Burnout bei Hunden: Ausgelastet oder überlastet?

Burnout bei Hunden: Ausgelastet oder überlastet?

Kommentar (1)

Bekamen Hunde früher häufig nicht genug Beschäftigung, ist es heute es oft umgekehrt: Die Woche ist voll mit Terminen und das Auslasten kann ganz schnell zum Überlasten des Hundes werden.

Hunde sind als Familienmitglieder mittlerweile wichtige Freizeitpartner. Die Besitzer möchten nur das Beste für ihren Hund und schon ab Welpenalter wird alles auf den Kopf gestellt, um das Tier richtig auszulasten. Täglich drei lange Spaziergänge und dazu noch Aktion im Haus. Montag und Mittwoch geht es zur Hundespielgruppe, Dienstag steht Mantrailing an, Donnerstag Dummytraining, Freitag Spaß im Frisbee-Kurs und am Wochenende ab zum Agility- und Flyballteam. So oder ähnlich sieht manchmal ein Wochenplan des Hundes aus. Was oft gut gemeint ist, kann schnell in Stress für den Hund umschlagen.

Hund beim Dummy Training

Hunde haben heute viele Hobbys.

Mentale Überforderung – körperliche Überforderung

Sich pausenlos auf neue Umweltreize einzustellen ist Stress. Trubel in der Familie, Einzug eines neuen Haustiers oder hektisches Stadtleben kann den Hund mental überfordern. Wie auch zu viel Bewegung den Vierbeiner überlastet und bei ihm Stress erzeugt. Das kann beim Hundesport passieren oder auf stundenlangen Spaziergängen. Auch monotones Ballschmeißen und hinterherjagen kann den Hund überfordern. Solche aufputschenden Spiele können sogar zu einer Sucht führen.

Was passiert beim Stress

Jede neue Herausforderung aktiviert das Stresssystem des Hundes – eigentlich ein natürlicher Vorgang, um optimal auf alle möglichen Situationen reagieren zu können. Das heißt, sein Körper geht in Alarmstellung. Alle unwichtigen Funktionen werden heruntergefahren. Die Ausschüttung von Stresshormonen, wie Adrenalin und Cortisol, bringen das Herz schneller zum Schlagen und aktivieren Energiereserven. Geballte Energie wird über den Kreislauf blitzschnell zu den Muskeln transportiert. Der Hund ist jetzt in Höchstform und bereit für Kampf oder Flucht. Der Überschuss an Stresshormonen muss danach wieder abgebaut werden. Dafür braucht der Hund Ruhephasen, sonst bleibt er weiter unter Strom. Er kann nicht regenerieren und das hat gesundheitliche Folgen für Organe und Gelenke, wie z.B. Rücken- und Gelenkschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Allergien oder Herzinfarkt.

Schema des Stress-Systems bei Hunden

Das Stress-System schlägt Alarm

Zu viel Belastung, zu wenig Erholung

Hunde brauchen viel Schlaf und Ruhepausen am Tag. Fehlt ihnen diese wichtige Erholung, werden Hunde reizbarer und können sogar aggressiver reagieren als sonst. Deshalb den Hund nicht eine Stunde unkontrolliert mit anderen Hunden auf der Hundewiese toben lassen, rät Tierpsychologin Christiane Hencke. Viele kommen damit nicht klar und sind schnell überfordert. Mobbing und Aggressionen können schnell entstehen. Da sollte man seinen Hund im Auge behalten und ihn nach 15 Minuten raus nehmen und ihm Ruhepausen verschaffen.

Wer die Zeichen der Überforderung richtig interpretiere, schütze seinen Hund vor gesundheitlichen Schäden, so Hundephysiotherapeutin Susanne Siebertz. Wenn der Hund nach dem Spaziergang zum Auto trödelt, heißt es nicht, dass er noch bleiben will. In Wirklichkeit ist er erschöpft und am Ende, weil ihm die ganzen Endorphine ausgegangen sind.  

Beschäftigung in Maßen und genügend Schlaf

Beschäftigung ist für den Hund sehr wichtig, aber die Art und die Häufigkeit ist der Schlüssel für einen entspannten Hund. Ein ganz normaler Spaziergang von 20 Minuten mit Suchspielen zwischendurch lastet den Hund schon aus. Zehn Minuten Nasenarbeit ist höhst anstrengend, macht aber allen Hunden viel Spaß. Auch Tricks lernen kann eine gute Alternative sein, doch zehn Minuten Training am Tag reichen meist aus. Auch 20 Minuten im lockerem Trab mit dem Hund joggen ist für die Gelenke schonend und tut beiden gut. Da jeder Hund seine individuellen Bedürfnisse hat, sieht eine ausgewogene Beschäftigung auch ganz individuell aus. Wer seinen Hund genau beobachtet und schaut, welche Vorlieben er hat und wie fit er ist, kann einen angemessenen Wochenplan zusammenstellen. Und glückliche Hunde müssen chillen, sie brauchen Ruhephasen und ausreichend Schlaf – in der Regel etwa 16 Stunden am Tag.

Autorin: Heidi Sonderhoff

Stand: 03.08.2018, 12:00

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Maria 07.08.2018, 12:07 Uhr

    So ähnlich geht es in unserem Land mittlerweile vielen Kindern schon im Krabbel- bzw Vorschulalter, eine traurige Entwicklung!