"Liebeserklärung an ein Monument": Martin Papirowski über seinen Film "Der Aachener Kaiserdom"

Porträt von Martin Papirowski

"Liebeserklärung an ein Monument": Martin Papirowski über seinen Film "Der Aachener Kaiserdom"

In seinem spektakulären Film "Der Aachener Kaiserdom" zeigt der Filmemacher Martin Papirowski die Geschichte des Domes und seines Bauherren Karls des Großen. Papirowski nutzt dafür besondere Computertechniken und arbeitet mit Animationen - "ein irrer Aufwand für wenige Sekunden".

Tag7: Was ist inhaltlich das Besondere bei diesem Portrait des Aachener Kaiserdoms?

Martin Papirowski: Der Dom ist für uns Europäer eines der bedeutendsten Monumente unserer Geschichte. Sein Bauherr ist kein Geringerer als der erste Kaiser nach dem Untergang Roms, Karl der Große. Er, seine Zeit und die Jahrhunderte danach haben Spuren hinterlassen. Wir haben uns auf die Suche nach diesen Spuren begeben, haben versucht die tiefe Symbolik des Bauwerkes zumindest teilweise zu entschlüsseln.

Andererseits haben wir die großen historischen Ereignisse seiner Geschichte nacherzählt, seine Entstehung, Katastrophen wie die Pest, seine Bedeutung als Pilgerstätte bis hin zur Diktatur des Nationalsozialismus. Es sind szenische Zeitreisen, wenn man so will. Schließlich ist der Film auch und vor allem eine Liebeserklärung an ein einzigartiges Monument.

Tag7: Welche besonderen neuen Filmtechniken haben Sie dabei eingesetzt?

Martin Papirowski: Wir haben bei der Realisierung des Filmes am Drehort und während der Nachbearbeitung Techniken eingesetzt, die wir vor allem aus dem Kino kennen: beispielsweise Computer-Crowding, eine Technik mit deren Hilfe sie im Rechner Massenszenen „bauen“ können. Darsteller werden dabei multipliziert. Bei einer anderen Technik, der sogenannten Set-Extension werden real gefilmte Bildelemente mit computergenerierten kombiniert.

Aachen im 8. Jahhundert? Technisch kein Problem

Beispielsweise ist es uns so gelungen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie Aachen im achten Jahrhundert aussah. Am Set selbst haben wir einen Kamerakran eingesetzt, damit fliegt die Kamera wie ein Vogel durch die Kathedrale. Und Kameradrohnen, das sind Minihelikopter mit Kamera für die Außeneinstellungen, eine Superzeitlupen-Kamera, die die Zeit erstarren lässt.

Tag7: Was bedeutet das logistisch für den Dreh? Mit wie viel Equipment und Manpower sind sie vor Ort?

Martin Papirowski: Wir müssen immer zwischen den Dokumentardreharbeiten in Aachen und den Inszenierungsdreharbeiten in den Filmstudios im rumänischen Bukarest unterscheiden. Mit der Kran-, der Licht- und der Kameracrew haben wir immer ein Dutzend Kreative vor Ort im Einsatz. Bei den Inszenierungsteilen liegt die Crewstärke bei mehr als 50 Leuten und zwar ohne die Darsteller und Komparsen.

Bei so viel Aufwand und Computertechnik werden die Szenen einzeln geplant, d.h. 70 Prozent der Kameraeinstellungen „stehen“ schon vor dem Dreh. Einzelne Sequenzen wurden sogar zuvor in einem sogenannten Storyboard gezeichnet. Bei den Inszenierungen hatten wir beispielsweise zehn LKW, Trucks, Busse und dergleichen im Einsatz, und es wurden täglich rund 400 Tassen Kaffee konsumiert.

Tag7: Sie arbeiten auch mit Animationen.

Martin Papirowski: Ja, wir haben im Film zwei Arten von Animationen: Einerseits der Nachbau von Bauwerken, etwa die Baustelle der Kaiserpfalz im Rechner. Da arbeiten Computergrafiker und Archäologen Hand in Hand. Andererseits sogenannte Compositing-Szenen. Zum Beispiel: Vor einem sogenannten „Greenscreen“ werden eine Handvoll Bauern aus dem 8. Jahrhundert gefilmt, die Steine tragen oder ein Schaf an der Leine führen. Künstler kreieren dazu mit Photos römischer Ruinen und absolut realistisch gemalten Landschaften, einem gefilmten Himmel, Nebel und fliegenden Vögeln aus dem Computer ein realistisches Umfeld, in das dann die zitierten Bauern hinein kopiert werden. Das nennt man Compositing. Eine irre Arbeit für wenige Sekunden.

Interview: Sabine Coen

Stand: 10.11.2016, 15:44

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