Projekt für schwer vermittelbare Hunde: „Start ins neue Leben“

Projekt für schwer vermittelbare Hunde: „Start ins neue Leben“

In beinahe jedem Tierheim in Deutschland sitzen schwer vermittelbare Hunde. Die meisten von ihnen sind verhaltensauffällig, haben bereits gebissen, gelten als schwierig im Umgang mit Hunden oder auch mit Menschen. Perdita Lübbe-Scheuermann ist Spezialistin für solch verhaltensauffällige und aggressive Hunde und versucht sie zu resozialisieren.

Keine Perspektive auf Vermittlung

Doch Aggression ist nicht gleich Aggression. Kommen Hunde aufgrund von ernsten Beiß-Vorfällen ins Tierheim, können die Tierschützer meist nicht mehr genau nachvollziehen, was genau das Zubeißen des Hundes ausgelöst hat und was das konkrete Problem des jeweiligen Hundes ist. So sitzen die Tiere manchmal jahrelang im Tierheimzwinger, ohne eine Perspektive auf Vermittlung.

Resozialisierung schwer vermittelbarer Hunde

Perdita Lübbe hat sich auf die Arbeit mit verhaltensauffälligen und aggressiven Hunden spezialisiert. Die Hundetrainerin aus dem Rhein-Main-Gebiet hat mit der Tierschutzorganisation Tasso eine Initiative zur Resozialisierung schwer vermittelbarer Hunde gegründet. „Start ins neue Leben“ heißt das Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, mit verhaltensauffälligen Tierheimhunden so intensiv zu trainieren, dass auch diese Hunde die Chance auf ein eigenes Zuhause bekommen.

Aufnahme eines Hundes auf einer Wiese mit einem Maulkorb an.

In vielen Tierheimen leben schwer vermittelbare Hunde.

Schulung für Hundepfleger

Darüber hinaus gibt Perdita Lübbe Seminare in Tierheimen in ganz Deutschland. Sie möchte die Hundepfleger schulen und Anleitungen an die Hand geben, wie mit aggressiven Hunden im täglichen Umgang gearbeitet werden kann. Die Einschätzung und Beobachtung der Hunde spielt dabei eine Hauptrolle. Denn nur, wenn klar ist, welcher Reiz oder welche Situation das problematische Verhalten auslöst, kann individuell daran gearbeitet werden. Ist es Unsicherheit, die den Hund nach vorne gehen lässt? Verteidigt er Ressourcen oder zeigt er Territorialverhalten? Oder ist ein extrem ausgeprägter Beutetrieb das Problem? Auf all diese Reize testet Perdita Lübbe die verhaltensauffälligen Hunde.

Zwei Hundetrainerinnen mit einem Hund, der einen Maulkorb trägt

Die Hundepfleger üben den Umgang mit aggressiven Hunden.

Projekt „Start ins neue Leben“

Doch nur regelmäßiges Training unter fachkundiger Anleitung kann nachhaltige Erfolge im Verhalten der Hunde erzielen. Deshalb möchte Perdita Lübbe ein landesweites Netzwerk aufbauen. Dazu sucht Lübbe aktuell erfahrene und kompetente Hundetrainer-Kollegen und Mitstreiter für ihr Projekt „Start ins neue Leben“.

Autorin: Katja Diepenbruck

Stand: 13.07.2018, 12:00

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • Sigrid Meyer 18.07.2018, 20:13 Uhr

    so leid mir diese hunde tun aber die sicherheit von menschen und anderen tieren geht doch vor. es ist niemandem geholfen (ausser der gutverdienenden hundtrainerin) die alles mögliche probiert und ev. auch einige fortschritte bei den problemhunden erreicht - aber schlussendlich stellt jeder hund, der dann vermittelt wird ein risiko dar, und haben wir nicht schon genug unfälle mit kindern und erwachsenen erlebt, dass dies auf biegen und brechen mit diesen hunden erneut im raum steht. diese hunde können niemals ein normals hundeleben leben, sie sind nie entspannt genau so geht es den zukünftigen besitzern, die diese problemhunde aufnehmen. für mich gilt hände weg von diesen tieren, so traurig es ist, sie sollten eingeschläfert werden, dies zum schutze von menschen und anderen tieren - wer übernimmt sonst die verantwortung für beissunfälle ( bestimmt nicht die hundetrainerin).

    • Dog123 22.07.2018, 13:35 Uhr

      Genau in diesem Projekt steht die Sicherheit von Mensch & Tier an oberster Stelle. Die Hunde werden nie ungefährlich, damit hast du sicherlich Recht, aber genau deswegen werden sie nur in absolut kompetente & verantwortungsvolle Hände vermittelt, was z.B. beinhaltet, dass sie in bestimmten Situationen immer mit Maulkorb abgesichert sein müssen. Kompetent geführt können diese Hunde sehr wohl ein normales und sehr glückliches Hundeleben führen. Auf der facebook Seite des Projektes finden sich zahlreiche Videos verschiedener vermitttelter Hunde im neuen Zuhause, wo man sich hiervon überzeugen kann. Viel beunruhigender sind all jene Hunde, die ebenfalls solches "Potential" mibringen, aber ungesichert in Privathaushalten sitzen, weil dieses Potential nicht erkannt und z.T. noch gefördert wird (z.B. durch Ballwerfen bei einem Hund, der sowieso schon gesteigertes Beutefangverhalten zeigt). Alles einschläfern, was vom Menschen "versaut" wurde, kann hier sicherlich keine Lösung sein...

  • Anna 16.07.2018, 11:58 Uhr

    Das Projekt verdient einfach nur Respekt! Den Ausführungen von Fr Lübbe-Scheuermann hätte ich noch ewig folgen können. Auch ihre Offenheit zum Thema Maulkorb fand ich gut. Es wäre toll, wenn alle Tierheime so einen Coach hätten. Es könnte viel Leid vermieden werden.

  • Simone S. aus Elmshorn 15.07.2018, 18:44 Uhr

    Ich habe in 2/17 einen 5,5jährigen Mischling (urspr. aus Rumänien) vom TH übernommen. Ich bin die vierte Hand, er saß auch zwei Jahre, galt als schwer bzw. unvermittelbar, hat eine Stereotype (dreht sich, beißt in den Schwanz und greift daraus auch an. Fremde dürfen in ihn gar nicht anfassen (beißt sofort) und auch die die er kennt, beißt er gern mal. Jetzt, nach 1,5 Jahren hat er große Fortschritte gemacht, ich darf ihn bürsten, Schmusen, Spielen und auch ein wenig abtrocknen. Aber er verteidigt Ressourcen und switcht immer wieder von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde. Ich habe nicht aufgegeben, bin drangeblieben, aber der Weg war hart, steinig, schlimmer als ich es mir vorgestellt habe und sehr schmerzhaft. Mehrfach hat er mich aus dem Streicheln heraus gebissen. Nach wie vor hat er seine Macken, aber sein Fortschritt ist sichtbar. Mit klaren Regeln, klarer Körpersprache und täglicher Routine wird er von Tag zu Tag toller. Der Weg ist das Ziel. Nicht aufgeben. Liebe Grüße aus Elmshorn