Interview zum Film "Mein Mann ist schwul"

"Ich bin bin mit sehr viel Schamgefühl konfrontiert worden"

Interview zum Film "Mein Mann ist schwul"

Nicola Peters, Autorin des Films, erzählt von den Hintergründen ihrer Recherche und den Dreharbeiten.

tag7: Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Nicola Peters: In meinem weiteren Bekanntenkreis hatte ich mitbekommen, wie ein 50-jähriger Mann sich von Frau und Kindern trennte, um schwul zu leben. Eine extrem schwierige Situation für alle Beteiligten: Für den Mann, der seine Familie liebte und sich sein Outing nicht leicht gemacht hatte. Für die Frau, deren (Selbst-)Vertrauen zutiefst erschüttert wurde. Für die Kinder, deren Papa plötzlich schwul war.

Eine gar nicht so seltene, hochdramatische Situation, die aber in der Öffentlichkeit kaum vorkommt, manchmal sogar in der eigenen Familie totgeschwiegen wird.  Angesichts der Debatte um Homosexualität, die gerade geführt wird, fand ich es wichtig,  mit einer Reportage ein Stück Öffentlichkeit für schwule Ehe-Männer und für deren (Ex-)Frauen schaffen.

tag7: Welche Erfahrungen haben Sie während der Recherche gemacht?

Nicola Peters: Ich bin mit sehr viel Schamgefühl konfrontiert worden. Oft hieß es seitens der Frauen: "Ich würde ja was sagen, aber mein Mann hat sich im Job noch nicht geoutet. Dort darf das keiner wissen. " Von schwulen Männern hörte ich: "Ich würde mich ja öffentlich äußern, aber meine Frau möchte das nicht. Die meisten ihrer Kollegen und Bekannten wissen nicht Bescheid." Umso größer mein Respekt für meine Protagonisten Manuela und Jörg, die wir quasi von Beginn an aus nächster Nähe begleiten durften.

tag7: Worin bestehen die besonderen Schwierigkeiten für eine Familie, wenn der Ehemann und Vater sich als schwul outet?

Nicola Peters: In erster Linie machen diese Familien natürlich genau den Schmerz durch, den alle Trennungsfamilien erleben.

Doch es gibt auch Punkte, die speziell mit der Homosexualität als Trennungsgrund zusammenhängen: Wenn ein Paar sich trennt, weil der Mann sich als schwul geoutet hat, wird dies vom Umfeld eher skandalisiert, als wenn die Ehe aus anderen Gründen scheitert. Das Getuschel ist einfach größer! Viele betroffene Männer und deren (Ex-)Frauen besuchen über Jahre Selbsthilfegruppen, weil sie sich nur dort verstanden fühlen.

Bei den Frauen von schwulen Männern taucht oft der Gedanke auf, ob ihr Mann ihnen jahrelang etwas vorgespielt hat. Und viele schwule Männer sind regelrecht zerrissen zwischen der Liebe zu ihrer Familie und dem Bedürfnis, zu sich zu stehen.

Stand: 20.12.2013, 00:00

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