Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

April und Mai 2015

Autorinnen-Tagebuch zum Film "Willkommen - was jetzt?"

Von Cordula Echterhoff und Heidrun Seeger

Heidrun Seeger und Cordula Echterhoff haben für ihren Film "Willkommen - was jetzt?" sechs Monate bei Flüchtlingen in Köln verbracht. In einem Tagebuch haben sie ihre Eindrücke von dieser Zeit festgehalten. Zunächst geht es um die Anfänge des Projekts und einige Komplikationen.

Ende April 2015, Zweifel am Beginn und eine Verfassungsschutz-Anfrage

Cordula: Alle Flüchtlinge sagen zu, alle Flüchtlinge sagen ab. Vor allem die Syrer und auch die Somali. Zweifel und Infragestellung. Hat man zu viel darauf hingewiesen, was es heißt, in den Medien zu sein; zu viel nachgefragt, ob sie sich sicher sind teilnehmen zu wollen? Bei den Syrern macht sich das Gerücht breit, dass der syrische Geheimdienst verstärkt tätig ist. Einer aus Somalia erklärt: Bei Al Shabab reicht es, wenn Du in den christlichen Westen geflohen bist, um als Abtrünniger zu gelten. Allein das kann gefährlich für Dich und die Familie sein.

Nachfrage beim Verfassungsschutz: Was ist mit dem syrischen Geheimdienst? Sowohl Inlands- als auch Auslandsgeheimdienst aktiv - und aktiver je mehr Flüchtlinge hierüber fliehen. Ziel: Ausspähung der Oppositionellen im Ausland. Entwarnung kann ich keine geben. Emotionales Auf und Ab. Auch bei mir.

15. Mai 2015, Berichte über Al Shabab Miliz

Cordula: Der Schrecken sackt manchmal langsam. Als mir der Somalier schildert, was ihm passiert ist, höre ich es mir an. Punkt. Mehrmals von Al Shabab aufgegriffen, mehrmals geflohen, wieder aufgegriffen, dann haben sie ihn angezündet. Eine Woche später ist es erst in mein Bewusstsein gesackt, was das heißt. Erst als ich es das dritte Mal erzählt hatte. Mit körperlichem Unwohlsein und Kälteschauern. Was Menschen Menschen antun und wie wenig die Gefühle eines einzelnen zählen.

Stand: 06.11.2015, 12:00

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