bei Lichtenau im Kreis Paderborn steht das einzige Museum für Klosterkultur europaweit.
Im 17. Jahrhundert wird die Anlage aus dem 15. Jahrhundert umgebaut und erweitert, die Außenanlagen nach barocken Maßstäben gestaltet. Platz genug ist auf dem 7,5 Hektar großen Anwesen vorhanden. Die Klostergärten unterschiedlichen Stils machen ein gutes Viertel der Gesamtanlage aus. Mit ihrer Vielzahl an Blumen, Kräutern und Heilpflanzen sind sie eine der Attraktionen des Museums. Und ein echtes Fest für die Sinne

Vom Kloster Dahlheim geht’s nach Detmold. Mitten im Zentrum gelegen, verleiht Schloss Detmold der Stadt noch heute den besonderen Reiz einer ehemaligen fürstlichen Residenz.
Das malerische Schloss ist lange Sitz der regierenden Grafen und Fürsten zur Lippe. Auch heute ist es noch im Besitz der Familie und wird von Stephan Prinz zur Lippe bewohnt.
Schloss Detmold kann auch besichtigt werden und das lohnt sich. Das Gebäude ist ein Schmuckstück, der Schlosspark wunderschön und im Schloss wartet eine umfangreiche Sammlung an Kunstschätzen aus verschiedenen Stilepochen. Denn über die Jahrhunderte haben sich hier einfach unglaublich viele sehenswerte Kostbarkeiten angesammelt.

Zwischen Bielefeld und Paderborn liegt ein wirklich beeindruckendes Naturparadies: die Senne. Nur 250 km² ist das Gebiet groß - und doch etwas ganz besonderes. Denn sie ist die größte zusammenhängende Heidelandschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Senne liegt am Westhang des Teutoburger Waldes, zwischen dem Bielefeld im Norden, und Paderborn im Süden.
Seit 1892 ist die eine Hälfte der Senne Truppenübungsplatz von britischen Streitkräften. Der Rest: Natur pur. Auf den Trocken- und Feuchtheiden, den Heidemooren und in den Wäldern hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine vielfältige Flora und Fauna entwickelt. Von den etwa 5000 vorkommenden Tier- und Pflanzenarten stehen rund 900 auf der roten Liste.  

Das kleine Örtchen Lügde bei Bad Pyrmont hat ein ganz besonders brenzliges Spektakel zu bieten: Beim jährlichen Osterräderlauf werden mannshohe Eichenräder mit Stroh gestopft, angezündet und einen Berg heruntergerollt.
Den Brauch gibt es hier schon seit über 1000 Jahren. Fast das ganze Dorf hilft mit bei den Vorbereitungen, und so ist der Osterräderlauf nicht nur ein beeindruckendes Event, sondern eine tolle Gemeinschafts-Aktion.

Die Pader ist ein Nebenfluss der Lippe. Mit ihrer Länge von nur vier Kilometern ist sie der kürzeste Fluss in ganz Deutschland! Gleichzeitig gilt sie als einer der wasserreichsten Flüsse mit den meisten und stärksten Quellen: In der Innenstadt Paderborns sprudeln aus über 200 kleinen Quellen 3.000 bis 9.000 Liter Wasser pro Sekunde an die Erdoberfläche. Eine einzigartige Flusslandschaft, mitten im historischen Zentrum!

Grün, entspannt, entschleunigt – so ist es in Paderborn. Nicht umsonst ist der Slogan hier: „Ich hab die Ruhe wech“.
Heißt nicht, dass man hier nicht feiern kann: Jedes Jahr im Juli zieht ein Fest zu Ehren des Heiligen Liborius tausende Besucher nach Paderborn. Liborius ist der Schutzpatron der Stadt und des Doms. Dort werden auch die Gebeine des Heiligen aufbewahrt - in einem prächtigen goldenen Schrein. Höhepunkt des Liborifestes ist die Prozession und symbolische Beisetzung des Schreins in der Hallenkrypta des Doms.
Drumherum gibt es Kirmes – neun Tage lang wird dann in der ganzen Innenstadt ordentlich gefeiert. Bis ins Jahr 836 reicht diese Tradition zurück. Das Liborifest ist damit eines der ältesten Volks- und Kirchen-Feste in Deutschland.

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch eines Ortes/einer Sehenswürdigkeit über die Öffnungszeiten und welche aktuellen Corona-Regeln gelten!

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