Das Leid der Stadttauben

Das Leid der Stadttauben Tiere suchen ein Zuhause 08.03.2020 07:37 Min. UT Verfügbar bis 08.03.2021 WDR

Das Leid der Stadttauben

Stadttauben haben einen schlechten Ruf. Wie kein zweites Tier in der Stadt werden sie diffamiert, gequält und gehasst. Schon seit Langem fordern Tierschützer Respekt für Tauben in der Stadt. Alle Tauben sind die Nachkommen entflogener Haustauben, oft handelt es sich auch um Brieftauben, die nicht nach Hause gefunden haben. Viele Menschen fühlen sich von großen Stadttaubenschwärmen belästigt und befürchten die Übertragung von Krankheiten. Dabei geht von Tauben keine größere gesundheitliche Gefährdung aus als von jedem anderen Vogel.

Ein Problem stellt aber die unkontrollierte Vermehrung der Tiere dar. Die Folge: Viele leiden Hunger, ernähren sich von Müll oder werden im Straßenverkehr verletzt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, fordern Tierschützer, dass Städte und Kommunen reagieren und betreute Taubenschläge einrichten.

Immer mehr Tierschützer engagieren sich in verschiedenen Projekten und kümmern sich in vielen deutschen Städten ehrenamtlich um die Tauben.

Autor: Stefan Servos

10 wissenswerte Dinge über Stadttauben

Von Kathrin Strehle

Tauben: ein lästiges Übel und Seuchenverbreiter? So sehen zumindest viele Menschen die Vögel, die doch eigentlich für Frieden und Reinheit stehen. Doch was ist dran an diesem Image?

Tauben in der Stadt

1. Die Ratten der Lüfte? Falsch.
Das Image des Krankheitsüberträgers hält sich hartnäckig. Dabei hat das Bundegesundheitsamt bereits vor Jahren klar gestellt: Eine Taube ist nicht gefährlicher als jeder andere Wild- oder sogar Ziervogel. Auch nicht gefährlicher als andere „Nutz- oder Liebhabertier“, wie das Bundegesundheitsamt sich ausdrückt. Lediglich Taubenhalter haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, so wie andere Vogelhalter auch.

1. Die Ratten der Lüfte? Falsch.
Das Image des Krankheitsüberträgers hält sich hartnäckig. Dabei hat das Bundegesundheitsamt bereits vor Jahren klar gestellt: Eine Taube ist nicht gefährlicher als jeder andere Wild- oder sogar Ziervogel. Auch nicht gefährlicher als andere „Nutz- oder Liebhabertier“, wie das Bundegesundheitsamt sich ausdrückt. Lediglich Taubenhalter haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, so wie andere Vogelhalter auch.

2. Tauben haben viele verschiedene Augenfarben
Stadttauben – eine graue Masse an anonymen Schwarmvögeln? Von wegen. Viele kleine Details machen jede Taube in unseren Städten einzigartig. Ihre Augen sind zum Beispiel in Form und Farbe so unterschiedlich wie menschliche Augen.

3. Tauben sind Haustiere
Was viele nicht wissen: Unsere Stadttauben sind Nachkommen von Brieftauben oder Haustauben, die der Mensch einst zur Fleischgewinnung gezüchtet hat. Im Gegensatz zu ihren wilden Namensvettern liegt es ihnen nicht in den Genen, selbstständig nach Nahrung zu suchen. Kein Wunder also, dass sie vor allem an Stellen anzutreffen sind, wo sie Essensreste finden.

4. Weiße Tauben sind Hochzeitstauben oder deren Nachkommen
Immer wieder sieht man in Städten weiße oder weiß-gefleckte Tauben. Ihr Ursprung: Hochzeiten, bei denen Tauben freigelassen werden. Die weißen Tauben sind Zuchttauben und nicht für das Überleben in Freiheit geeignet. Es passiert jedoch nicht selten, dass diese Tiere – wie auch Brieftauben – nicht nach Hause finden. Sie enden in den Städten und sind auf sich allein gestellt.

5. Der Grund für fehlende Gliedmaßen: Fäden oder Haare
Viele Tauben haben Verletzungen an den Beinen. Oft fehlen ihnen Zehen oder ganze Füße. Der Grund dafür: Fäden oder Haare, die auf dem Boden liegen. Sie schlingen sich um die Füße der Tauben, die mit feinen Schuppen bedeckt sind, verheddern sich darin und schnüren die Gliedmaßen langsam ab.
Tipp: Herumliegende Fäden, Drähte und Schnüre entsorgen.

6. Vergrämungsmaßnahmen sind grausam
Mit Netzen, Spikes und Klebepaste versuchen manche Menschen, Tauben fernzuhalten. Alle drei Maßnahmen haben nicht nur grausame Folgen für Tauben, sondern auch für andere Vögel, wie Meisen und Turmfalken. Die Tiere verheddern sich nicht selten in den gespannten Netzen oder verirren sich dahinter – sie finden nicht mehr heraus und verhungern. An Spikes können sie sich ernsthafte Verletzungen zuziehen, und Klebepaste macht Vögel flugunfähig. Das bedeutet ihren sicheren Tod.

7. Taubenkot zerstört keine Gebäude
Es heißt, Taubenkot sei so ätzend, dass er Schäden an Gebäuden verursache. Eine Studie der TU Darmstadt zeigte aber, weder Buntsandstein, Granit oder Zementmörtel noch Vollklinker, Vollziegel oder unbehandeltes lasiertes Nadelholz nehmen Schaden, wenn sie mit den Hinterlassenschaften in Berührung kommen. Lediglich Bleche oder Lacke können darunter leiden. Jedoch nicht nur unter Tauben-, sondern unter jeglichem Vogelkot.
Übrigens: Der weiße, schlierige Kot, der Städte verunreinigt, ist Zeichen von nicht artgerechter Fütterung. Tauben, die nicht nach Essensresten suchen müssen, sondern mit Körnerfutter gefüttert werden, haben festen, dunklen Kot.

8. Stadttauben müssen Hunger leiden
Circa 30 Gramm Körner braucht eine erwachsene Taube pro Tag. Doch woher soll eine Stadttaube diese bekommen? Die grauen Vögel weichen auf Essensreste aus, streifen pausenlos durch die Stadt, auf der Suche nach Futter und stürzen sich auf alles, was Menschen entsorgen.

9. Ein Fütterungsverbot führt nicht zu weniger Nachkommen
Viele Menschen glauben: Wenn Tauben gefüttert werden, werden es nur noch mehr. In vielen Städten ist das Füttern von Tauben daher verboten. Dabei wurden Tauben so gezüchtet, dass sie sich bis zu sieben Mal im Jahr paaren – unabhängig vom Nahrungsangebot. Fütterungsverbote führen also nur dazu, dass mehr junge Tauben verhungern. Dennoch kann ein Fütterungsverbot auch positiv betrachtet werden, da Tauben häufig falsch – beispielsweise mit Essensresten – gefüttert werden. Stattdessen sollte dann aber an anderer Stelle artgerecht zugefüttert werden. Richtig gemacht, kann das sogar die Ausbreitung der Tauben verringern. Nämlich durch...

10. Taubenhäuser – eine Win-win-Situation
In Taubenhäusern werden Tauben angefüttert und erhalten einen Ort, an dem sie nisten können. Dies verhindert, dass die Vögel an unerwünschten Stellen nisten und es erleichtert das Austauschen der befruchteten Eier durch Gipseier. So kann nachhaltig der Bestand reduziert werden. Fazit: Durch Taubenhäuser müssen die Vögel keinen Hunger leiden, nisten sich nicht überall ein und ihre Fortpflanzung wird eingedämmt.

Stand: 06.03.2020, 10:00

Kommentare zum Thema

26 Kommentare

  • 26 Sybille 13.03.2020, 19:26 Uhr

    Danke, Frau Brunelli für Ihr tolles Engagement! Was mich auch freut, sind die vielen positiven Reaktionen zum Thema Tauben-Hilfe, damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich sehe das Elend der Tauben tagtäglich in Düsseldorf und gleichzeitig auch die negativen Reaktionen der Menschen in der Stadt, völlig ohne Empathie. Ich wünsche Ihnen Kraft, Frau Brunelli.

  • 25 Lucy 11.03.2020, 16:45 Uhr

    Egal ob man Tauben mag oder nicht, ich finde den Einsatz von Frau Brunelli bewundernswert, vor allem weil sie trotz der allgegenwärtigen Anfeindungen nicht aufgibt. Eine Idee von mir wäre, dass Frau Brunelli sich vielleicht eine "öffentliche Bekleidung" (im Stil einer Politesse) für ihre Kontrollgänge anzieht, mit einem Schriftzug "Taubenkontrolle". Ich könnte mir vorstellen, dass sich dadurch manche unangenehmen Pöbeleien und Diskussionen vermeiden lassen. Im übrigen wünsche ich Frau Brunelli weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen.

  • 24 Christina 10.03.2020, 19:54 Uhr

    Es gibt einige Städte die sich wirklich um die Tauben kümmern. Taubenhäuser aufstellen und mit ordentlichem Futter versorgen. Dies wird von Ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Für unsere Stadt hätte ich mir das auch gewünscht und auch bei der Versorgung geholfen. Doch die Stadt wollte nichts machen. Keiner fühlte sich da zuständig. Das ist sehr Ignorant und die Tauben sind weiter hin nirgend wo zuhause und werden überall vertrieben.

  • 23 Manu Sing 10.03.2020, 18:52 Uhr

    Respekt Frau Sabine Brunelli!!! Leider besteht ein Futterverbot für die Tauben in Unna - im Winter füttere ich die Tauben beinahe heimlich,weil das Bußgeld bis zu 1.000 € kostet. Welches ich dann doch lieber in Futter verwandelte ;) Wie kann ich das Futterverbot umgehen?

  • 22 Antonietta 10.03.2020, 06:25 Uhr

    Du musst Tauben nicht lieben, aber behandle unsere städtischen Mitbewohner mit Respekt. •Keine Angst vor Krankheiten. Die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere. Tauben kennenlernen. Tauben stehen für Liebe und Frieden. Sie sind treue Tiere und bleiben ein ganzes Leben lang mit ihrem Partner zusammen. Sie sind sehr intelligent und können sogar menschliche Gesichter wiedererkennen. •Nicht quälen oder ärgern. Niemand wird gerne getreten oder verscheucht. Das Leben der Tauben in der Stadt ist schon schwierig genug. Wir sollten es ihnen nicht noch schwerer machen. Stadt auf tierschutzgerechte Lösungen ansprechen. Taubenhäuser und -türme helfen dabei, den Bestand der Tauben tiergerecht zu regulieren. So können sie artgerecht gefüttert und ihre Gesundheit kontrolliert werden. Die Tiere können in Ruhe nisten und ihre Eier durch Attrappen ausgetauscht werden.

  • 21 Simone Schröter 09.03.2020, 09:31 Uhr

    Ja, wie hier alle schreiben, finde ich das unglaublich was die Menschen mit den Tauben machen. Dabei übertragen die ja die ganzen Krankheiten. Ich hätte auch gerne die Adresse von Sabine und würde sie unterstützen. Kann ich die Daten erhalten ? Danke, Simone

  • 20 Daniela Waldner 09.03.2020, 09:06 Uhr

    Danke für diesen wichtigen Beitrag!! Ich hoffe wirklich sehr, dass er viele Menschen erreicht hat und in Zukunft diese wunderschönen Tiere mit anderen Augen gesehen werden. Danke Danke Danke ♥️

  • 19 Angelika 09.03.2020, 07:34 Uhr

    Der grösste Verursacher von Krankheiten, Müll und Verschmutzung ist der Mensch . Der Mensch sollte in erster Linie Angst vor sich selbst haben. Jedes Mal wenn ich sehe daß Leute die Tauben scheuchen oder ihre Kinder die Tauben jagen lassen werde ich unhöflich. In einem Fall war es extrem das Kind hat die Tauben auch in größerem Radius nicht in Ruhe gelassen ist schreiend und fuchtelnd ständig auf die Tiere los. Ich habe dann einfach das gleiche mit dem Kind (ca. 10 Jahre alt) gemacht. Schon hatte ich die Aufmerksamkeit der Mutter, die sich echauffierte, die es aber vorher wegen der Tauben nicht interessierte.

  • 18 Sabine 09.03.2020, 04:29 Uhr

    Ich fütter auch täglich Tauben, da sie Körnerfutter brauchen. Sie sind wie ausgesetzte Haustiere. Ich fütter alle Vögel ganzjährig. Ich bekomme viel aerger, vor allem mit dem Vermieter und deutschen alten Leuten, die Null Empathie für Tiere haben.

  • 17 Peggy 08.03.2020, 23:55 Uhr

    In unserer Gesellschaft wird der Mensch als ranghöchstes Lebewesen betrachtet. Alle anderen Lebewesen werden ihm als minderwertig untergeordnet, sie haben folglich nicht die gleichen Rechte. Das ist leider traurige Realität. Bei Spaziergängen mit meinen beiden kleinen Hunden werde ich bisweilen auf offener Straße von fremden Menschen grundlos angepöbelt. In den heißen Sommermonaten wurde es mir seitens der Hausverwaltung untersagt, Wasser für durstige Vögel bereitzustellen. Auch über das Füttern der Vögel im Winter beschwerten sich verschiedene Nachbarn. Ich musste leider feststellen, dass viele Menschen keinerlei Mitgefühl für Tiere empfinden. Auch die Natur wird gnadenlos vermüllt und vergiftet. Aber es gibt auch immer wieder Menschen, die wie in Ihrem Beitrag gesehen, respektvoll, uneigennützig und mit viel Feingefühl hilfsbedürftigen Tieren zur Seite stehen!

  • 16 Heitje 08.03.2020, 22:32 Uhr

    (Der Link ist hier nicht zulässig und wurde deshalb entfernt. Der Admin) Emilia war übrigens auf zig Urlaubsreisen mit. Überall im Ausland schmunzelten die Leute, wenn Emilia auf meiner Schulter saß oder auf meinem Hund, streichelten sie, freuten sich, wenn sie ihnen ein Leckerli abnahm. In Straßencafes war die Mitnahme kein Problem, auch nicht auf Campingplätzen. Nur in Deutschland musste ich mit Anfeindungen, Beschimpfungen, hysterischen Ausfällen rechnen. Das gibt zu denken.