Affenschicksale in Europa – Folgen von Handel und Haltung

Affenschicksale in Europa – Folgen von Handel und Haltung

Kommentare (6)

Affengehege in deutschen Gärten, Schimpansen im Hinterhof - aufgrund einer fehlenden einheitlichen Gesetzgebung können Privatleute in Deutschland je nach Bundesland beliebig exotische Tiere zu Hause halten, sogar Löwen. Laut der Studie „Endstation Wohnzimmer“ der Organisation Pro Wildlife wurden in einem Zeitraum von fünf Jahren rund 2.500 Affen aus 54 verschiedenen Arten auf Internetbörsen in Deutschland gekauft. Die Haltungsbedingungen variieren von ausreichend versorgt bis katastrophal. Einige schlimme Fälle landen in der Auffangstation der niederländischen Stiftung AAP.

Resozialisierung für Primaten

Auf dem Gelände in der Nähe der niederländischen Stadt Almere kümmern sich AAP-Direktor David van Gennep und sein Team um die Resozialisierung von Primaten, die europaweit aus Versuchslaboren, maroden Zoos oder schlechten Haltungen bei Privatpersonen befreit wurden. Dazu zählen auch rund 50 Schimpansen, die entweder bislang ein isoliertes Leben geführt haben oder auf den Menschen fehlgeprägt wurden. Oft lernen die Tiere bei AAP zum ersten Mal im Leben Artgenossen kennen.

Keine bundesweite Regelung zur Wildtierhaltung

Der Direktor der niederländischen Stiftung beklagt die fehlende Gesetzgebung in Deutschland. Seine Stiftung hat bereits acht Schimpansen und mehr als 120 Primaten aus deutschen Haushalten oder Unternehmen aufgenommen. Für die Tiere hätte es sonst keine Rettung gegeben. Die Pflege und Versorgung kostet Millionenbeträge. Unterstützung von deutscher Seite gab es keine. David van Gennep fragt sich, warum in Deutschland nicht wie in den Niederlanden auch eine Positivliste eingeführt werden kann, die festlegt, welche Tiere von Privatleuten gehalten werden dürfen.

Doch bislang hat jedes Bundesland andere Richtlinien und Gesetze. Die strengsten gelten in Hessen. Manche Bundesländer haben gar keine. Das führt dazu, dass in weiten Teilen Deutschlands beispielsweise sogar Löwen und andere Raubkatzen privat gehalten werden dürfen.

Autor: Michael Schumacher

Stand: 08.02.2019, 12:24

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Regina Teitge 14.02.2019, 23:03 Uhr

    was für eine Arroganz von Menschen, die sich exotische Tiere zur Unterhaltung halten! Es soll natürlich verboten werden. Ich wusste nicht, dass in Deutschland Primaten und Grosskatzen gehalten werden dürfen. Sie gehören in Freiheit, basta !6

  • 5 I.Meier 11.02.2019, 10:47 Uhr

    Generell sollte eine private Wildtierhaltung verboten werden, das mit der Vernunft solcher "Tierliebhaber" nicht zu rechnen ist.

  • 4 Antonietta 11.02.2019, 07:49 Uhr

    gegen Zoos und Zirkusse mit Tieren! Artgerecht ist nur die Freiheit!

  • 3 MB 10.02.2019, 19:38 Uhr

    Warum müssen / dürfen überhaupt Exoten als Haus?tiere gehalten werden?!? Bei Obst und Gemüse geht der Trend endlich zum regionalen Anbau, nur unsere Familienmitglieder können gar nicht ungewöhnlich und möglichst auch noch gefährlich genug sein. Egal, ob Affe, Chamäleon oder Skorpion - das sind keine Haustiere, viele Halter sind völlig überfordert, setzen die Tiere bei auftretenden Problemen dann letztlich einfach aus und daher sollte es zum einen zum Wohle der Tiere, bei anderen im Interesse der Mitmenschen eine bundesweit (besser gleich europaweit) geltende Regelung resp. Haltungsverbot geben. Auch Tierärzte können den sehr speziellen Anforderungen in vielen Fällen nur eingeschränkt entsprechen. Wir halten seit vielen Jahren Tierschutz-Katzen und sind regelmäßig entsetzt, wenn wieder über gedankenlos angeschaffte Wesen berichtet wird, deren Übernahme dann derart viel Zeit und Geld der Tierschützer bindet, dass andere - heimische - letztlich auf der Strecke bleiben.

  • 2 Heike Güc 10.02.2019, 18:59 Uhr

    Traurig, dass kein Gesetz die Tiere schützt. Viele Menschen sind leider grausam und auf Vernunft kann man nicht hoffen.

  • 1 Marlis Freese 10.02.2019, 18:58 Uhr

    Wildtiere sind keine Haustiere und sollten auch nicht als solche gehalten werden dürfen.