Können Katzen Menschen lieben?

Können Katzen Menschen lieben?

Katzenhalter, die ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Tieren haben, sind fest davon überzeugt, dass ihre Katze sie liebt. Aber stimmt das? Können Katzen lieben? Und wenn ja, wie zeigen sie ihre Zuneigung?

Früher ging man davon aus, dass Katzen ausschließlich an ihrem Territorium interessiert sind. Das stimmt auch, trotzdem können sie sich sehr stark an einen Menschen binden. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Katze besonders schmusig ist. Auch sehr unabhängige Katzen, die nicht dauernd den Kontakt zu ihrem Halter suchen, können sehr eng an ihren Menschen gebunden sein.

Katzen suchen Gesellschaft

Der bekannte Katzenforscher Paul Leyhausen entdeckte, dass sich Katzen mit anderen Katzen treffen, ohne dass es sich dabei um die üblichen Revierduelle, den Kampf um Nahrungsquellen oder die Paarungssuche handelt. Sie genießen einfach die Gegenwart von anderen Katzen, die sie sympathisch finden. Sie zeigen sich gegenseitig ihre Zuneigung durch entspanntes Beieinandersitzen, Schnurren und vieler anderer Körpersignale. Katzen können sich, trotz ihrer einzelgängerischen Veranlagung, sehr wohl an einen Sozialpartner binden. Und der kann eine Katze oder ein Mensch sein.

Mehrere Katzen gemeinsam auf der Straße

Katzen entscheiden, wann und mit wem

Katzen suchen sich ihre Sozialpartner selber aus. Sie akzeptieren lange nicht jeden, der ihnen ‚vor die Nase gesetzt‘ wird. Viele Katzenhalter kennen das Phänomen, dass Katze ausgerechnet Denjenigen besonders beachtet, der sich am wenigsten um sie kümmert. Sie lieben es einfach in Ruhe gelassen zu werden, um dann in einem Moment, der ihnen passend erscheint, zum Schmusen vorbei zu kommen.

Schau her: Der Popo!

Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass Katzen gerne ihre Kehrseite präsentieren und in dieser Position verharren? Sie zeigen ihren Po, was so viel bedeutet wie: „Dir schenke ich Vertrauen und Zuneigung, Du darfst an mir riechen und mich näher kennenlernen.“ Es ist im Grunde wie Nachrichten senden. Ein sensibler Teil des Körpers wird dargeboten, um Nähe herzustellen und der Mensch sollte darauf nicht mit Ablehnung reagieren, sondern sich über diese Zuwendung freuen.

Genug ist genug!

Katzen haben an den Haarwurzeln viele Nervenbahnen und reagieren dementsprechend sehr sensibel auf Streicheleinheiten. Wenn es der Katze zu viel wird oder sie gerade keine Lust auf‘s Kuscheln hat, zeigt sie das mit kleinen Körpersignalen wie zum Beispiel: Pfote auf den Arm legen und den Körper dabei versteifen. Manchmal bewegt sich die Schwanzspitze angespannt hin und her. Jede Katze hat ihre eigenen kleinen Zeichen und die gilt es herauszufinden. Ein deutliches Zeichen ist der sogenannte Liebesbiss: Die Katze beißt vorsichtig in die Hand ihres Menschen. In den meisten Fällen bedeutet das: „Diesmal habe ich nur leicht zugebissen, wenn Du mich nicht in Ruhe lässt, beiße ich das nächste Mal fester zu.“ Eine klare Vorwarnung also. Jetzt reicht es mit dem Streicheln.

Katze beißt Menschen in den Finger

Glückliche Katze

Der Königsweg im Umgang mit Katzen ist immer, ihnen die Initiative zu überlassen. Katzen können ihre Zuneigung am besten zeigen, wenn sie dazu nicht überredet werden und genug Zeit bekommen, eine Beziehung aufzubauen. Selbst gutmütige Charaktere unter den Katzen entwickeln keine tiefere Bindung zu ihren Haltern, wenn sie dazu gedrängt werden. Die Katze lässt sich ihre Entscheidungen nicht abnehmen. Aber genau für diese Eigenheit lieben wir sie ja auch.

Autorin: Katharina Hadem

Literatur:
Paul Leyhausen
"Katzenseele – Wesen und Sozialverhalten"
Kosmos Verlag 2005

Stand: 03.08.2018, 12:00

Kommentare zum Thema

Noch keine Kommentare