Richtig spenden für den Tierschutz

Richtig spenden für den Tierschutz

Zur Weihnachtszeit ist die Bereitschaft zum Spenden so groß wie nie. Und viele Vereine bitten um finanzielle Hilfe – auch im Tierschutz. Doch welcher Verein ist wirklich vertrauenswürdig? Und kommt meine Spende auch da an, wo sie gebraucht wird?

„Wir bitten um Spenden…“

Jeder kennt sie: die Hilferufe in sozialen Netzwerken und auf den Homepages der Tierschutzvereine. Elende Bilder von einsamen und kranken Tieren, die stellvertretend um eine milde Gabe bitten. Viele Tierschutzvereine versuchen vor allem gegen Ende des Jahres etwas vom großen Spendenkuchen abzubekommen. Denn Herzen und Portemonnaies sind in keiner Zeit so weit geöffnet wie zur Vorweihnachtszeit.

Aufnahme eines traurig guckenden Hundes

Bilder von einsamen Tieren, die stellvertretend um eine milde Gabe bitten.

Doch wer den Tierschutz unterstützen möchte, sollte genau hinschauen und sich gut informieren, wo die Finanzspritze landet und wem sie hilft. Diverse Betrugsskandale in der Vergangenheit haben gezeigt, dass es immer wieder schwarze Schafe gibt, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes in die eigene Tasche wirtschaften.

Wer verdient Vertrauen – wer verdient Spenden?

Ob ein Verein oder eine Initiative Spendengelder transparent und gezielt einsetzt, ist oft schwer zu beurteilen. Aber folgende Punkte  können bei der Einordnung helfen:

Die Größe eines Vereins sagt wenig über seine Seriosität oder über erbrachte Leistungen im Tierschutz aus – auch kleine Vereine können gute Arbeit leisten. Je geringer der Verwaltungsapparat und je  kürzer die Wege, umso  besser lässt sich der Einsatz der Spenden nachvollziehen

Offenheit gegenüber Spendern und Mitstreitern: Nur ein Verein, der die Menschen ernst nimmt, die helfen wollen – egal ob mit ehrenamtlicher Mithilfe, Sach- oder Geldspenden – verdient diese Hilfe auch. Unfreundliche und abweisende Antworten auf interessierte Fragen und abweisende Reaktionen auf Hilfsangebote sprechen eine deutliche Sprache. Hier ist entweder doch keine so große Not vorhanden, oder Hilfe doch nicht so dringend nötig. Oder aber der Verein hat tatsächlich etwas zu verbergen und möchte keine Einsicht geben.

Skandale: Bei Vereinen, die in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind, sei es durch fragwürdigen Umgang mit Menschen oder Tieren oder tatsächlich durch verschwundene Gelder, ist Vorsicht geboten! Ob es sich im Einzelfall nur üble Nachrede, oder um schlechte Kontrollmechanismen im Verein handelt oder um Veruntreuung von Spendengeldern, ist für Außenstehende meist nicht nachzuvollziehen.

Aggressive Werbung: Viel Werbung kostet viel Geld. Geld, dass oftmals nicht den Tieren zugutekommt. Natürlich ist Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Bestandteil der Tierschutzarbeit, aber die Verhältnismäßigkeit sollte gegeben sein. Besondere Vorsicht ist bei Organisationen geboten, die mit Drückerkolonnen, mit geschulten Verkäufern, arbeiten und versuchen, Tierfreunde unter Druck zu setzen. Dieses Vorgehen ist in Deutschland nicht illegal, doch echter Tierschutz steckt in den seltensten Fällen dahinter. 

Spendensiegel: Auszeichnungen des Deutschen Spendenrates oder das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI) weisen auf den transparenten Umgang mit Spendengeldern hin. Die zertifizierten Organisationen verpflichten sich, die Standards des DZI zu erfüllen.  Da die Zertifizierung aber mit Kosten verbunden ist,  beantragen kleine Vereine oftmals kein DZI Siegel.

Zusatzinfo: Spenden und Steuer

Wer an eine gemeinnützige Organisation spendet, kann diese Zuwendung bei der Steuererklärung geltend machen. Zuwendungen an Vereine, Hilfswerke und Stiftungen können in Höhe von maximal 20 Prozent, gemessen an den Einkünften des Spenders, als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Die Voraussetzung ist allerdings, dass die Organisation vom zuständigen Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist. Um den gespendeten Betrag geltend machen zu können, wird vom Verein eine Spendenquittung ausgestellt, die beim Finanzamt eingereicht werden kann. Bei Spenden bis zu 200 Euro reicht der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank. Zusätzlich ist ein Beleg nötig, der steuerliche Angaben über die Organisation enthält. Sofern diese Angaben nicht ohnehin auf dem Überweisungsformular vermerkt sind, können diese bei der Empfängerorganisation angefordert werden. (Quelle: DZI)

Aufnahme kleiner getigerter Katzenkinder

Oftmals kommt das Geld nicht den Tieren zu Gute.

Was macht einen seriösen Tierschutzverein aus?

Die Satzung des Tierschutzvereins sollte öffentlich zugänglich sein. Aus der Satzung gehen die konkreten Ziele der Vereinsarbeit hervor und idealerweise auch, wie diese Ziele erreicht werden sollen.

Gemeinnützigkeit: Die Organisation ist als gemeinnützig anerkannt sein und kann dies durch einen aktuellen Freistellungsbescheid dokumentieren. Damit sind auch Spenden steuerlich absetzbar.

Personalien: Die entscheidungskräftigen Organe jeden Vereins sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Alle aktiven Entscheidungsträger innerhalb des Tierschutzvereins werden öffentlich (zum Beispiel auf der Homepage) namentlich genannt werden, samt Funktion und Erreichbarkeit - vom Vorstand über den Kassenwart bis hin zum Beirat und gewählten Mitgliedern. Die Verantwortlichen der Organisation sollten außerdem mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz vorgestellt werden. Der Verein informiert über seine Personalstruktur. Wie viele Ehrenamtliche wirken mit, wer kümmert sich um die Vermittlung und wo und auf welchen Pflegestellen sind die Tiere untergebracht.

 Informationen und Aufklärung: Zur Transparenz gehört auch, Mitglieder und Unterstützer  regelmäßig und zeitnah über geplante, aktuelle und durchgeführte Aktivitäten und Projekte zu informieren. Zum Beispiel mit einer Vereinszeitschrift oder in aktuellen Artikeln auf der Homepage.

Aufnahme junger Hunde hinter Gittern

Setzen Tierschutzvereine auf die „Mitleidstour“, ist Vorsicht geboten.

Keine aggressive Werbung: Wenn Vereine bei der Werbung neuer Mitglieder psychischer Druck ausüben und auf die „ Mitleidstour“ setzen ist Vorsicht geboten. Sicherlich ist es wichtig, Missstände zu benennen und existierendes Elend publik zu machen. Wirbt aber ein Verein nonstop und aggressiv mit reißerischen Bildern und Geschichten von verletzten Tieren oder ablaufenden Fristen in Tötungsstationen, kann das ein Hinweis auf nicht seriöse Tierschutzarbeit sein.

Die Veröffentlichung von Gesellschafts- und Jahresberichten gehört zum  Pflichtprogramm eines  gemeinnützigen Vereines. Angaben über die Herkunft des Geldes, aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Erträgen aus Schutzgebühren und Verkaufsaktionen, wie etwa Weihnachtsbasar und Sommerfest, sind hier zusammengefasst. Vor allem die Ausgaben der Gelder müssen aufgeführt werden, genauer die Vergütung hauptamtlicher Mitarbeiter, die Aufwandsentschädigungen ehrenamtlicher Mitarbeiter, anfallende Kosten bei Pflegestellen und Aufwendungen für Projekte und Aktionen. Auch die Kosten für Werbung und Verwaltung müssen genau festgehalten werden.

Autorin: Katja Diepenbruck

Stand: 30.11.2018, 10:00

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