Impfung beim Hund: Pro und contra

Impfung beim Hund: Pro und contra

Kommentare (14)

Das Thema Impfen wird inzwischen auch unter Tierbesitzern sehr kontrovers diskutiert. Impfungen schützen Hunde vor gefährlichen Viruserkrankungen wie Staupe oder Parvovirose und anderen oftmals lebensbedrohlichen Krankheiten. Doch Impfkritiker prangern zunehmend ein zu häufiges Impfen an.

Impfkritiker versus Tierarzt

Für Verunsicherung sorgen immer wieder Erfahrungsberichte einiger Impfkritiker: Internet-Videos von Hunden, die nach der Impfung unter Krämpfen geschüttelt am Boden liegen, sowie Forenberichte über chronische Erkrankungen und Todesfälle – mutmaßlich infolge der Impfung. Auf der anderen Seite raten Veterinärmediziner meist zu jährlichen Impfungen, um das Tier vor lebensgefährlichen Infektionskrankheiten wie Tollwut, Staupe, Parvovirose, Hepatitis oder Zwingerhusten zu schützen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Tatsächlich können bei einer Impfung Nebenwirkungen auftreten. Doch die Gefahr ist sehr gering und die Nebenwirkungen meistens gut behandelbar. Laut einer amerikanischen Studie liegt das Risiko einer Impf-Nebenwirkung bei 0,38 Prozent. Zudem handelt es sich bei der Mehrheit der Nebenwirkungen um Kreislaufprobleme oder allergische Reaktionen, die in der Regel noch vor Ort in der Tierarztpraxis sehr gut behandelt werden können. Von den 1,2 Millionen in der Studie erfassten Hunden wurde nur bei drei Hunden der Tod festgestellt.

Kritisiert wird die Studie allerdings von einigen Fachleuten unter anderem dafür, dass nur Symptome erfasst wurden, die innerhalb von 72 Stunden nach einer Impfung auftraten. Anschließende mögliche Spätfolgen der Impfung wurden nicht mehr berücksichtigt.

Quecksilber im Impfstoff?

Einige Gefahren, die von Impfkritiker angeführt werden, sind zum Teil schon widerlegt. So ist auf Impfkritiker-Websites beispielsweise immer wieder von Quecksilber in Impfstoffen zu lesen, das starke Schäden verursachen würde. Bei der Argumentation vernachlässigt wird aber nicht nur die Menge des Quecksilbers, sondern auch, dass es sich bei dem Stoff in der Impfdosis um ein Ethylquecksilber handelt, das eine sehr kurze Halbwertszeit hat und vom Körper viel schneller ausgeschieden wird.

Woher kommen die Impfempfehlungen?

Viele Tierärzte orientieren sich an den Empfehlungen, die im Beipackzettel der Impfstoffe angegeben werden. Diese Informationen stammen meistens aus Studien, die von den Impfstoffherstellern selbst in Auftrag gegeben wurden. Diese werden daher von Impfgegnern als subjektiv kritisiert. Als der Leitfaden für Tierärzte und Tierbesitzer in Deutschland gelten aber vor allem die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (Stiko Vet), einer unabhängigen Expertengruppe des öffentlichen Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Obwohl einige Impfgegner auch die Neutralität dieser Kommission anzweifeln, gelten deren Empfehlungen hierzulande dennoch als eine der verlässlichsten Entscheidungshilfen in Sachen Impfung.

Hund bekommt eine Spritze

Das Thema Impfung wird kontrovers diskutiert.

Wirksamkeitsdauer der Impfstoffe

Uneinigkeit gibt es bei der angenommenen Wirkungsdauer von Impfstoffen. Sicherheitshalber raten viele Tierärzte immer noch zur jährlichen Auffrischung der gängigen Standardimpfungen, so wie es auch im Beipackzettel empfohlen wird. Impfkritiker, wie die Journalistin Monika Peichl, hingegen hinterfragen diese Praxis seit Jahren. Sie ziehen Vergleiche zur Humanmedizin und fragen, warum bei Tieren, auch nach der Grundimmunisierung, so oft nachgeimpft wird, bei Menschen aber nicht. Entsprechende Studien über die Langzeitwirkungen fehlen zum Teil noch. Je nach Impfstoff finden inzwischen schon einige Nachimpfungen in Zwei- bis Drei-Jahres-Intervallen statt. Impfkritiker werfen Tierärzten vor, aus finanziellen Interessen zu viel zu impfen.

Risiko abwägen

In Deutschland besteht grundsätzlich keine Impfpflicht für Hunde oder Katzen. Verschiedene Faktoren sollten bei der Erstellung eines Impfplans berücksichtigt werden, wie der aktuelle Stand der Wissenschaft, die Vorgeschichte des Tieres, das Alter, die Sozialkontakte oder Dauererkrankungen.

So ist beispielsweise das Risiko, an Parvovirose zu erkranken, für einen zehnjährigen Dackel, der nur noch kürzere Spaziergänge unternimmt, wesentlich geringer, als das eines Welpen, der in der Spielgruppe viel Kontakt mit anderen Hunden (unter anderem aus Osteuropa) hat. Noch geringer ist für Hunde das Risiko, an Tollwut zu erkranken, wenn sie sich innerhalb der deutschen Grenzen bewegen, da diese Krankheit in Deutschland seit einigen Jahren als ausgerottet gilt. Wer allerdings mit seinem Hund ins EU-Ausland reist, muss ihn gegen Tollwut impfen lassen, so die EU-Einreisebestimmungen.

Wer sich gegen das Impfen seines Haustieres entscheidet, sollte sich immer auch über die möglichen Konsequenzen im Klaren sein. So besteht beispielsweise in NRW ein reales Risiko für Hunde, an Parvovirose zu erkranken, da in den letzten Jahren vermehrt ungeimpfte und erkrankte Tiere (überwiegend aus Osteuropa) einführt wurden. Für eine Infektion ist nicht einmal ein Sozialkontakt notwendig, sondern es reichen schon Hundekotreste, die an der Schuhsohle in die Wohnung getragen werden.

Eine Grundimmunisierung ist für alle Tiere wichtig, da sind sich selbst auch die meisten Impfkritiker einig. Die dann folgenden Impfungen und Impfintervalle sind ganz individuell von Impfstoff und Tier abhängig.

Autor: Stefan Servos

Buchtipp

Monika Peichl
Hunde impfen Der Kritische Ratgeber
Norbert Höpfinger Verlag
ISBN 9783981125962

Quellen

Phillips, Tom, Schultz, Ronald D.
Canine and Feline Vaccines
Current Veterinary Therapy XI

Stand: 12.01.2018, 12:00

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 Manola Lenzi 18.01.2018, 16:01 Uhr

    Ich habe einen alten Hund aus dem Tierheim, ich lasse Ihn nur impfen, wenn wir ins Ausland fahren, d.h. gegen Tollwut. Mein Tierarzt meint auch ein alter Hund brauchen wir nicht jährlich zu impfen.

  • 13 Susanne H. 16.01.2018, 17:05 Uhr

    Ich stehe dem ständigen impfen auch kritisch gegenüber seitdem mein Dobermann nachweislich Krebs (Fibrosarkom) vom impfen bekommen hat u deswegen 2x operiert wurde u trotzdem auch nach den OP'S neue knubbel bekommen hat aber aufgrund seiner DCM nicht mehr operiert wurde. Inzwischen ist er leider verstorben. Grundimmunisierung find ich sehr wichtig aber danach nur noch das nötigste u auf gar keinen Fall jährlich. Seit der Krebserkrankung hatte ich ihn allerdings regelmäßig testen lassen auf Tollwut Titer ( Antikörper ) u da hatte er bis zum Schluss noch mehr als genügend also wäre eine erneute Auffrischung unnötig gewesen. Er ist Anfang Februar 2011 das letzte mal gegen Tollwut geimpft wurden u hatte wie gesagt bis er verstorben ist (29.4.2017) mehr als ausreichend Antikörper. Die Impfe an der er erkrankt ist war Eurican L + Eurican Merilym von MERIAL am 8.02. 2012

  • 12 J. vonHaefen 16.01.2018, 15:03 Uhr

    Hallo, habe die Sendung gespannt verfolgt und muss dazu sagen, dass mein nächster Hund nur noch grundimmunisiert wird. Meine letzte Hündin ist leider einer von den sehr sehr wenigen Todesfällen gewesen. Leider traten die Nebenwirkungen erst so spät auf, sodass man die Impfung gar nicht mehr damit in Verbindung gebracht hat. Es gingen 2 Jahre Kampf ins Land bis dann nachher immer mehr Schaden entstand. Ihr war leider nicht mehr zu helfen. Jährliches Impfen finde ich, wenn man nicht gerade regelmäßig ins Ausland reist, total übertrieben. Wir werden auch nicht jährlich geimpft. Grüße

  • 11 Rosemarie 16.01.2018, 13:25 Uhr

    Viele Impfstoffe sind mittlerweile 3 Jahre gültig. Unsere Hunde werden nur mit den entsprechenden Produkten geimpft, z. B. ist die Tollwut-Impfung mit nur einer Injektion für 3 Jahre gültig, wenn der Hund bei der Impfung mindestens 12 Wochen alt ist. Bei SHP das gleiche, eine Impfung ab einem Alter von mindestens 12 Wochen gilt für 3 Jahre. Um das Immunsystem nicht zu überlasten, wird bei uns SHP mit 12-14 Wochen und im Abstand von 4 Wochen dann Tollwut mit 16-18 Wochen geimpft. Beide Impfungen gelten dann jeweils 3 Jahre. Steht auch so in den Beipackzetteln, Hersteller Nobivac. Alle Firmen, die noch Impfungen mit mehreren Injektionen zur Grundimmunsierung anbieten und jährliche Nachimpfungen verlangen, sind meines Erachtens nicht auf dem neuesten Stand der Forschung und eher daran interessiert, daß viele Impfdosen verkauft werden. Aber viel hilft auch nicht immer viel. Wie man sieht, geht es auch anders und schonender für die Tiere.

  • 10 WDR.de 15.01.2018, 10:42 Uhr

    Liebe Monika H. Letztlich liegt die Verantwortung leider bei den Hundebesitzern, weil sie den Impfvorschlägen der Tierärzte zustimmen müssen oder eben nicht. Wir selbst können keine Impfempfehlung abgeben, wollen aber darauf aufmerksam machen, dass es Impfkritiker gibt, die oft aufeinanderfolgende Impfungen für unnötig halten. Vielleicht sprechen Sie einfach mit Ihrem Tierarzt darüber, wie er das sieht. Mit freundlichen Grüßen, Ihre TseZ-Redaktion

  • 9 Madara 15.01.2018, 10:56 Uhr

    Hallo, ich halte impfen für sehr wichtig, allerdings sollte man differenzieren! Es gibt sich schnell verändernde Stämme (z.B. Equines Herpes beim Pferd) und solche, die über Jahre konstant bleiben. Titterbestimmung und eventuell Impfungen trennen halte ich daher für einen gangbaren Weg, der das "so wenig wie möglich - so viel wie nötig". Bei unserer alten Hündin haben wir am Schluß nur die absolut notwendigen Sachen geimpft, beim Pferd wurde z.B. Influenza (alle 9 Monate) und Herpes (alle 6 Monate) getrennt geimpft. Den unterschwellig angesprochenen Vorwurf, die Imfpungen würden nur der Geldmacherei dienen, kann ich nicht nachvollziehen. Wobei ich mich immer wundere, welche Chemiebomben in Kinder reingedrückt werden: zu meiner Zeit wurden Mumps, Masern und Windpocken im Kindergarten einmal rumgereicht, dann waren alle immunisiert! DAS ist Geldmacherei! Gruß Madara

  • 8 Monika H. 15.01.2018, 10:42 Uhr

    Ich bin durch den Beitrag auch nicht schlauer. Also liegt die Verantwortung beim Hundebesitzer. Ich habe vermißt den Impfplan zu Tollwut und Borreliose. Oder ggf. Empfehlungen

  • 7 Anke Hoffmann 15.01.2018, 07:47 Uhr

    Ich habe bei meinen zwei Omikatzen(14 &15 J.)entschieden, sie nun nicht mehr jedes J. Impfen zu lassen, weil ich Ihnen nicht zusätzlichen Stress bereiten möchte! Außerdem glaube ich, Grundimmunisierung heißt SO, weil sie ähnlich wie beim Menschen auch, nicht jährlich erfolgen MUSS!

  • 6 Foster 14.01.2018, 20:19 Uhr

    Eine Impfung für den Hund finde ich wichtig und richtig! Unsere 5 Hunde ( davon vier aus dem Auslandstierschutz) sind alle geimpft und das jährlich, denn wir verreisen mit unseren Hunden und nehmen auch mit drei Hunden an Rally Obedience Turnieren teil. Dies ist nur mit einem regelmäßigen Impfstatus möglich. Ob der Impfrhythmus wirklich im 12 Monatszyklus sein muss vermag ich nicht zu sagen. Ich könnte mir gut vorstellen, das der Rhythmus auf 18 Monate ausgeweitet werden könnte und man dann immer noch auf der sicheren Seite wäre. Gesetzlich sind die Vorgaben derzeit anders, aber meine Hunde nicht regelmäßig zu Impfen und auch zu Entwurmen käme für mich nicht in Frage. Es gilt nicht nur die Gesundheit des eigenen Hundes zu schützen, sondern auch Krankheiten keinen Nährboden zu bieten. Deshalb sollten auch Hunde, die nicht aus dem Auslandstierschutz kommen hier in Deutschland einen Impfschutz genießen.

  • 5 Streit 14.01.2018, 20:05 Uhr

    Das Impfen ist für den Hundekörper,Immunsystem ,auch ein Stress!Nicht jeder Hund entgiftet diese Schwermetalle,und sonstige schädliche Stoffe.Jede neue Impfung ,immer mehr Belastung für das Immunsystem!!! Denn in der Schweiz,Deutschland,Oestereich finde Ich,ist die Gefahr sehr sehr gering,der Hundekrankheiten! Ich habe die Hunde nicht mehr geimpft! Und die anderen Leute müssen es selber verantworten,was Sie dem Hund antun!

  • 4 Johanna 14.01.2018, 19:17 Uhr

    Eine meiner Katzen, ebenfalls aus dem Tierschutz, kam schon mit einer Immunschwäche zu uns. Sie war allergisch gegen Zeckenbisse, die trotz Vorsorge doch immer mal wieder mitgebracht wurden. Sie bekam um den Biß herum kahle Stellen, die sich immer weiter ausgebreitet haben. Zu dem Zeitpunkt dachte ich auch noch: Impfen muß sein! Nach der ersten Impfung in unserer Obhut brachen ihr plötzlich die Hinterbeine weg, immer wieder fiel sie um, dann wackelte der Kopf immer heftiger und der Zustand verschlimmerte sich innerhalb weniger Stunden drastisch. In der Tierklinik wurden alle Untersuchungen durchgeführt die möglich waren. Die Diagnose: Idiopathisches Vestibulärsyndrom! Sie wurde mit Vitaminen und Enzymen behandelt, weil so wirklich gibt es ja keine Therapie bei der Diagnose. Wir haben sie nie wieder impfen lassen und es hat 3 Jahre gedauert, bis sie sich wieder erholt hat, und: sie zeigt jetzt auch keine allergischen Reaktion mehr bei Zeckenbissen!