Erfahrungen während der Dreharbeiten zu "Gefährliche Helfer - Sexuelle Gewalt durch UN-Soldaten" - Teil 2

Erfahrungen während der Dreharbeiten zu "Gefährliche Helfer - Sexuelle Gewalt durch UN-Soldaten" - Teil 2

In Kampala gibt es die vielleicht einzige Organisation - zumindest in Ostafrika - die sich gegen Regierungen und Hilfsorganisationen, selbst gegen die UN, für Flüchtlinge und ihre Rechte einsetzt.

Das Refugee Law Project wird von dem Amerikaner Chris Dolan geleitet, untersteht aber der Juristischen Fakultät der Makarere Universität, die hier auch Grundlagenforschung über traumatisierte Opfer sexueller Gewalt in Afrika betreibt.

Mann vor einem Wagen des Refugee Law Projects

Das Refugee Law Project setzt sich gegen Regierungen und gegen die UN für Flüchtlinge ein.

Im Kongo wird sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt. Systematisch, auch gegen Männer. Aus Scham der Betroffenen wird aber meist nur über weibliche Opfer sexueller Gewalt gesprochen. So werden ganze Regionen traumatisiert, die Opfer sind gebrochene unterlegene Männer, z.B. den Rebellen wehrlos ausgeliefert.

Chris Dolan erzählte mir eine Art Gesetzmäßigkeit: Wer im Krieg Opfer sexueller Gewalt geworden ist, der ist besonders gefährdet, als Flüchtling wieder Opfer zu werden und landet wahrscheinlich dann als "Sexworker" am alleruntersten Ende der Ausbeutungsskala im Flüchtlingsslum: Dort verkaufen die mehrfach Traumatisierten ihren geschunden Körper für 50 Cent.

Immer wieder Gewalt gegen Kinder, junge Frauen

Ich habe die Flüchtlinge aus dem Kongo in den Slums von Kampala in Uganda und in den sogenannten "Vorzeigecamps", die hier auch "Settlements", also Siedlungen, genannt werden, mit der Kamera begleitet.

Schild eines UN-"Vorzeigecamps"

Eines der sogenannten UN-"Vorzeigecamps", die auch "Settlements", also Siedlungen, genannt werden.

Ich war noch nie so erschüttert von ihren Berichten, noch nie so tief getroffen von der nicht endenden Spirale der Gewalt. Und immer wieder Gewalt gegen die Schwächsten: Kinder und junge Frauen. Das Ausmaß der Gewalt, der Brutalität, der Hunderttausende, wenn nicht Millionen Flüchtlingen täglich ausgeliefert sind, bleibt mir unbegreiflich.

Früher dachte ich, wenn erst mal die blaue UN-Flagge über einem Flüchtlingscamp flattert, seien die Menschen wenigstens hier in Sicherheit. Das scheint offensichtlich nicht der Fall zu sein.

Frauen im Flüchtlingslager Kyaka bei einer Besprechung

Frauen im Flüchtlingslager Kyaka bei einer Besprechung in der "Siedlung"

Ziel: Ein Leben außerhalb der Camps

Alle Experten sind sich einig: Das Leiden hat erst ein Ende, wenn die Flüchtlinge die Chance auf ein neues Leben bekommen, ein Leben außerhalb der Camps.

Ein Camp darf immer nur eine kurzfristige Übergangslösung sein. Spätestens nach zwei Jahren müssen die Menschen dort raus, wieder ein Leben beginnen können, die Schule zuende machen, eine Ausbildung oder arbeiten gehen. Am besten in ihrer Heimat oder einer nahegelegenen Region. Und wenn das nicht geht, dann bei uns!

Die Festung Europa, die dauerhafte Lagerhaltung von Flüchtlingen, die auch Ergebnis unserer Politik der vergangenen Jahrzehnten ist, die Kumpanei mit Diktaturen, die Menschen in diesen Ländern gegen ihren Willen festhalten, all das trägt zur sexuellen Ausbeutung von Flüchtlingen bei.

Und es macht sie so ohnmächtig, weil sie keine Chance haben, ihrem Schicksal als ewiger Flüchtling zu entkommen, jeder Bürgerrechte beraubt, die wir für so selbstverständlich erachten.

Stand: 27.03.2013, 00:00

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