Stadttauben Bochum

Stadttauben Bochum

Kommentare (8)

Tauben in der Stadt – da wenden sich viele angeekelt ab. Doch das Taubenproblem ist von Menschen gemacht. Stadttauben stammen von entflogenen oder ausgesetzten Zuchttieren ab. Oft sind sie in einem erbärmlichen Zustand. Ein Bochumer Verein engagiert sich für die Tiere.

Tauben – eigentlich das Symbol für Frieden und Reinheit. Doch in unseren Großstädten haben die Vögel ein schlechtes Image und kaum eine Lobby. Häufig sind die Tiere in einem schlechten Zustand oder humpeln verletzt durch die Fußgängerzonen, auf der Suche nach ein paar Krümeln.

Doch Stadttauben sind keine Wildtauben, sie stammen von Zuchttieren ab. Sie brüten das ganze Jahr über und suchen sich dafür naturgemäß felsige Vorsprünge. Die gibt es in den Betonbauten der Städte zuhauf. Doch in der Stadt finden die Tauben oft nur ungesunde Essensreste, die sie krank machen.

Taubenhäuser als Geburtenkontrolle

Der Verein Stadttauben Bochum e.V. kümmert sich seit 2017 um Stadttauben in der Innenstadt. Kranke und verletzte Tiere werden eingefangen. Das Elend der Stadttauben müsse nachhaltig beseitigt werden, finden die Helfer. Eine Lösung: Taubenhäuser. Werden die Tiere dort gefüttert und brüten, kann auch gleichzeitig die Zahl der Nachkommen reduziert werden – indem ihre Eier durch Gipsattrappen ausgetauscht werden.

10 wissenswerte Dinge über Stadttauben

Von Kathrin Strehle

Tauben: ein lästiges Übel und Seuchenverbreiter? So sehen zumindest viele Menschen die Vögel, die doch eigentlich für Frieden und Reinheit stehen. Doch was ist dran an diesem Image?

Tauben in der Stadt

1. Die Ratten der Lüfte? Falsch.
Das Image des Krankheitsüberträgers hält sich hartnäckig. Dabei hat das Bundegesundheitsamt bereits vor Jahren klar gestellt: Eine Taube ist nicht gefährlicher als jeder andere Wild- oder sogar Ziervogel. Auch nicht gefährlicher als andere „Nutz- oder Liebhabertier“, wie das Bundegesundheitsamt sich ausdrückt. Lediglich Taubenhalter haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, so wie andere Vogelhalter auch.

1. Die Ratten der Lüfte? Falsch.
Das Image des Krankheitsüberträgers hält sich hartnäckig. Dabei hat das Bundegesundheitsamt bereits vor Jahren klar gestellt: Eine Taube ist nicht gefährlicher als jeder andere Wild- oder sogar Ziervogel. Auch nicht gefährlicher als andere „Nutz- oder Liebhabertier“, wie das Bundegesundheitsamt sich ausdrückt. Lediglich Taubenhalter haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, so wie andere Vogelhalter auch.

2. Tauben haben viele verschiedene Augenfarben
Stadttauben – eine graue Masse an anonymen Schwarmvögeln? Von wegen. Viele kleine Details machen jede Taube in unseren Städten einzigartig. Ihre Augen sind zum Beispiel in Form und Farbe so unterschiedlich wie menschliche Augen.

3. Tauben sind Haustiere
Was viele nicht wissen: Unsere Stadttauben sind Nachkommen von Brieftauben oder Haustauben, die der Mensch einst zur Fleischgewinnung gezüchtet hat. Im Gegensatz zu ihren wilden Namensvettern liegt es ihnen nicht in den Genen, selbstständig nach Nahrung zu suchen. Kein Wunder also, dass sie vor allem an Stellen anzutreffen sind, wo sie Essensreste finden.

4. Weiße Tauben sind Hochzeitstauben oder deren Nachkommen
Immer wieder sieht man in Städten weiße oder weiß-gefleckte Tauben. Ihr Ursprung: Hochzeiten, bei denen Tauben freigelassen werden. Die weißen Tauben sind Zuchttauben und nicht für das Überleben in Freiheit geeignet. Es passiert jedoch nicht selten, dass diese Tiere – wie auch Brieftauben – nicht nach Hause finden. Sie enden in den Städten und sind auf sich allein gestellt.

5. Der Grund für fehlende Gliedmaßen: Fäden oder Haare
Viele Tauben haben Verletzungen an den Beinen. Oft fehlen ihnen Zehen oder ganze Füße. Der Grund dafür: Fäden oder Haare, die auf dem Boden liegen. Sie schlingen sich um die Füße der Tauben, die mit feinen Schuppen bedeckt sind, verheddern sich darin und schnüren die Gliedmaßen langsam ab.
Tipp: Herumliegende Fäden, Drähte und Schnüre entsorgen.

6. Vergrämungsmaßnahmen sind grausam
Mit Netzen, Spikes und Klebepaste versuchen manche Menschen, Tauben fernzuhalten. Alle drei Maßnahmen haben nicht nur grausame Folgen für Tauben, sondern auch für andere Vögel, wie Meisen und Turmfalken. Die Tiere verheddern sich nicht selten in den gespannten Netzen oder verirren sich dahinter – sie finden nicht mehr heraus und verhungern. An Spikes können sie sich ernsthafte Verletzungen zuziehen, und Klebepaste macht Vögel flugunfähig. Das bedeutet ihren sicheren Tod.

7. Taubenkot zerstört keine Gebäude
Es heißt, Taubenkot sei so ätzend, dass er Schäden an Gebäuden verursache. Eine Studie der TU Darmstadt zeigte aber, weder Buntsandstein, Granit oder Zementmörtel noch Vollklinker, Vollziegel oder unbehandeltes lasiertes Nadelholz nehmen Schaden, wenn sie mit den Hinterlassenschaften in Berührung kommen. Lediglich Bleche oder Lacke können darunter leiden. Jedoch nicht nur unter Tauben-, sondern unter jeglichem Vogelkot.
Übrigens: Der weiße, schlierige Kot, der Städte verunreinigt, ist Zeichen von nicht artgerechter Fütterung. Tauben, die nicht nach Essensresten suchen müssen, sondern mit Körnerfutter gefüttert werden, haben festen, dunklen Kot.

8. Stadttauben müssen Hunger leiden
Circa 30 Gramm Körner braucht eine erwachsene Taube pro Tag. Doch woher soll eine Stadttaube diese bekommen? Die grauen Vögel weichen auf Essensreste aus, streifen pausenlos durch die Stadt, auf der Suche nach Futter und stürzen sich auf alles, was Menschen entsorgen.

9. Ein Fütterungsverbot führt nicht zu weniger Nachkommen
Viele Menschen glauben: Wenn Tauben gefüttert werden, werden es nur noch mehr. In vielen Städten ist das Füttern von Tauben daher verboten. Dabei wurden Tauben so gezüchtet, dass sie sich bis zu sieben Mal im Jahr paaren – unabhängig vom Nahrungsangebot. Fütterungsverbote führen also nur dazu, dass mehr junge Tauben verhungern. Dennoch kann ein Fütterungsverbot auch positiv betrachtet werden, da Tauben häufig falsch – beispielsweise mit Essensresten – gefüttert werden. Stattdessen sollte dann aber an anderer Stelle artgerecht zugefüttert werden. Richtig gemacht, kann das sogar die Ausbreitung der Tauben verringern. Nämlich durch...

10. Taubenhäuser – eine Win-win-Situation
In Taubenhäusern werden Tauben angefüttert und erhalten einen Ort, an dem sie nisten können. Dies verhindert, dass die Vögel an unerwünschten Stellen nisten und es erleichtert das Austauschen der befruchteten Eier durch Gipseier. So kann nachhaltig der Bestand reduziert werden. Fazit: Durch Taubenhäuser müssen die Vögel keinen Hunger leiden, nisten sich nicht überall ein und ihre Fortpflanzung wird eingedämmt.

Autorin: Heidi Sonderhoff

Stand: 20.04.2018, 10:00

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 Inge Prestele 25.04.2018, 11:34 Uhr

    Vielen Dank für Ihren liebevollen Beitrag über Stadttauben. Diese Tiere haben ein so gnadenlos schlechtes Image und leben deswegen in wirklichem Elend. Ihr Film wird hoffentlich vielen Zuschauer*innen die Augen öffnen und die Welt für die Tauben ein wenig besser machen. Danke!

  • 7 Maria Heinz 24.04.2018, 22:38 Uhr

    Meine Mutti beschäftigt sich seit einigen Wochen mit Stadttauben. Der Beitrag hat sie sehr emotional gemacht. Sie will, dass Sie wissen, dass sie es gut findet, was Sie für die Tauben tun und dass, wenn sie könnte, unterstützen würde. Tauben sind wundervolle Tiere und das viele Menschen sie so herzlos grausam behandeln schockiert uns. Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen mit gutem Herzen gibt, die etwas für die Lebewesen auf dieser Welt tun, die sich selber nicht wehren können. Machen Sie weiter so, trotz so manch herzloser Menschen.

  • 6 Marita Datz 23.04.2018, 12:11 Uhr

    Tauben sind liebenswerte Geschöpfe. Einmal fand ich eine Taube neben einer vielbefahrenen Strasse in der Gosse. Sie war verletzt und fiel immer wieder um. Konnte eine Frau finden, die sich um verletzte Tauben kümmert. Die empfahl einen Ta. , der sich auf Vögel spezialisiert hat. Er stellte eine Schussverletzung an der Wirbelsäule fest. Die Taube wurde opperiert und von der Taubenschützerin gepäppelt und behalten. Einmal sah ich eine Taube auf einem Acker, wo kein Hälmchen zu sehen war. Das kam mir seltsam vor. Ich sprach das Tier an und zu meinem großen Erstaunen kam sie zu mir gewackelt und blieb vor mir stehen. Sie lies sich aufnehmen . Es war eine Zuchttaube, die wg. einer Verletzung wohl ausgesetzt wurde. Wie klug, sich hilfe zu suchen. Sie kam in eine Taubenstation wo sie noch heute lebt. Es sind hilflose Tier, die mich tief berühren. Ich seh so viele verletzte in der Stadt. Und sie werden gehasst, was ich nie verstehen werde. Bei all der Umweltverschmutzung sind sie die Bösen???

  • 5 Herion, Birgit 22.04.2018, 21:11 Uhr

    Ich habe vor ein paar Jahren in der Fussgängerzone eine Taube mit zusammengebundenen (Nylonfaden) Klauen gefunden. Zufällig war in der Nähe ein Schreibwarengeschäft. In der Hoffnung, dort eine Schere o.ä. zu bekommen, um die Fäden durchzuschneiden, ging ich dort hin und bekam sogar Hilfe von einer sehr netten Verkäuferin! Mit vereinten Kräften konnten wir die Taube von den Nylonfäden befreien und draußen auf der Straße wieder freilassen. Ich bin der Meinung, dass Stadttauben auch ein Recht auf ein gutes Leben haben und deshalb besser behandelt werden sollten! Die Stadt Karlsruhe diskutiert derzeit darüber, ob das bis dato angewendete Augsburger Modell gegen das Baseler Modell ausgetauscht werden soll, um die Taubenpopulation zu verringern. Das finde ich nicht gut, da die Tauben dann nicht mehr gefüttert werden und sich selbst überlassen werden.

  • 4 Claudia Bohac 22.04.2018, 19:48 Uhr

    Tauben sind auch Lebewesen, man sollte sie schützen anstatt sie zu quälen und zu töten!

  • 3 Angelika Pohle 22.04.2018, 19:22 Uhr

    Für mich sind Stadttauben fühlende Lebewesen und sie tun mir sehr leid! Ich finde es toll, dass sich der Bochumer Verein für die Tauben einsetzt!

  • 2 Anonym 22.04.2018, 19:21 Uhr

    Danke für den aufklärenden Bericht!Hoffentlich bewirkt er bei dem Einen oder Anderen ein Umdenken oder eine Sensibilisierung,was diese liebenswerten Tiere betrifft.Ich laufe seit ca. 2 Jahren mit dem "Taubentunnelblick" durch die Stadt,immer mit Futterkörnchen ausgestattet, und habe bereits die eine oder andere hilfsbedürftige Taube eingesammelt und z.B. ins Tierheim gebracht.Es wäre so einfach,der Überpopulation und dem Tierleid Herr zu werden,indem man Taubenschläge errichtet.Wie bei vielen Dingen ist es den Verantwortlichen offenbar nicht klar,wie simpel und kostengünstig eine Lösung wäre.

  • 1 Linda Lasarzig 22.04.2018, 19:20 Uhr

    Habe vor jahren eine taube gefunden unter meinem Wohnwagen. Habe sie in einen Käfig gesetzt und gepäbpelt. Nach Anruf beim Züchter sollte ich sie Köpfen. Nach orientierungsflug durch Unwetter zu Boden gegangen. Nach 2 Jahren in meiner Obhut ist sie zurück nach Hause geflogen. Züchter mich angerufen und bedankt. War eine sogenannte Muskatnusstaube. Bin glücklich sie gerettet zu haben. War sehr zahm vor allem zu meinem PudelMischling auf dem sie immer geritten ist. Würde immer wieder tauben retten. Bin mit tauben aufgewachsen. Kann auch junge tauben stopfen. Für mich keine Ratten der lüfte. Auf meinem Balkon frist seid 2 Jahren im Winter ein wildtaubenpaar. Und das sehr gerne. Trotz Protest der Nachbarn.