"Eine Scheidung markiert im Leben nicht das Ende" - Interview zum Film "Glücklich geschieden"

"Eine Scheidung markiert im Leben nicht das Ende" - Interview zum Film "Glücklich geschieden"

Von Alexander Haas

Anke Hillmanns Film "Glücklich geschieden" zeigt zwei Frauen und ihren Versuch, nach der Scheidung neu durchzustarten.

tag7: Warum haben Sie in Ihrem Film das Thema „glücklicher Neustart“ nach einer Scheidung ins Zentrum gestellt?

Anke Hillmann: Die Filme, die sich bisher mit Scheidung beschäftigt haben, bleiben inhaltlich fast alle in der Krise der Geschiedenen stecken. Scheidung als Endpunkt. Ich wollte jedoch zeigen, dass eine Scheidung für die meisten Menschen zwar ein großer Einschnitt im Leben bedeutet, aber eben nicht das Ende markiert. Wie also geht das Leben weiter? Welche Wege gehen Menschen heutzutage, um wieder hoffnungsvoll nach vorne schauen zu können? Und wie nutzen sie die Chance, ihr Leben neu zu gestalten?

tag7: Diese Fragen erleben in Ihrem Film zwei Frauen. War es Absicht, nur Frauen vorkommen zu lassen?

Anke Hillmann: Ich hätte sehr gerne auch Männer im Film gehabt. Aber im Laufe der Recherchen stellte sich heraus, dass Männer offenbar noch weniger bereit sind, offen überihre Gefühle und Verletzungen zu sprechen. Ich habe leider keinen Mann gefunden, der sich vor der Kamera zu seiner Scheidung äußern wollte.

tag7: Wie verlief die Suche nach ihren Protagonistinnen? Die Frauen mussten ja bereit sein, Ihnen Einblick in eine sehr persönliche Erfahrung zu gewähren.

Anke Hillmann: Die Suche war nicht leicht. Das hat mir auch gezeigt, dass Scheidung nach wie vor ein großes Tabuthema ist. Die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, hatten Angst davor, sich zu öffnen und von ihrem Trennungsschmerz zu erzählen. Deswegen bin ich umso glücklicher, facettenreiche und unterschiedliche Frauen gefunden zu haben. Sie lassen uns stellvertretend an ihrem Leben teilhaben. Und sie zeigen uns, wie man gestärkt aus einer Scheidung hervorgehen kann.

tag7: Alle beide sagen klar, dass die Scheidung für sie zunächst bedeutet habe, dass sie versagt hätten. Was meinen sie damit genau?

Anke Hillmann: Für die Protagonistinnen war die Ehe ein Lebensziel. Sie haben nicht geheiratet mit dem Gedanken daran, sich auch irgendwann wieder scheiden zu lassen. Sie wollten eigentlich mit ihren ehemaligen Ehepartnern alt werden. Das Gefühl, versagt zu haben, meint in diesem Zusammenhang für sie, an dieser Lebensaufgabe gescheitert zu sein. Dazu haben die Frauen noch mit jeweils eigenen Schuldgefühlen zu kämpfen.

tag7: Beide Frauen gehen mit der Trennung anders um, verarbeiten sie anders und starten auf andere Weise neu durch. Hat sie einer der beiden Neustarts stärker beeindruckt? 

Anke Hillmann: Am meisten beeindruckt hat mich der innere Prozess, den die Frauen durchlaufen haben. Sie wurden durch die Trennung auf sich zurückgeworfen und waren gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Wer bin ich, was will ich und wie soll mein Leben aussehen? Ganz grundsätzliche Fragen, denen sie sich gestellt haben. Und das ist ihre Chance gewesen, sich von ihren Zukunftsängsten zu befreien und so an der Scheidung zu wachsen.   

Das Interview wurde in leicht abgeänderter Form anlässlich der Erstausstrahlung des Films in DasErste im Juni 2015 geführt.

Stand: 05.10.2015, 14:00

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