Autor Florian von Stetten über seine Eindrücke im Kloster

Interview zum Film "Himmlische Gerichte - Das Pfingst-Raclette im Jugend-Kloster Kirchhellen"

Autor Florian von Stetten über seine Eindrücke im Kloster

Autor Florian von Stetten hat im Jugendkloster Kirchhellen bei Bottrop gedreht. Heraus gekommen ist sein Film "Himmlische Gerichte - Das Pfingst-Raclette im Jugend-Kloster Kirchhellen" (08.06.2014, 17.55 Uhr, WDR Fernsehen). Im Interview erzählt der Filmemacher von seinen Eindrücken in dem Redemptionisten-Kloster.

tag7: Denken die Redemptoristen nur ans Essen?

Florian von Stetten: Die Redemptoristen sind sinnesfreudige Menschen, aber sie denken nicht nur ans Essen. Sie engagieren sich vor allem in der Jugendarbeit. Ihre Gemeinschaft, der Orden des Allerheiligsten Erlösers, ist von Alfons von Ligurien im 18. Jahrhundert in der Nähe von Neapel gegründet worden. Er wollte die in der Nähe liegenden, abgelegenen Täler seelsorgerisch versorgen. Seelsorgerische Aufgaben übernehmen die Redemptoristen noch heute.

tag7: Wie sieht die Jugendarbeit in ihrem Kloster aus?

Florian von Stetten: Sie haben ein spezielles Angebot für Jugendliche, die nicht so viel Chancen hatten und auf der Strecke geblieben sind. Sie werden betreut von denen, die dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr machen. Es gibt auch das Angebot "Kloster auf Zeit" für Menschen, die ihrem Leben eine neue Wendung geben wollen. Im Kloster gibt es Gästezimmer ohne Ende.

tag7: Wie funktioniert das Zusammenleben im Kloster zwischen Alt und Jung?

Florian von Stetten: Witziger weise funktioniert tatsächlich unheimlich viel über das Essen. Essen ist ein gemeinsames Ritual, und das funktioniert wie in einer Familie: Das ist der Ort für Gespräche, an Feier- und Sonntagen wird es auch gemeinsam zubereitet. Ansonsten ist das Zusammenleben im Kloster so einfach oder so kompliziert, wie immer, wenn Menschen mit unterschiedlichen Interessen und aus unterschiedlichen Generationen zusammenleben.

tag7: Was hat Dir persönlich besonders gut gefallen?

Florian von Stetten: Wir, als Fernsehteam, durften immer mitessen und Goisa Lis, die polnische Küchenchefin zaubert aus Allem was, da wird nichts weggeworfen. Aus Resten wird immer etwas Neues zusammengebastelt, das ist so ein bisschen wie früher bei Oma. Und darauf legen die Redemptoristen auch Wert: Dass man mit der Schöpfung bewusst und gut umgeht und nicht nur konsumiert und alles in die Tonne haut. Das fand ich eine positive Überraschung.

tag7: Gibt es irgendwas, was Du beim Dreh vor Ort nicht erwartet hättest?

Florian von Stetten: Es hat mich überrascht, dass in einem Jugend-Kloster Jugendgottesdienste nach wie vor so aussehen, wie vor 50 Jahren. Die jungen Leute werden zwar in die Heilige Messe mit einbezogen, aber wenn sie Texte vorlesen, verfallen alle in den gleichen einschläfernden Ton mit den immer gleichen gestellten Sätzen. Jesus finde ich persönlich einen coolen Typen, und ich denke, wenn Ihr eine frohe Botschaft zu verkünden habt, dann freut Euch doch mal und macht es nicht so weinerlich. Da hat wahrscheinlich speziell mit diesem Kloster gar nichts zu tun, aber es hat mich wirklich überrascht, dass es diese Form von verstaubtem Katholizismus immer noch gibt.

Stand: 24.04.2015, 12:50

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