Unser Westen, unser Bestes: Das Münsterland

Unser Westen 04.02.2022 43:34 Min. UT Verfügbar bis 04.02.2023 WDR Von Christoph Wittig

Unser Westen, unser Bestes: Das Münsterland

Stand: 28.12.2021, 18:54 Uhr

Das Münsterland ist eine Region, die viel zu bieten hat. Hier dreht sich alles um beeindruckende Schlösser, weite Felder, viel Wasser und jede Menge Fahrräder. Und (fast) alle Radwege führen nach Münster ...

Münster ist das unbestrittene Zentrum der Region und der Prinzipalmarkt ist der Anziehungspunkt für Besucher:innen aus aller Welt. Die Giebel der Häuser am Markt strahlen in den warmen Farben des Sandsteins aus den Baumbergen, einer Gegend, die zum Wandern einlädt und liebevoll die "Alpen des Münsterlandes" genannt werden.

Die Menschen im Münsterland sind auch traditionsbewusst, pflegen ihre Bräuche und haben interessante kulinarische Spezialitäten ...

Weil das Münsterland eher flach ist, empfiehlt Reisebegleiterin Lisa Feller das Rad für eine Entdeckungstour. Der Tipp der Comedienne aus Münster ist die 100-Schlösser-Route. Höhepunkt ist Schloss Nordkirchen.

Räder, Flamingos und "Berge"

Weitläufig und aufgeräumt, so kennt man die Münsterländer Parklandschaft. Und mittendrin die quirlige Studentenstadt Münster. Allein hier gibt es so viel zu entdecken. Und drumherum natürlich auch ...

Zwei Fahrradfahrer vor der abendlich beleuchteten Kulisse des Prinzipalmarkts in Münster

Der Prinzipalmarkt ist das Herzstück Münsters. "Prinzipal" bedeutet "vornehm" - der Platz ist sozusagen die gute Stube der Stadt. Und auch ein Stück lebendige Stadtgeschichte: Er erzählt vom Mittelalter, der Blütezeit, als die Stadt der Hanse angehörte. Und den gut situierten und vornehmen Kaufmannsfamilien, die hier am Prinzipalmarkt in den schönen Giebelhäusern ihren Geschäften nachgingen.
Viele der Häuser wurden im Krieg fast vollständig zerstört. Doch die Münsteraner haben den Platz nach historischen Fotodokumenten wieder aufgebaut. In den Bogengängen befinden sich heute zahlreiche Geschäfte und auch Cafés. Der Prinzipalmarkt - ein guter Ort zum Verweilen ...

Der Prinzipalmarkt ist das Herzstück Münsters. "Prinzipal" bedeutet "vornehm" - der Platz ist sozusagen die gute Stube der Stadt. Und auch ein Stück lebendige Stadtgeschichte: Er erzählt vom Mittelalter, der Blütezeit, als die Stadt der Hanse angehörte. Und den gut situierten und vornehmen Kaufmannsfamilien, die hier am Prinzipalmarkt in den schönen Giebelhäusern ihren Geschäften nachgingen.
Viele der Häuser wurden im Krieg fast vollständig zerstört. Doch die Münsteraner haben den Platz nach historischen Fotodokumenten wieder aufgebaut. In den Bogengängen befinden sich heute zahlreiche Geschäfte und auch Cafés. Der Prinzipalmarkt - ein guter Ort zum Verweilen ...

Mit seinen Sandsteingiebeln und Geschäften führt der Prinzipalmarkt seine Besucher:innen direkt zu einer anderen Sehenswürdigkeit von Münster: der St. Lamberti-Kirche.
Das bedeutende Werk der westfälischen Spätgotik ist dem heiligen Lambert von Lüttich gewidmet. 1375 gebaut – aus dem typischen gelben Sandstein der nahe gelegenen Baumberge-Region.
Eine gruselige Besonderheit der Kirche sind die drei Eisenkörbe, die außen am Turm befestigt sind. Sie erinnern an die drei Anführer der Wiedertäuferbewegung, die in Münster über ein Jahr lang ihr Unwesen trieben. 1536 wurden sie gefoltert, hingerichtet und  hier in den Käfigen zur Schau gestellt.

Auch eine schöne Tradition wird hier in der Lamberti-Kirche gepflegt - die des Türmers. Zu den Aufgaben gehört, zwischen 21 Uhr und Mitternacht das halbstündige Tuten mit dem Türmer-Horn und das Ausschauhalten nach eventuellen Bränden. Seit 2014 arbeitet in diesem seltenen Beruf erstmals auch eine Frau!

Für die Menschen im Münsterland waren früher umherziehenden Händler - die Kiepenkerle - lebensnotwendig. Denn die Männer mit der Kiepe transportierten in vergangenen Zeiten unerlässlich die Waren zwischen den Dörfern und der Stadt hin- und her. Seit 1896 steht am Spiekerhof in der Innenstadt daher ein Kiepenkerl-Denkmal, das an sie erinnert.

Münster gilt als die Fahrradstadt schlechthin in NRW. Und da auch Drahtesel irgendwo geparkt werden müssen, gibt es in Münster seit 1999 direkt am Hauptbahnhof ein Fahrradparkhaus.
Dazu wurde eine alte unterirdische Fußgänger-Passage umgebaut und oben eine moderne Glaskonstruktion draufgesetzt. Sieht schick aus und sorgt für Ordnung auf dem Bahnhofsvorplatz. Mit rund 3.300 Stellplätzen ist es außerdem die größte Fahrradstation in Deutschland.

Nicht weit des Stadtzentrums erstreckt sich der Aasee. Der Stausee von 1934 sollte eigentlich vor allem dem Hochwasserschutz dienen, doch mittlerweile ist er das Naherholungsgebiet für die Münsteraner. Man kann hier natürlich Tretboot fahren, rudern und segeln oder den 2 km langen See mit dem Rad umrunden, am Ufer Yoga machen oder picknicken ... Die Möglichkeiten sind zahllos.
Um den See herum wurde ein großzügiger Park angelegt, indem auch Skulpturen und Kunstwerke auf ihre Entdeckung warten - absolut lohnenswert.

Münster hat tatsächlich auch einen Hafen - am Dortmund-Ems-Kanal. Der Stadthafen in Münster war früher ein Umschlagplatz für Getreide und Holz, heute ist es ein Kreativhafen. Neben Gastronomie haben sich hier am „Kreativkai“ Theater, Galerien, Künstlerateliers und Agenturen angesiedelt. So ist aus dem Güterumschlagplatz eine coole Location für die Münsteraner und Besucher geworden.

Folgt man der Ems Richtung Norden, gelangt man zum Dortmund-Ems-Kanal. Der Kanal gehört zu einem der größten Wasserstaßensysteme. 380 Kilometer lang ist das Kanalnetz, das durch das schöne Münsterland führt. Entlang des Kanals führt auch ein Radweg, der verspricht Entspannung und Abwechslung zugleich: auf der einen Seite wunderschöne Natur, auf der anderen Seite Schiffe gucken.
Weiter Richtung Westen gelangt man dann zum größten Kanalkreuz der Welt in Datteln. Hier treffen vier Kanäle aufeinander: Dortmund-Ems-Kanal, Datteln-Hamm-Kanal, Rhein-Herne-Kanal und der Wesel-Datteln-Kanal. 16 Schleusen und 40 Pegelstände müssen hier am "Dattelner Meer" überwacht werden.


Weiter auf dem Dortmund-Ems-Kanal gelangt man dann zum Schiffshebewerk Henrichenburg. Im Gegensatz zu einer Schleuse wird hier das ganze Becken samt Schiff hochgehoben, bzw abgelassen. Eine technische Meisterleistung in der damaligen Zeit: Mit Hilfe des Hebewerks konnten schwere, bis zu 67 Meter lange Lastkähne, 14 Meter Höhenunterschied überwinden! Der Bau ist offen und transparent, so dass man die Technik sehen kann. Noch heute beeindruckt das Schiffshebewerk mit der gelungen Verbindung aus Funktionalität und toller Architektur.

Mit dem Fahrrad geht es weiter auf unserer Tour durch das Münsterland. Hier bietet sich die "100-Schlösser-Route" an. Mit den über einhundert Burgen und Schlössern lädt sie zu einer historischen Zeitreise durch die Epochen und Baustile ein. Auf rund 960 Kilometern windet sie sich durch die Münsterländer Parklandschaft. Highlight der Route ist das Schloss Nordkirchen, die größte und bedeutendste Barockresidenz in Westfalen. Schloss Nordkirchen wird auch als „Westfälisches Versailles" bezeichnet und ist ein Paradebeispiel an Prunk, Üppigkeit und Perfektion.
Die 170 Hektar große Parkanlage zählt nach ihrer Fertigstellung 1734 schon zu den berühmtesten Gärten Europas und ist auch heute noch ein Anziehungspunkt.
Seit 1951 ist Schloss Nordkirchen Sitz der Fachhochschule für Finanzen NRW, doch Teile des Schlosses und der ganze Park können besichtigt werden. 

Jetzt gibt es Mittelalter wie aus dem Bilderbuch: Burg Vischering bei Lüdinghausen ist die mittelalterliche Vorzeigeanlage Westfalens. Wassergefüllte Gräften umgeben die Ringmantelburg mit Zugbrücke, Schießscharten und Wehrgängen und die Vorburg - wirklich eindrucksvoll!
Erbaut wurde die Burg vor rund 750 Jahren vom Bischof von Münster. Später wurde die Burg dann der Stammsitz der Familie Droste zu Vischering. Nach einem Brand 1521 musste das Anwesen wieder aufgebaut werden. Die Einflüsse der Renaissance sind vor allem im Inneren spürbar – die prachtvoll ausgestalteten Räume beherbergen heute das Münsterlandmuseum und ein Kulturzentrum.

Ein Besuch auf Burg Vischering lohnt sich vor allem am Wochenende. Dann duftet es hier unwiderstehlich nach frischem Brot. Denn in der historischen Holzofenbäckerei backt Jörg Terjung jedes Wochenende mit einem über 200 Jahre alten Steinofen. Der muss zuerst mit Buchenholz auf bis zu 500 Grad aufgeheizt werden, bevor es dann ans Backen geht. Der Bäckermeister backt die Brote teils nach historischen Rezepten und mit regionalen Zutaten. Köstlich!

Nur sechs Kilometer nördlich von Münster gelegen, sind die Rieselfelder ein beliebtes Naherholungsziel für gestresste und Ruhe suchende Städter. Kaum zu glauben – aber dieses Naturparadies war mal eine Kläranlage. Hier „verrieselten“ die Münsteraner über 70 Jahre lang ihr Abwasser. Heute sind die Rieselfelder das Zuhause von rund 130 geschützten Vogelarten und ein ausgewiesenes EU-Vogelschutzgebiet.

Und jetzt: Auf zu den "Alpen des Münsterlandes". In der Region Baumberge, in der Nähe von Billerbeck, ist mit knapp 190 Metern (ü.NN) die höchste Erhebung im Münsterland zu finden. Nochmal 32 Meter draufpacken kann, wer zum Westerberg wandert und den Longinusturm erklimmt. Der Turm ist aus dem typischen gelben Baumberger Sandstein erbaut. Oben gibt es eine Aussichtplattform, die einen schönen Rundumblick über die Region ermöglicht.

Im nördlichen Münsterland, fast schon in Niedersachen, wird es sogar richtig felsig. Dort befinden sich die Dörenther Klippen - eine rund vier Kilometer lange Felsformation aus Sandstein. Ein Rundweg führt durch die eindrucksvolle Landschaft, bei der die Felsen bizarr bis zu 40 Meter in die Höhe ragen. Der berühmteste Felsen ist das „Hockende Weib“, das eine um ihr Kind trauernde Mutter darstellen soll. Die Felsen stehen unter Naturschutz. Doch wer sich an die Regeln hält, der findet hier ein tolles Wander- und Kletterparadies.

Wer so viel wandert, der darf auch ordentlich vespern, zum Beispiel Westfälischen Knochenschinken. Die Delikatesse ist sogar von der EU geschützt. Sie darf daher nur in dieser Region und von ausgewählten Betrieben produziert werden. Das Besondere: Der Schinken muss sehr lange reifen und räuchern: Insgesamt acht Monate dauert es, bis ein echter Westfälischer Knochenschinken fertig ist.

Das Töttchen ist eine weitere typische Speise aus der Region. Traditionell wird dafür aus Kalbskopf und Innereien wie Herz, Lunge und Hirn vom Rind ein süß-saures Ragout gekocht. Die perfekte Verwertung des gesamten Tieres!
Heute wird das Töttchen in vielen Restaurants etwas abgewandelt angeboten und besteht oft aus feinem Kalbfleisch und Kalbzunge.
Spitzenkoch Franz Lauter (Schloss Nordkirchen) hat sogar eine vegane Töttchen-Variante kreiert – er nimmt dafür verschiedene Wurzelgemüse.

Gut gestärkt geht es zur Burg Hülshoff. Die münsterländische Wasserburg in Havixbeck ist untrennbar mit dem Namen Annette von Droste-Hülshoff verbunden. 1797 wurde die Schriftstellerin auf der Burg geboren und verbrachte die ersten drei Jahrzehnte ihres Lebens hier.
Umgeben wird die Wasserburg von einer wunderschönen Parkanlage. Bekannt ist das Anwesen auch wegen der sehenswerten Hortensiensammlung. Von Mai bis Juli kann man die Blütenpracht im Park der Burg Hülshoff am besten genießen

Zum Abschluss unserer Reise durch das Münsterland wir es noch richtig wild. Es geht in den Merfelder Bruch. Hier ist die Heimat der größten frei lebenden Wildpferdeherde Europas.
Die Herde steht unter dem Schutz des Herzogs von Croy. Die Pferde leben in einem riesigen Landschaftsschutzgebiet: 3,2 Quadratkilometer Heide, Moor und wildes Eichenbestände bieten den Tieren Platz und Schutz.
Jedes Jahr Ende Mai findet der Wildpferdefang in Dülmen statt, denn die Jungen Hengste müssen zum Schutz der Herde gefangen werden. Ein echtes Spektakel!

Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch eines Ortes/einer Sehenswürdigkeit über die Öffnungszeiten und welche aktuellen Corona-Regeln gelten!

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