Corona und Haustiere – Fragen und Antworten

Kleiner braun-schwarzer Hund schaut mit schief gelegtem Kopf in die Kamera

Corona und Haustiere – Fragen und Antworten

INFEKTION

Kann sich mein Tier mit dem Coronavirus infizieren?

Nein! Bei Untersuchungen von Hunden, Katzen, Pferden und Kleintieren wurde das derzeit prominente Coronavirus (SARS-CoV-2) bislang nicht nachgewiesen. Es gibt viele verschiedene Coronaviren, doch sie sind artspezifisch. Bei Katzen ist beispielsweise schon seit Jahren das feline Coronavirus (FCoV) weit verbreitet. Ein Virus, dass die feline infektiöse Peritonitis (FIP) auslösen kann, für den Menschen aber ungefährlich ist. Auch Hunde erkranken an Coronaviren (canine Coronaviren CCoV, CCV), die für Durchfälle verantwortlich sein können. Ebenfalls ein Coronavirus ist für Kälberdurchfall verantwortlich. Und auch andere Tierarten können von Coronaviren befallen werden – nicht aber von SARS-CoV-2. SARS-CoV-2 ist ein Coronavirus mit dem Wirt „Mensch“ und nicht „Tier“.

Bei zwei Hunden in Hongkong konnte SRAS-CoV-2 mittels Test nachgewiesen werden, nachdem die Halterinnen erkrankten. Es ist aber unklar, ob es sich um eine aktive Infektion oder eine „Umweltkontamination“ gehandelt hat. Beide Hunde hatten keine Symptome. Sie kamen in Quarantäne. Einer der beiden wurde inzwischen wieder entlassen, bei dem anderen Tier sind die zwei Wochen noch nicht vorbei. Die Hunde gelten bislang als Sonderfälle. Dennoch zeigen sie, dass geregelte Hygienemaßnahmen auch beim Umgang mit Tieren sinnvoll sein können.

Kann ich mich bei meinem Tier mit dem Coronavirus infizieren?

Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Tiere für Menschen mit SARS-CoV-2 infizieren könnten. Das bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kann ich mich bei einem Tier anstecken, wenn Viren an seinem Fell haften?

Bei klinischen Tests hat SARS-CoV-2 auf Stahl und Kunststoff maximal 72 Stunden überlebt. Auf Pappe und Papier dagegen konnten nur bis zu 24 Stunden Viren nachgewiesen werden. Experten gehen aber davon aus, dass die Viren unter normalen Umständen weniger lang auf Oberflächen überleben, da Feuchtigkeit für das Überleben wichtig ist und Trockenheit die Lebensdauer des Virus verkürzt. Die Überlebensdauer auf Tierfell wurde bislang nicht getestet. Experten gehen aber davon aus, dass Fell kein gutes Medium für den Virus darstellt. Sie raten dennoch dazu, im Umgang mit Tieren auf Hygienemaßnahmen wie Händewaschen zu achten.

Sind Sie selbst infiziert und übergeben Ihr Tier beispielsweise an Gassigänger, so sollten diese zur Sicherheit eine eigene Leine benutzen und ebenfalls Hygienemaßnahmen ergreifen.

QUARANTÄNE

Wenn ich infiziert bin und somit unter QUARANTÄNE stehe, darf ich dann mit meinem Hund Gassi gehen / meine Stall- oder Weidetiere versorgen?

Nein, wer in Quarantäne ist, darf das Haus / Grundstück nicht verlassen, sondern muss das Gassigehen oder die Versorgung der Stall- und Weidetiere an eine andere Person übergeben, die nicht unter Quarantäne steht. Die Übergabe des Hundes muss ohne Kontakt erfolgen, es sollte zur Sicherheit eine Leine verwendet werden, die nicht mit dem Infizierten in Kontakt gekommen ist.

AUSGANGSSPERRE

Für den Fall einer AUSGANGSSPERRE, darf ich meine Stall- und Weidetiere – auch Pferde – weiter versorgen?

Schon jetzt gilt für die Pflege von Pferden ein Leitfaden des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (LANUV).

Das Tierschutzgesetz regelt in Deutschland die Pflege von Tieren. Dieses Gesetz wird auch bei Bestehen einer Ausgangssperre Bestand haben. Somit wird es auch die Versorgung der Tiere eine Lösung geben. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Versorgung nach strengen Regeln organisiert sein muss, sollte eine Ausgangssperre verhängt werden.

TIERÄRZTLICHE VERSORGUNG

Ist die tierärztliche Versorgung auch weiterhin gesichert?

Tierarztpraxen versuchen den Betrieb weitestgehend normal aufrecht zu erhalten. Allerdings auch hier mit Verhaltensregeln, um das Infektionsrisiko für das Tierarzt-Team und die Tierhalter zu minimieren:

  • Bitte rufen Sie vor dem Besuch bei der Tierarztpraxis an!
  • Viele Tierarztpraxen steigen von der offenen Sprechstunde auf Terminvereinbarungen um, um im Wartezimmer keine Ansammlung entstehen zu lassen. Bitte halten Sie sich an die vereinbarten Zeiten, kommen Sie nicht deutlich früher, aber auch nicht zu spät.
  • Manche Tierärzte bieten sogar zunächst eine Online-Sprechstunde an, um abzuklären, ob ein Besuch der Praxis nötig ist.
  • Viele Tierarztpraxen lassen pro Tier nur noch eine Person in die Räumlichkeiten, damit Abstand gewahrt wird.
  • Viele Tierarztpraxen stellen bereits vor der Tür Desinfektionsmittel auf, damit die Kunden sich bereits vor dem Berühren der Türklinke die Hände desinfizieren können.
  • Viele Tierarztpraxen bitten die Kunden bereits bei der Anmeldung Abstand zum Tresen zu halten und so wenig wie möglich anzufassen, um Empfangs- und Helferpersonal zu schützen.
  • Es wird außerdem darum gebeten, sich vorher zu überlegen, ob der Tierarztbesuch nicht noch ein paar Wochen warten kann. Gegebenenfalls wird der Tierarzt / die Tierärztin Sie bei der Terminvereinbarung darauf auch hinweisen und Sie bitten, zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen.
  • Bitte bedenken Sie immer: Je weniger unnötigen Kundenkontakt Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin aktuell hat, desto unwahrscheinlicher ist, dass er oder sein Personal sich mit dem Coronavirus infizieren – was eine Schließung der Praxis zur Folge hätte. Passiert das vermehrt, kann es selbstverständlich zu Engpässen in der tierärztlichen Versorgung kommen.

Und bei einer Ausgangssperre?

Die tierärztliche Versorgung wird bestehen bleiben. Tierärztliche Vereinigungen haben beim Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft bereits einen Antrag gestellt, als systemrelevant eingestuft zu werden. Denn nur dann wird für die Unterbringung von Kindern der Angestellten gesorgt. Und gerade in diesem Berufsstand arbeiten viele Frauen mit Kindern. Um den Betrieb bestmöglich aufrecht zu erhalten, wäre die Klassifizierung wichtig.

Darf ich, sollte eine Ausgangssperre verhängt werden, mit meinem Tier zum Tierarzt gehen?

Nach dem Deutschen Tierschutzgesetz muss das Tier bei Krankheit oder Verletzung medizinisch versorgt werden. Tierärzte vermuten, dass die Schwere der Krankheit im Einzelfall darüber entscheiden wird, ob ein Tierarztbesuch medizinisch notwendig ist oder nicht.

TIERHEIME / TIERSCHUTZ

Werden aktuell vermehrt Tiere in Tierheimen abgegeben, weil Menschen fälschlicherweise davon ausgehen, dass sie sich über ihr Tier infizieren können?

Nein, das können die Tierheime, mit denen wir kooperieren, nicht bestätigen.

Vermitteln Tierheime aktuell noch Tiere?

Viele Tierheime haben ihren Alltag neu strukturiert, um Mitarbeiter und Personal zu schützen, damit die Versorgung der Tiere gesichert bleibt. Die Tierheime sind für Besucher geschlossen, auch ehrenamtliche Gassigänger werden gebeten, zu Hause zu bleiben oder nur einzeln, nach Absprache, ins Tierheim gelassen. Allerdings können sich Interessenten für Tiere telefonisch melden und Termine vereinbaren. Da vielerorts jedoch keine Vorkontrollen im neuen Zuhause mehr durchgeführt werden, kann sich der eigentliche Vermittlungstermin verschieben.

Thema Auslandstierschutz: Kommen Transporte noch nach Deutschland durch?

Nein, durch die Grenzschließungen werden aktuell keine Tiere nach Deutschland transportiert. Dies kann zu überfüllten Tierheimen im Ausland führen. Wer Vereine trotzdem weiter unterstützen möchte, setzt sich am besten direkt mit den Tierschutzorganisationen in Verbindung, um nachzufragen, welche Hilfe möglich und sinnvoll ist.

ALLGEMEIN

Wird Tierfutter knapp?

Davon ist bislang nicht auszugehen. Die Futtermittelgeschäfte sind, wie Lebensmittelgeschäfte, weiter geöffnet. Wenn allerdings Futter „gehortet“ wird, kann es zu geringfügig zu längeren Lieferzeiten kommen. Das ist die Solidarität aller gefragt! Der Lager sind voll, der Nachschub ist gesichert, melden Futtermittelfirmen.

Aktuelle Informationen vom Friedrich Löffler Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Stand: 20.03.2020, 12:30