Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

Juli 2015

Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

Von Cordula Echterhoff und Heidrun Seeger

Heidrun Seeger und Cordula Echterhoff haben für ihren Film "Willkommen - was jetzt?" sechs Monate bei Flüchtlingen in Köln verbracht. In einem Tagebuch haben sie ihre Eindrücke von dieser Zeit festgehalten. Im folgenden Eintrag erzählt Cordula von einer nigerianischen Familie und Kindern, die bitten: "keine Namen".

20.7., Besuch in der zweiten Flüchtlingsunterkunft für Familien 

Cordula: Habe lange mit einer nigerianischen Familie gesprochen. Die Geschichte unterscheidet sich grundlegend von dem, was ich bislang von den Bewohnern der ersten Unterkunft gehört habe. Nicht verzweifelt, aber auch nicht hoffnungsvoll. Stiller Ernst, der sich mit dem arrangiert, was als nächstes auf sie wartet. Sie würden auch klaglos alles wieder zusammen packen, wenn sie weiter ziehen müssten. Zur nächsten Station im Leben. An den nächsten Ort. Der wieder nicht ihre Heimat ist, die sie längst nicht mehr haben, weil es in Nigeria keine Perspektive gibt. Wie viele Menschen werden wohl so ihr Leben lang umherziehen?

Vor der Unterkunft Kindergewusel. Ein Zwillingspärchen, um die vier Jahre alt plus älterer Schwester; ein größerer Junge um die acht Jahre altund noch der kleine lustig hüpfende Sohn von den Mazedoniern. Kommen erstmal alle auf mich zu – die Zwillinge strahlen mich an. Ich stelle mich vor, frage nach ihren Namen – da sagt der ältere Junge „keine Namen“ und alle ziehen weiter. Recht haben sie. Was wissen die schon, wer ich bin.

Stand: 06.11.2015, 12:00

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