Geschirr oder Halsband?

Geschirr oder Halsband?

Von Kathrin Strehle

Eine Frage, die polarisiert. Viele Hundehalter verteufeln Halsbänder und schwören ganz generell auf Geschirre. Doch wenn diese falsch sitzen, hat Hund nichts gewonnen. Worauf Sie beim Kauf achten müssen!

Hund mit Geschirr

Das Wichtigste zuerst: Es gibt ihn nicht, DEN richtigen Weg. Jeder Hund ist anders in Anatomie und Bedürfnissen. Daher muss auch das Führmittel an den Hund angepasst werden. Für mache Hunde kann sogar ein Halsband eine gute Wahl sein.

Das Wichtigste zuerst: Es gibt ihn nicht, DEN richtigen Weg. Jeder Hund ist anders in Anatomie und Bedürfnissen. Daher muss auch das Führmittel an den Hund angepasst werden. Für mache Hunde kann sogar ein Halsband eine gute Wahl sein.

Das Ende eines Mythos: Gegner von Halsbändern begründen ihre Meinung gerne mit dem Argument: Halsbänder drücken auf den Kehlkopf. Bei den meisten Hunden jedoch ist das gar nicht so einfach möglich. Der Kehlkopf sitzt bei Hunden – anders als beim Menschen – recht hoch. Das Halsband müsste also direkt hinter den Ohren sitzen, um auf diese sensible Stelle drücken zu können.

Zieht ein Hund lange und kräftig am Halsband, wird eher die Luftzufuhr zum Problem. Die Luftröhre wird verengt, der Hund beginnt zu Röcheln. Aber Vorsicht, schlecht sitzende Geschirre können den gleichen Effekt haben.

Sitzen sogenannte Y- oder H-Geschirre beispielsweise am Hals zu eng, so rutscht der Bruststeg bei Zug nach oben in Richtung Hals. Er drückt dann, genau wie ein Halsband, auf den Hals des Hundes und verengt die Luftröhre. Wichtig ist also…

…der richtige Sitz: Bei einem gut sitzenden Y- oder H-Geschirr sitzt der Bruststeg auf dem Brustbein und rutscht auch dann nicht nach oben in Richtung Hals, wenn der Hund zieht.

Bitte beachten Sie auch den hinteren Teil des Geschirrs. Der Bauchgurt darf weder direkt hinter den Vorderbeinen sitzen – denn dann schneidet er in den Achseln ein – noch hinter den Rippen, weil er dann in die Eingeweide drückt. Der richtige Sitz: einige Zentimeter hinter den Vorderbeinen, vollständig auf den Rippen.

Tipp: Je mehr Verstellmöglichkeiten ein Geschirr hat, desto besser. Schnallen im Halsbereich, am Brust- und Rückensteg, sowie am Bauchgurt sind wünschenswert. Sind diese Schnallen zusätzlich weich abgepolstert? Optimal!

Viele Hundehalter bevorzugen ein sogenanntes Norwegergeschirr, weil der Hund weniger eingeschnürt wirkt. Auch hier gilt es, verschiedene Dinge zu beachten.

Problem 1: Viele Hunde können sich aus dem Norwegergeschirr herauswinden. Sie setzen gezielt den Rückwärtsgang ein und streifen sich den Bauchriemen mühelos über den Kopf. Der Bauchgurt darf also keinesfalls zu locker sein. – Und: Auch bei diesem Geschirr ist es wichtig, dass der Bauchgurt weder zu eng hinter den Vorderbeinen, noch hinter dem Rippenbogen sitzt.

Problem 2: Ist kein Zug auf dem Norwegergeschirr, rutscht der Brustgurt schnell ein wenig herunter und verläuft dann quer über Schultergelenk und Bizepssehne. Ein wenig, wie wenn man einem Menschen die Oberarme an den Oberkörper bindet. Er hindert den Hund daran, große Schritte zu machen und reibt permanent am Sehnenansatz.

Problem 3: Kommt Zug auf das Norwegergeschirr, rutscht der Brustgurt hinauf in Richtung Hals. Bei dauerhaftem Zug hat man auch hier also Druck auf der Luftröhre.

Sehr beliebt sind auch sogenannte Sattelgeschirre. Ihr Sitz ist zunächst ähnlich, wie bei einem Norweger Geschirr. Als Problem kommt hier aber hinzu, dass sich die Rückenplatte bei Zug nach hinten neigt und ihr hinterer Rand auf Wirbel und Dornfortsätze drückt.

Lösungsansätze gibt es trotz aller Bedenken auch! Für einen Hund der stark nach vorne zieht, könnt ein Zughundegeschirr sinnvoll sein. Sie haben einen Bauchgurt, der schräg nach oben verläuft, so dass das Geschirr im Brustbereich nicht nach oben rutschen kann.

Auch Y- oder H-Geschirre können sinnvoll sein. Sie müssen gut angepasst werden, dann hat der Hund viel Bewegungsfreiheit und keine körperlichen Einschränkungen. Es gibt sie auch als sogenannte Sicherheitsgeschirre. In diesem Fall verhindert ein zweiter Bauchgurt, dass der Hund herausschlüpfen kann.

Am allerbesten: Bringen Sie ihrem Hund bei, an der lockeren Leine zu gehen. Dann kann sogar ein breites, gut gepolstertes Halsband für den Hund am angenehmsten sein.

Stand: 04.05.2018, 16:00 Uhr