Die Katzen aus dem Geisterdorf

Die Katzen aus dem Geisterdorf

Kommentare (6)

Probleme mit verwilderten Katzen gibt es häufig. Besonders gravierend ist es, wenn Katzen gleich zu Hunderten zurückgelassen wurden – wie kürzlich in der Nähe von Köln geschehen.

Ein Geisterdorf mitten in Nordrhein-Westfalen. Die 1.500 Einwohner des Ortes Manheim bei Kerpen sind fast alle weg, denn der Ort wird bald abgerissen – er muss dem Braunkohle-Tagebau weichen. Zurückgelassen wurden viele Katzen, die in leerstehenden Häusern und Gärten zunehmend verwildern und sich unkontrolliert vermehren. Die Jungtiere hatten noch nie Kontakt zu Menschen, sind extrem scheu und schwer zu fangen. Hunger und Krankheit bestimmen das Leben dieser Tiere. Sie leiden!

Rasante Vermehrung

Bei der Umsiedlung des Ortes haben einige ehemalige Bewohner ihre Katzen einfach nicht mitgenommen. Klar ist aber: Das „Zurücklassen“ erfüllt den Tatbestand des „Aussetzens“ im Sinne des § 3 Tierschutzgesetz. Die Gründe dafür, warum die Tiere einfach sich selbst überlassen wurden und die Besitzer sich ihrer Verantwortung entzogen haben, sind unbekannt. Eine Rückvermittlung oder eine Ahndung ist in den seltensten Fällen möglich, da die Halter meistens nicht mehr ausfindig gemacht werden können. Den verlassenen Katzen drohen Verhungern und Verelendung, denn diese herrenlosen Katzen vermehren sich rasant. Mit rund sechs Monaten wird eine Katze geschlechtsreif. Jede fruchtbare Katze kann im Jahr zweimal drei bis sechs Junge bekommen. Die Zahl der Katzen wächst potentiell.

Tierschützer im Einsatz

Die Tierschützer verschiedener Vereine sind bereits auf das Problem aufmerksam geworden und vor Ort aktiv. Die Herausforderung ist es, die verwilderten Katzen zu fangen, um sie kastrieren und chippen zu lassen. Dann sollen sie an einem neuen Ort angesiedelt werden, wo sie in der Obhut von Menschen ein besseres Leben führen können. Doch das ist gar nicht so einfach. Viele der Katzen verstecken sich mit ihren Jungen auf den verlassenen Grundstücken, die der RWE gehören. Hier gilt normalerweise „Betreten verboten!“. Der Stromriese hat eine erste Bereitschaft signalisiert, die Tierschützer zu unterstützen und ihnen Zugang zu den abgesperrten Geländen zu gewähren. Im zweiten Schritt fehlen aber immer noch viele Möglichkeiten der Unterbringung. Die meisten Tierheime sind voll und außerdem ist die Unterbringung dort für Wildlinge, die Freiheit gewöhnt sind, extrem stressig. Daher suchen die Tierschützer Menschen mit großen Grundstücken, die die Möglichkeit haben, die Tiere zunächst einmal ausbruchssicher unterzubringen, zum Beispiel in einem Pferdestall oder auf einem Heuboden, bis sie sich an die neue Umgebung gewöhnt haben und den Menschen vertrauen. Erst dann kann man sie nach vier bis sechs Wochen rauslassen, ohne dass sie das Weite suchen.

Kohlebagger im Tagebau

Keine Alleingänge

Wer helfen möchte, sollte auf Alleingänge verzichten. Das würde die sorgfältig geplanten Fütter- und Fangaktionen eher behindern. Futterplätze sollten nur von den beteiligten Vereinen angelegt werden. Wer helfen möchte, kann sich direkt an die Vereine vor Ort wenden, um dort ehrenamtlich tätig zu werden oder die Helfer durch finanzielle Mittel oder Futterspenden zu unterstützen. Auch wer eine passende Unterbringungsmöglichkeit für eine oder mehrere Wildlinge hat, kann sich an die angegebenen Vereine wenden.

Autor: Stefan Servos

Stand: 27.07.2018, 12:00

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Antonietta 31.07.2018, 07:44 Uhr

    für eine bundesweite Kastrations-, Chip- und Registrierungspflicht! Es gibt nur einen Weg, das Katzenelend zu verhindern: die Kastration. Nicht nur Katzen, die nach draußen gehen, müssen unfruchtbar gemacht werden, auch reine Wohnungskatzen – männliche und weibliche Tiere – müssen kastriert werden. Es wird empfohlen, sowohl Kater als auch Katze mit spätestens 6 Monaten kastrieren zu lassen. Katzenschützer beobachten immer häufiger, dass Jungtiere schon mit 4 Monaten geschlechtsreif sind.

  • 5 Madeleine Gfrörer 31.07.2018, 00:06 Uhr

    Immer noch die Kohleabbaue Kohle ist schon lange nicht mehr Umwelt gerecht und dafür wurden mal wieder Lebensräume für Mensch und Tier vernichtet..

  • 4 Thomas Heller 30.07.2018, 21:07 Uhr

    Warum wird der Verursacher nicht in die Pflicht genommen ?

  • 3 Tim 30.07.2018, 15:24 Uhr

    Schlimme Geschichte. Trotzdem ein Besserwisser-Hinweis: Gemeint war sicherlich „Die Zahl der Katzen wächst *exponentiell*".

  • 2 Britta Brock 30.07.2018, 11:35 Uhr

    es ist einfach unfassbar, dass es so was auch noch in Deutschland gibt-Menschen werden immer kranker und egoistischer. Sobald ich einen Aussetzer einer Katze ausfindig gemacht habe, werde ich ihn anzeigen und es wird nicht bei dem Einen bleiben, da wird Recherche betrieben.

  • 1 Annabell Belando 29.07.2018, 19:07 Uhr

    Hier sollte wirklich RWE für alles aufkommen,weil das jetzt ihr Grundstück ist und die Dorfbewohner wegziehen mussten. Trotzdem finde ich es nicht schön das all die Dosenöffner noch ihre Katze da gelassen haben und macht mich sehr traurig,denn diese Dosenöffner werden sich zum Teil wieder eine neue Katze haben....

    Antworten (1)
    • Manuel 30.07.2018, 10:16 Uhr

      Die Dosenöffner die ihre Katzen nicht kastriert haben tragen einen Großteil der Schuld. Nicht kastrieren und dann noch einfach zurück lassen. RWE kann man da keinen Vorwurf machen