Interview zum Film "Himmlische Gerichte"

Interview zum Film "Himmlische Gerichte"

Von Alexander Haas

Autorin Heidrun Seeger erzählt, wie überrascht sie und ihre Kollegen von der humorvollen Art der drei Schwestern Gertrudis, Katharina und Veronika waren. Das Team drehte im Kloster der Franziskanerinnen in Olpe.

tag7: Wie haben die Olper Schwestern reagiert, als Sie sie gefragt haben, ob Sie über die drei und ihre Oster-Torte ein Film drehen dürften?

Heidrun Seeger: Die sind unglaublich offen gewesen. Sie haben mehrfach gelacht bei den ersten Kontakten. Dann haben sie gesagt, kommen Sie vorbei, dann können wir zusammen überlegen. Das Coole bei ihnen war, dass sie über den Franziskaner-Orden, der auf Franz von Assisi zurückgeht, eine sehr große Affinität zu Italien haben. Die drei Schwestern essen leidenschaftlich gerne, schätzen italienische Lebensmittel und die italienische Küche. Zwei von den Dreien kochen auch unglaublich gerne. Insofern sind wir mit unserem Plan eigentlich offene Türen eingerannt.

Auch das Thema Ostern war für die Schwestern gar keine Frage. Ostern sei für sie ohnehin die wichtigste Feiertagszeit im Jahr, meinten sie. Die Schwestern kochen ja auch ein italienisches Gericht zu Ostern. Darum dreht sich unser Film. Sie bereiten eine Torta Pasqualina zu, also wörtlich eine Oster-Torte. Das ist ein herzhafter Oster-Kuchen aus dreiunddreißig Teigschichten. Dem Kuchen wohnt über die Zutaten eine religiöse Symbolik inne. Das kann man in unserem Film alles sehen.

tag7: Wenn man die Schwestern in Film so reden hört, machen sie einen leutseligen, bodenständigen Eindruck. Sie wirken nicht streng religiös oder zurückgezogen. Wie haben Sie die drei erlebt?

Heidrun Seeger: Die Schwestern haben einen Glaubensgrundsatz, der lautet: Beten und Anpacken. Das ist genau das, was die drei tun. Die stehen mit beiden Beinen mitten im Leben. Sie haben ihre Ordensregeln, da gibt es auch überhaupt keine Diskussion. Sie haben ihre festen Zeiten, an denen gebetet wird, an denen Gottesdienste gefeiert werden, an denen sie sich der anbetenden Seite ihres Glaubens hingeben.

Auf der anderen Seite ist es für sie genau so wichtig anzupacken, etwas zu tun. Wirklich mitten im Leben zu sein, in allen möglichen Bereichen. Man kann jederzeit in das Konvent gehen, es ist immer jemand im Haus. Die Schwestern haben Gästezimmer, in denen man für ein paar Tage Unterschlupf findet, wenn man einfach mal eine Auszeit braucht. Dabei muss man sich nicht unbedingt an ihrem Leben beteiligen, das sind sie ganz offen. Im Mutterhaus bieten sie für Jugendliche öfter mal Klostertage an, wo die erfahren können, was so ein Klosterleben überhaupt bedeutet. Daraus sind spezielle Abende erwachsen, wo die Schwestern mit Jugendlichen basteln, stricken, beten, malen und vor allem einfach reden.

tag7: Waren Sie denn überrascht von dieser Offenheit und Direktheit der Schwestern?

Heidrun Seeger: Ja. Aber das fand ich gerade schön: Das Vorurteil, dass Nonnen streng und zurückgezogen leben, dass sie doch gar nicht wissen können, wie ich lebe, und dass ich deshalb gar nicht mit ihnen reden kann – diese Einstellung legt sich spätestens nach einer halben Stunde mit den dreien.  Jeder in unserem Team dachte nach den ersten Treffen: Ooops, was war das denn jetzt?! Die sind ja völlig anders, als ich jemals gedacht hätte.

tag7: Gibt’s da ein Beispiel?

Heidrun Seeger: Schwester Katharina zum Beispiel stürzt sich jeden Morgen auf die Sportseite und guckt nach, wie der 1. FC Köln gespielt hat. Sie geht – in ihrem Schwestern-Habit – ins Stadion des 1. FC. Sie geht in die Fankurve, die Südkurve, und wird dort von Leuten angesprochen: Bitte, bitte kommen Sie wieder! Wenn Sie kommen, gewinnen wir vielleicht noch mal. Sie war an Karneval mit gefärbten Haaren und verkleidet als Musketier auf dem Rosenmontagszug. Das sind so Dinge, die man nicht erwarten würde. Alle drei sind zu Scherzen aufgelegt. Die nehmen einen auch mal auf die Schippe.

tag7: Und wie unterscheiden sich Schwester Gertrudis, Schwester Katharina und Schwester Veronika?

Heidrun Seeger: Das kann ich, glaube ich, gar nicht beschreiben. Die sind alle herzlich, die sind alle offen und aufgeschlossen. Sie haben aber zum Beispiel unterschiedliche und abgeschlossene Ausbildungen. Ich glaube, das trägt auch dazu bei, dass sie so offen sind. Ausbildung oder Studium ist auch eine Voraussetzung, um in den Orden aufgenommen zu werden. Alle drei haben also eine sehr weltliche Seite. Das finde ich cool.

Gertrudis zum Beispiel hat Theologie angefangen und abgebrochen. Heute ist sie Gemeindereferentin und kümmert sich um Religionspädagogik und begleitet  und qualifiziert die Ehrenamtlichen in der Gemeinde. Katharina ist gelernte Krankenschwester. Und Schwester Veronika hat Sozialpädagogik studiert und ist Diplomkauffrau. Sie verwaltet alle Krankenversicherungen und Rentenangelegenheiten der Mitschwestern. Ansonsten kuschelt die eine mehr, die andere weniger. Die eine ist ein bisschen reservierter, die andere ein bisschen offener. Das ist wie bei uns auch. (lacht) Den kölschen Wahlspruch „Jede Jeck es anders“ würden die drei sofort unterschreiben!

Stand: 15.03.2016, 12:50

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