Unser Westen, unser Bestes: Die Nordeifel

Unser Westen 21.01.2022 43:57 Min. UT Verfügbar bis 21.01.2023 WDR Von Christoph Wittig

Unser Westen, unser Bestes: Die Nordeifel

Stand: 28.12.2021, 18:54 Uhr

Natur pur. Das ist die Nordeifel. Sie ist ein echtes Paradies für Wanderfreudige, Erholungsuchende und Entdecker.

Wie besuchen natürlich den Nationalpark Eifel - er ist der erste Nationalpark bei uns im Westen. Auch die großen Stauseen im und am Nationalpark laden zum Verweilen ein. Und nirgendwo sonst bei uns im Westen kann man so gut die Sterne beobachten wie in der Eifel.

Auch ein Besuch in Aachen darf nicht fehlen. In der Kaiserstadt gibt es schließlich einiges zu entdecken ...
Unser Geheimtipp auf der Tour durch die Nordeifel: Die Bruder-Klaus-Kapelle in Merchernich-Wachendorf - einer der spirituellsten Orte im ganzen Land!

Naturparadies - und mehr

Naturfreunde kommen in der Nordeifel ganz klar auf ihre Kosten. Aber die Region hat noch viele andere Überraschungen zu bieten ...

Unsere Reise startet im Nationalpark Eifel. Er ist der erste und bisher einzige Nationalpark NRWs. Der Leitgedanke im Park lautet „Natur Natur sein lassen" - die Natur darf sich hier also frei entwicklen und entfalten. Auf 110 Quadratkilometern leben rund 460 Tier- und Pflanzenarten. Wer Flora und Fauna besser kennenlernen will, der kann sich auf seiner Tour auch von einem Ranger begleiten lassen. Und wer es ganz wild will, der erkundet den Nationalpark auf eigene Faust auf einem Wildnis-Trail.

Für Tierliebhaber bietet der Herbst ein ganz besonderes Highlight. Der Rothirsch ist dann auf Brautschau und beeindruckt durch sein schallendes Röhren, dass kilometerweit zu hören ist.
Im Nationalpark leben auch rund 250 Wildkatzen. Sie sind die heimlichen Stars, allerdings ziemlich scheu und selten zu sichten.

Feuer und Wasser haben die Landschaft der Eifel geformt: Im Westen durchziehen Bergkämme die Hochebene, der östliche Teil ist bekannt für die vielen Vulkankegel und mit Wasser gefüllten Maare. Besonders attraktiv also für Wanderfreunde. Der Eifelsteig geht von Aachen über 313 Kilometer und 15 Etappen bis nach Trier! Mitten durch duch die ganz unterschiedlichen Landschaften der Eifel - Langeweile kommt hierbei bestimmt nicht auf.


Es gibt die sportlichen Wanderer und die Genusswanderer, für die die Pausen genauso wichtig sind wie der Weg. Auch die werden in der Eifel fündig - beim Schlemmerwandern im Rurtal. Stille Gewässer und dichte Laubwälder, romantische Täler, tolle Aussichten ... Und kaum zeigt sich der Hunger, wartet am nächsten Ort schon ein gedeckter Tisch.
Die angesagteste "Rast-Stätte" ist in der Abtei Mariawald bei Heimbach. Die Erbsensuppe der Mariawalder Trappisten soll die allerbeste überhaupt sein und wird in der Klostergaststätte für Pilger und Wanderer angeboten.

Wir machen einen Abstecher in die Stadt - nach Aachen. Nicht allzu bekannt ist, dass Aachen eigentlich Bad Aachen heißen dürfte. Denn tatsächlich kann Aachen auf eine 2000-jährige Bädertradition zurückblicken. Schon die Kelten und Römer wussten die heißen Schwefelquellen zu schätzen. Über 30 Thermalquellen hat die Region an der Grenze zu den Niederlanden zu bieten.

Kaiser Karl der Große lässt sogar seine Pfalzkapelle über einer Quelle errichten – das ist im Jahr 790. Nach und nach wird die Kapelle dann erweitert, bis daraus der heutige Aachener Dom entstanden ist. Hier im Dom lässt sich Karl der Große natürlich krönen, und hier liegen auch seine Gebeine.
Der achteckige Kuppelbau, das Oktogon, ist im frühen Mittelalter reinste High-Tech und überwältigt auch heute noch mit seiner Pracht. 1978 wird der Aachener Dom die erste Stätte des UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland und ist spätestens seitdem Anziehungspunkt Nummer eins in der Kaiserstadt und das unumstrittene Wahrzeichen der Stadt.

Kaiser Karl ist nicht nur im Dom allgegenwärtig, so ziemlich alles wird nach dem berühmtesten Aachener benannt. Auch einen Kaiser Karl-Brunnen gibt es natürlich. Direkt auf dem Marktplatz vor dem Aachener Rathaus gelegen, sollte der bei keiner ordentlichen Besichtigungstour fehlen.
Richtige Urlaubsgefühle entstehen, wenn hier auf dem Platz Wochenmarkt ist. Bei südländischem Flair zeigt Aachen sich hier von seiner schönsten und entspanntesten Seite. Der Markt findet immer immer dienstags und donnerstags statt.

Und auch das gibt es hier: Auf dem Katschhof - zwischen Rathaus und Dom - gibt es im Sommer mit 320 Quadratmetern den größten Sandkasten der Region. Buddeln was das Zeug hält, im „Archimedischen Sandkasten“. Die vier Aachener Hochschulen bieten außerdem für Kinder und Jugendliche in einem „Futurelab“ die Möglichkeit zum Basteln und Forschen an.

In Aachen steht bis heute auch das größte zusammenhängende Klinikgebäude in Europa. Anfang der 70er Jahre ist die Idee innovativ: Lehre, Forschung und Krankenversorgung - alles soll hier im Klinikum Aachen unter einem Dach stattfinden. Und auch bei der Architektur ist man mutig. Die Bauweise mit der offen liegenden Technik ist damals der neueste Trend.
Hochleistungsmedizin, High-Tech-Architektur und riesige Dimensionen – das Klinikum Aachen ist ein Krankenhaus der Superlative: Auf insgesamt 130.000 Quadratmeter  werden im Jahr 50.000 Patienten von über 7000 Mitarbeitern versorgt!


Natur plus Architektur gefällig? Die Staumauer der Urfttalsperre staut den Fluss Urft, unweit von Heimbach, zu einem acht Kilometer langen See. Die Talsperre ist ein rund neunundfünfzig Meter hohes Meisterwerk des "Talsperren-Gottes" Otto Intze und die älteste Talsperre der Eifel.
Typisch für einen Intze-Bau: die gebogene Mauer. Mit 47 Millionen Kubikmetern Stauvolumen ist die Urfttalsperre damals der größte Stausee in Europa. Neben der Wasserstandsregulierung dient die Talsperre auch der Stromerzeugung. Seit der Fertigstellung im Jahre 1905 produziert das Wasserkraftwerk Heimbach Strom – bis heute. Das Wasserkraftwerk im Jugendstil ist ebenfalls unbedingt einen Besuch wert.

Im Naturpark Nordeifel befindet sich die Rurtalsperre. Der 1939 aufgestaute Rursee fasst zusammen mit der Vorsperre Obersee, die der Trinkwasserversorgung dient, mehr als zweihundert Millionen Kubikmeter Wasser. Damit ist er der zweitgrößte Stausee in Deutschland. Auch der gewaltige Staudamm Schwammenauel ist mit über 77 Metern Höhe ein Riese unter den Talsperren im Westen.
Außerdem ist der Rursee ein Naherholungs – und Naturschutzgebiet erster Klasse. Vor allem Freunde des Segelsports kommen hier auf ihre Kosten. Auf einer Fläche von fast acht Quadratkilometer Wasserfläche kommt man sich hier, trotz berühmter unsteter Winde selten in die Quere. Schwimmen darf man hier auch - allerdings nur im wunderbaren Naturschwimmbad in Simmerath-Einruhr.


Im kleinen Ort Wachendorf bei Mechernich überrascht dieses moderne Bauwerk: die Bruder-Klaus-Kapelle. Entworfen hat sie der Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor. Unentgeltlich heißt es. Gestiftet wird sie von der Familie Scheidtweiler zu Ehren des Schutzpatron des Landvolks, dem Hl. Nikolaus von Flüe (Bruder Klaus genannt).
Und nun steht also seit 2007 dieses architektonische Meisterwerk mitten auf einem Feld in der Eifel – sicher einer der ganz besonderen Orte bei uns im Westen.

Mittelalter satt gibt es in Mechernich. Zweimal im Jahr rasseln in dem kleinen Eifel-Örtchen bei den Ritterfestspielen auf Burg Satzvey die Säbel. Seit den 1980-er Jahren gibt es das Mittelalterspektakel. In authentischer Kulisse werden die Zuschauer drei Tage lang in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Besonders spektakulär ist das Ritterturnier, das in jedem Jahr eine andere aufregende Geschichte erzählt.
Die wunderschöne alte Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert wird unter anderem mit den Einnahmen aus den Ritterspielen erhalten: Denkmalpflege trifft auf Unterhaltung für Groß und Klein.

Eine Landschaft, so traumhaft schön wie die Toskana ... Dafür muss man nicht nach Italien fahren, die Eifel liegt viel näher. Südlich von Blankenheim wandert man im Lampertstal durch eine Landschaft, die mit ihren geschwungenen Hügeln tatsächlich an die Toskana erinnert. Es geht vorbei an zahlreichen "Zypressen des Nordens" - den Wacholderbüschen, die hier den Weg säumen. Ein Besuch in der Eifel-Toskana lohnt auch zum Wacholderfest in Alendorf, das immer am zweiten Wocehnende im August stattfindet.

Ein bisschen wie in den schottischen Highlands fühlt man sich im Hohen Venn: sanfte Hügel, Moore und Heide, so weit das Auge reicht. Reichlich Wasser gibt es hier – doch man hat extra Stege in die Landschaft gebaut, auf denen Wanderer trockenen Fußes und sicher durch das Moor kommen.
Das Naturschutzgebiet liegt zum Teil in der Eifel, eine noch größere Fläche erstreckt sich in Belgien und gehört zum Naturpark Hohes Venn-Eifel.

Wie wäre es mit wilden Vögeln, freilaufendem Rotwild oder Wildschweinen? Südlich des Naturparks Eifel im Kreis Euskirchen bietet das Wildgehege Hellenthal seit 50 Jahren einen großzügigen und freien Lebensraum für viele einheimische Tierarten.
Eine der Attraktion des Wildfreigeheges ist die integrierte Greifvogelstation - eine der ältesten und größten in Europa! Hier kann man Adler, Bussarde, Milane und Falken freien Flug bei den täglichen Flugshows erleben. So nah wie hier kommt man selten an die wilden Tiere ran.

Monschau - das Städtchen an der Rur ist immer eine Reise wert. Oben die Burg, unten die historische Altstadt – beide haben schon einiges erlebt.
Die mittelalterliche Burg aus dem Jahre 1217 wurde sogar schon mal kunstvoll eingewickelt. 1971 packte Projektkünstler Christo die Burg vollständig in Polypropylen-Folie. Es war eine seiner ersten Verhüllungs-Aktionen und die Bevölkerung war damals nicht sehr begeistert.
Heute erstrahlt Monschaus Burg wieder in "natürlicher" Schönheit. Auch bei der Flut 2021 ist das historische Eifelstädchen glimpflich davon gekommen.

Auch für Technik-Fans hat die Eifel was zu bieten: Das Radioteleskop in Effelsberg. 1972 wird hier bei Bad Münstereifel das damals größte bewegliche Radioteleskop der Welt eröffnet. Es hat einen Durchmesser von 100 Metern und eine Oberfläche von über 7.800 Quadratmetern.
Astronomen aus aller Welt nutzen das Radioteleskop, vor allem aber ist es das "Hausteleskop" des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR). 
Auch wenn man die Empfangsanlagen nicht besichtigt werden können, lohnt sich ein Besuch. Im Besucherpavillon gibt es Bildmaterial und nach Voranmeldung auch Informationsvorträge.

Die Milchstraße mit bloßem Auge sehen: Auch das ist in der Eifel möglich. Nachts ist es hier so dunkel, dass sich himmelwärts spektakuläre Aussichten bieten. Seit 2019 ist der Nationalpark Eifel sogar anerkannt als Internationaler Sternenpark - einer von vier in ganz Deutschland! Die Eifel - auch ein Paradies für Sternengucker.

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch eines Ortes/einer Sehenswürdigkeit über die Öffnungszeiten und welche aktuellen Corona-Regeln gelten!

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