Interview zum Film "Papa statt Pascha"

Interview zum Film "Papa statt Pascha"

In ihrem Film "Papa statt Pascha" (03.11.2013, 16.30 Uhr, WDR Fernsehen) berichten Susanne Heim und Silke Meyer über Baytekin D., einen alleinerziehnden türkischen Vater aus Berlin. Im E-Mail-Interview erzählen die beiden Autorinnen von den persönlichen und kulturellen Hintergründen des Films.

tag7: Wie schwierig war es für Sie, Baytekin als Protagonist zu gewinnen? War er sofort bereit mitzumachen oder hat er gezögert?

Susanne Heim, Silke Meyer: Es war vor allem nicht so einfach, überhaupt einen Protagonisten zu finden. Auch wenn die Zahl der alleinerziehenden türkischen Väter in den letzten Jahren zugenommen hat, ist die Scheu sehr hoch, vor eine Kamera zu gehen. Über persönliche Probleme offen zu reden, ist unüblich in der türkischen Community, insbesondere bei den Männern. Normalerweise macht man das - wenn überhaupt - im Familienkreis aus. Als wir Baytekin dann aber durch einen persönlichen Kontakt gefunden hatten, war er sehr offen und hat relativ schnell zugesagt. Auch in dieser Hinsicht ist er anders als die meisten türkischen Männer.

Porträt von Silke Meyer

Die Filmemacherinnen: Silke Meyer und...

tag7:Was denken Sie aus ihrer deutsch geprägten Sicht darüber, dass Baytekin starken Widerstand gegen sein Alleinerziehungsprojekt seitens der Schwiegereltern seiner verstorbenen Frau erfahren hat?

Susanne Heim, Silke Meyer: Für uns war es schwer verständlich, dass die Schwiegereltern, nachdem sie schon die Tochter verloren hatten, nun auch durch ihre ablehnende Haltung den Kontakt zum Enkel abreißen lassen. Auch Baytekin hätte eine weitere Unterstützung sicher gut gebrauchen können. Umso mehr haben wir ihn dafür bewundert, dass er bei seiner Entscheidung geblieben ist und in seine Rolle gefunden hat.

Ohne Verbitterung

tag7: Einerseits ist Baytekin bewundernswert konstruktiv, versucht nach Kräften immer das Beste aus seiner Lage zu machen. Andererseits wirkt er im Film körperlich abgekämpft, vielleicht gestresst. Wie haben Sie ihn erlebt?

Susanne Heim, Silke Meyer: Natürlich steht Baytekin vor einer großen Herausforderung: Full-Time-Job, alleinerziehender Vater, Haushalt. Dass er dabei auch erschöpft oder gestresst wirkt, ist ganz normal. Dazu kommt noch, dass er einen hohen Anspruch an sich selbst hat. Er will alles möglichst perfekt machen. Das klappt natürlich nicht immer. Er hat jedoch trotz aller Widerstände sein Schicksal angenommen und das ohne Verbitterung.

Foto von Susanne Heim

Susanne Heim

Liebevoller Umgang mit dem Sohn

tag7: Baytekin geht gegenüber seinem Sohn Baycan mit dem Tod der Mutter sehr offen um. Er zeigt ihm Fotos von früher, als sie noch zu dritt waren, nimmt ihn mit ans Grab. Das ist mutig. Wie haben Sie Baytekins Umgang mit seinem Sohn erlebt?

Susanne Heim, Silke Meyer: Baytekin geht sehr liebevoll mit seinem Sohn um. Baycan ist ganz klar der Mittelpunkt in seinem Leben und kommt immer an erster Stelle. Durch die Dreharbeiten kam ein Prozess der Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Frau in Gang , der für Baytekin nicht leicht war. Doch es war ihm wichtig, Baycan endlich von seiner Mutter zu erzählen, da er ihn nun für alt genug hielt. Mit dieser Einschätzung lag Baytekin auch richtig, denn wir hatten das Gefühl, dass Baycan wirklich gut damit umgehen konnte.

Berlin ist Baytekins Heimat

tag7: Sie haben Baytekin in die Türkei begleitet ans Grab seiner Frau. Glauben Sie, er würde in der Türkei in seiner Situation besser zurecht kommen als in Berlin?

Susanne Heim, Silke Meyer: Nein, das glauben wir nicht. Wir haben ihn das auch gefragt und seine Antwort war klar: So wohl er sich in der Türkei auch fühlt - er ist Berliner und das ist seine Heimat.

Interview: Alexander Haas

Stand: 30.10.2013, 00:00

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