Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

Juni 2015 (1)

Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

Von Cordula Echterhoff und Heidrun Seeger

Heidrun Seeger und Cordula Echterhoff haben für ihren Film "Willkommen - was jetzt?" sechs Monate bei Flüchtlingen in Köln verbracht. In einem Tagebuch haben sie ihre Eindrücke von dieser Zeit festgehalten. In den folgenden Einträgen schildert Cordula ihre Gefühle angesichts von Fotos und einer Abschiebung.

7. Juni, Tag der offenen Tür vor der Flüchtlingsunterkunft

Cordula: Fotos von dem Somalier, der Al Shabab entkommen ist, auf den Rechner gezogen: Was mich berührt, ist die Schilderung, warum sein Lieblingsfoto sein Lieblingsfoto sei – er fände sich schön. Und er war an dem Tag einfach glücklich. Seiner Familie ging es gut, ihm ging es gut, in der Unterkunft fand er es gut...; ein glücklicher junger Mann.

8. Juni, Abschiebung Amadous

Cordula: Wir sind bei der Abschiebung von Amadou dabei, einem Flüchtling aus Guniea: Beklemmung und Nervosität. Gefühlt: massiver Einschüchterungsversuch seitens der Obrigkeit. Das Warten endlos, Nicht-Wissen gleich Nervosität, fünf Leute, die sich nähern, die Leiterin der Ausländerbehörde, die sich drohend vor Amadou aufbaut und immer: Did you talk to the Medien, sagt. Am Computer gesichtet: verglichen mit anderem alles noch recht harmlos, wenn auch beklemmend. Emotionen spielen mit und kochen hoch.

 10. Juni, Beleuchtung nur für Flüchtlinge?

Heidrun: Keiner will im bürgerlichen Brück vor der Kamera was gegen die Flüchtlinge sagen, obwohl wir es auf Facebook lesen können. In dem sozial schwächeren Neubrück ist das anders. Hier wird Kritik auch lautstark geäußert. Einmal sogar nachvollziehbar, wieso Kritik aufleben kann: Seit Jahren schon fordern die Mütter vom Fußballclub Straßenbeleuchtung am Trainingsgelände, damit die Kids auch in den Wintermonaten sicher zum Training kommen. Nichts passiert! Seitdem das Containerwohnheim - direkt auf der Grenze zu Neubrück mit einemMigrationshintergrund von über 50 Prozent - für die Flüchtlinge fertig ist, hat die Straße auf einmal Beleuchtung.

Stand: 06.11.2015, 12:00

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