Ein neuer Stall für 6000 Hühner

Anna und Jörg Ostermeier

Ackern für den Lebenstraum – Die neue Lust auf Landwirtschaft

Ein neuer Stall für 6000 Hühner

Als Kind fand Jörg Ostermeier es uncool, auf einem Hof zu wohnen. Heute ist er Bauer und gemeinsam mit seiner Frau Anna bald stolzer Besitzer von 6000 Hühnern.

Darum geht's!

  • Ein Bauernhof mitten im Dorf
  • Anna Ostermeier ist angekommen
  • 6000 Hühner: eine große Verantwortung!
  • Jörg will mit der Natur leben und Tiere halten
  • Wenn die Ställe stehen, geht's erst richtig los!

Ein Bauernhof mitten im Dorf

Zwanzig Kilometer westlich von Augsburg liegt die kleine Gemeinde Adelsried. Inmitten des Dorfes, das 2200 Seelen zählt, gegenüber der Kirche, steht der Bauernhof von Anna und Jörg Ostermeier. Seit drei Generationen werden hier Kühe gehalten und mit der Milch das Geld verdient. Nun wird alles anders.

Jörg Ostermeier, der älteste Sohn hat den Hof übernommen – und er hat sich viel vorgenommen. Er will hier einiges umkrempeln: Seine Frau Anna und er haben beschlossen, auf Hühner umzusteigen. Sie erschließen dafür ein einige Hektar großes Grundstück am Ortsrand.

Wo jetzt nur das Gras auf der Wiese wächst, sollen einst zwei Ställe für je 3000 Hühner entstehen – und langfristig auch ein Wohnhaus. Wenn die Ställe in Betrieb sind, wollen Anna und Jörg die Kühe der Eltern verkaufen.

Nur einige Jungtiere sollen bleiben und gemeinsam mit den Hühnern frei laufen können. Die alten Kühe würden mit der neuen Freiheit nicht zurechtkommen, sagen die beiden Jungbauern.

Ein Bauernhof mitten im Dorf

Ein Bauernhof mitten im Dorf

"Wir sind eine neue Generation von Landwirten"

"Das Konzept, dass die Kühe nur im Stall stehen, sich nicht bewegen können – das ist nichts für uns", sagt Anna. Sie geht nicht gerne in den Stall, sie fühlt sich unwohl, wenn sie sieht, wie die Kühe leben. Den Schwiegereltern macht sie deswegen aber keine Vorwürfe.

"Das war eine andere Zeit. Da war es normal, die Tiere auf diese Weise zu halten", sagt sie. "Wir sind eine neue Generation von Landwirten – und wollen das anders angehen."

Der Plan von Anna und Jörg kommt gut an, sowohl in der Familie als auch im Dorf. "Alle scheinen sich zu freuen, dass es mit dem Hof in der Dorfmitte weitergeht", sagt Jörn.

Hier liegen die Höfe der vier Bäuerinnen!

Klicken Sie auf die Punkte auf der Karte, um mehr über die vier Höfe aus der Reportage zu erfahren.

Das ist genau das, was Anna machen will

Anna hat gerade ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert. Das schönste Geschenk hat sie sich selbst gemacht: "Seit Jörg und ich beschlossen haben den Hof zu übernehmen und umzugestalten, bin ich hier angekommen. Das ist genau das, was ich machen will. Die Suche hat endlich eine Ende."

Die Arbeit aber fängt erst an. Als sie nach dem Abitur Agrarwissenschaften studieren wollte, hat ihr Umfeld sie belächelt. "Ich komme nicht aus einer Bauernfamilie, die dachten alle ich spinne. Lehrerin sollte ich werden, keine Bäuerin," sagt Anna.

"Ich will mit den Händen arbeiten, etwas erschaffen, das nachhaltig ist. Ich will Bäuerin sein. Fertig!" Anna lacht und wirft die langen dunklen Haare zurück.

6000 Hühner: eine große Verantwortung!

Dass der Traum vom eigenen Hof viel Arbeit bedeutet, weiß sie. Auch das finanzielle Risiko ist ihr bewusst. "Es gibt immer wieder die ein oder andere Nacht, in der ich nicht schlafen kann", sagt sie.

"Wir sind keine Krösusse und müssen sorgsam wirtschaften." Anna und Jörg fangen mit 6000 Hühnern an. Mit weniger Tieren wäre es nicht wirtschaftlich gewesen, die Ställe zu bauen.

"So viele Tiere, das fällt mir nicht leicht!", sagt Anna. "Ich frage mich schon: Bin ich jetzt Massentierhalter? Jetzt muss ich mich auch damit auseinandersetzen, wie wir mit männlichen Küken umgehen. Es ist für uns nicht zu finanzieren, sie aufzuziehen. Dann würde das Ei 80 Cent kosten. Aber töten will ich sie auch nicht. Was macht das mit mir? Und wie sehen mich die anderen? Das beschäftigt mich."

In der konventionellen Landwirtschaft werden die männlichen Küken geschreddert oder vergast, da sie keine Eier legen und für die Fleischproduktion meist zu wenig Fleisch ansetzen. Anna Ostermeier suchte lange nach einer Alternative – und hat sie schließlich gefunden.

Die weiblichen Hühner sollen auf dem Hof der Ostermeiers bleiben. Die männlichen Küken werden zu einem Hof in Österreich gebracht, wachsen dort auf und werden nach circa zehn Wochen geschlachtet.

Anna macht sich viele Gedanken. "Jörg nervt es manchmal, dass ich alles hinterfrage: Machen wir es richtig? Gibt es nicht einen noch besseren Weg? Fühlt es sich stimmig an?", sagt die Landwirtin und guckt ernst.

"Der Tag an dem die Kälbchen den Stall des alten Hofs verlassen und draußen rumspringen dürfen, das wird mein Tag. Ich weiß schon jetzt: Da werde ich weinen, vor Freude!"

Mit der Natur leben und Tiere halten

Jörg ist auf dem Hof geboren und erinnert sich: "Als ich in der Realschule war, wollte ich nicht, dass jemand erfährt, dass ich auf einem Bauernhof wohne. Es war mir peinlich."

Heute ist er stolz auf seinen Beruf. "Es ist der schönste, den es gibt", sagt er und lächelt. Jörg wirkt ruhig. Er macht sich weniger Gedanken über alle Eventualitäten. Wie Anna erfüllt auch er sich einen Lebenstraum. "Mein eigener Herr sein, mit der Natur leben, Tiere halten – das ist es, was ich will."

Zunächst hat Jörg aber einen anderen Weg eigeschlagen. "Ich habe Elektrotechnik studiert und bin dann zu Logistik gewechselt. Ich wusste nicht, was ich werden soll. Bauer werden – das war damals einfach zu uncool", sagt Jörg.

Es war Anna, die ihn einfach an ihrer Uni für Agrarwissenschaften angemeldet hat: "Das hat gepasst, vom ersten Moment an", sagt sie.

Jörg Ostermeier, Landwirt

Jörg Ostermeier, Landwirt

Wenn die Ställe stehen, geht's richtig los!

Auch seine Eltern sind froh, dass es mit dem Hof weitergeht. Sie unterstützen das junge Paar, wo sie können.

Anna und Jörg reden viel, planen die Schritte gemeinsam und haben ihr Ziel vor Augen: "Ich will, dass wir von unserem Hof leben können und dass es uns und allen Lebewesen hier gut geht", sagt Jörg.

"So wie das früher war, dass man nie vom Hof kommt, sein ganzes Leben rund um die Uhr arbeitet, das wollen wir nicht. Es muss auch anders gehen".

Anna und Jörg haben bisher beide Vollzeit in ihren Berufen gearbeitet, um Geld zur Seite legen zu können. Er arbeitet für einen Großhändler von Landmaschinen, sie arbeitet in einem Vertrieb für Bioprodukte.

Hier entstehen zwei Hühnerställe für insgesamt 6000 Hühner

Hier entstehen zwei Hühnerställe für insgesamt 6000 Hühner

Offiziell ist die Hofübergabe schon vollzogen, aber bei den elterlichen Kühen mischt sich Jörg nicht ein. "Das wäre nicht richtig, meinen Eltern zu sagen, was sie anders machen soll", sagt er. "Ich konzentriere mich auf den Bau der Hühnerställe."

Der Stall steht bereits. Die Hühner lassen allerdings noch auf sich warten. Sie sollen im Oktober 2017 einziehen.

Im November 2016 erhielten Anna und Jörg Ostermeier den Anerkennungspreis der Öko-Junglandwirte für herausragende Ideen, Mut und Engagement für die Mitgestaltung der Zukunft der ökologischen Landwirtschaft.

Die Pläne für die kommenden Monate:

  • Den Hühnerstall fertig bauen
  • Die Kühe der Eltern verkaufen
  • Kälber sollen bleiben
  • Fernziel: ein Haus bauen

Sendetermine: Ackern für den Lebenstraum – Die neue Lust auf Landwirtschaft

Stand: 17.07.2017, 12:00

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