Aus Liebe zu den Kühen

Anja und Janusz Hradeztky

Ackern für den Lebenstraum – Die neue Lust auf Landwirtschaft

Aus Liebe zu den Kühen

Sie haben sich ihren Traum vom eigenen Bauernhof erfüllt. Jetzt müssen Anja und Janusz Hradetzky ihren Milchbetrieb nur noch ans Laufen kriegen.

Darum geht's!

  • Stolzenhagen: Dorf mit internationalem Flair
  • Anja Hradetzky will etwas ändern
  • Die Kühe sollen so natürlich wie möglich leben
  • Janusz Hradetzky liebt seine Kühe
  • Nur alte Rassen leben hier
  • Mit Crowdfunding den Traum erfüllen

Stolzenhagen: ein Dorf mit internationalem Flair

Stolzenhagen an der Oder liegt an der Grenze zu Polen. Wer Leerstand und Brandenburger Tristesse erwartet, täuscht sich. Das Dorf lebt.

Von den 250 Einwohnern sind ist ein Fünftel jünger als 18 Jahre. Auf der Straße hört man immer wieder Englisch oder Französisch. Ein amerikanisches Tanzinstitut für Ausdruckstanz zieht Menschen aus anderen Teilen der Welt hierher.

Der Hof Stolze Kuh

Der Hof Stolze Kuh

Die Familie wohnt in der ehemaligen Dorfschule

Seit September 2013 ist dieser Ort auch das Zuhause von Anja und Janusz Hradetzky, die mit ihrem zweijährigen Sohn Johannes hier leben. Sie wohnen in der ehemaligen Schule des Dorfes.

Das große Gebäude war schon Gasthaus und Post. Heute leben hier vier Familien, die sich den großen Gemeinschaftsraum und viele Ideale teilen.

Hier liegen die Höfe der vier Bäuerinnen!

Klicken Sie auf die Punkte auf der Karte, um mehr über die vier Höfe aus der Reportage zu erfahren.

Zusätzlich zur Wohnung im alten Gutshaus haben Anja und Janusz einen baufälligen Stall gepachtet und etwa 20 Hektar Land. Das liegt im Natutschutzpark "Unteres Odertal" und darf durch die Bewirtschaftung nicht beinträchtigt werden.

Statt nur Kleegras für die Kühe auszusähen, leben Anja und Janusz damit, dass ihre Tiere auch Schafgarbe und Disteln fressen, und deswegen weniger Milch geben.

Anja Hradetzky will etwas ändern

Anja kommt aus Meißen und hat immer ländlich gewohnt. Die Großstadt – das war noch nie was für sie! Die junge Frau ist fröhlich und herzlich. Sie trägt das Herz auf der Zunge und ist angetrieben von einem ansteckenden Idealismus:

"Ich glaube nicht daran, dass es leicht wird etwas zu verändern. Die Menschen sind bequem. Aber wir müssen es versuchen, oder?"

Auf der Fachhochschule Eberswalde hat sie Ökolandbau studiert und dort auch Janusz kennengelernt. Das war 2012. "Es hat eine Weile gedauert bei uns", sagt Anja.

"Wir sind viel zusammen draußen gewesen, haben mit meinem Hund lange Spaziergänge gemacht. Und jetzt", sie lacht, "sind wir Milchbauern!"

Anja Hradetzky will die Kühe so natürlich wie möglich halten

Anja Hradetzky will die Kühe so natürlich wie möglich halten

Die Kühe sollen so natürlich wie möglich leben

Kühe halten – das war vor allem der Januszs Traum. Inzwischen aber auch Anjas. "Uns war von Anfang an wichtig, dass wir die Tiere so natürlich wie möglich aufziehen", sagt sie.

Das heißt: Die Kühe ziehen ihre Kälber groß. Ein Bulle ist in der Herde – und die Hörner bleiben dran. Anja und Janusz haben insgesamt 27 Milchkühe, zwei Bullen, einige Jungtiere und vier Ammen, die die Kälber säugen.

Die Kühe produzieren weniger Milch als Kühe in der konventionellen Milchwirtschaft. Das liegt zum einen an der Züchtung, zum anderen am Futter, das die Kühe fressen.

Die Kühe auf dem Hof erhalten kein Kraftfutter, sondern fressen im Sommer das Gras von der Weide. Im Winter fressen sie Heu.

Im Vergleich zur konventionellen Haltung ist das weniger wirtschaftlich. "Wir erhalten derzeit 34 Cent pro Liter, bräuchten eigentlich aber 80 Cent, damit es sich lohnt." Janusz und Anja hoffen, dass künftig mehr Menschen verstehen, dass es besser ist, mit der Natur zu leben.

Die Kühe melken Anja und Janusz Hradetzky auf der Weide

Die Kühe melken Anja und Janusz Hradetkzy auf der Weide

Janusz Hradetzky liebt seine Kühe

Aufgewachsen ist Janusz auf der anderen Seite der Oder, auf einem Bauernhof in Polen. "Meine Eltern sind 1991 von Heidelberg nach Polen gezogen. Sie wollten autark leben. Daher habe ich wohl den Hang zu Kühen. Wir hatten drei", sagt Janusz.

Er ist der Ruhepol der beiden. Er wirkt er bedächtiger, aber nicht weniger begeistert. "Ich wollte immer auf dem Land leben, auf einem Hof mit Tieren. Jetzt kann ich es."

Er wollte immer auf dem Land leben: Janusz Hradetzky

Er wollte immer auf dem Land leben: Janusz Hradetzky

Die Hradetzkys halten nur alte Rassen

18 Kühe haben sie im April 2015 gekauft – alle auf einen Schlag von verschiedenen Bauern im Allgäu. "Die besten Kühe haben wir nicht bekommen", sagt Janusz. "Die Tiere, die wir nun haben, geben nicht mehr so viel Milch. Aber mehr Geld hatten wir nicht."

Das Paar hat nur bestimmte Kühe gekauft: "Wir halten nur alte Rassen, die Milch geben und Fleisch ansetzen." Janusz war es wichtig die Tiere selbst abzuholen – mit dem Sattelschlepper ging es einmal quer durch Deutschland.

Jetzt kommt Schritt zwei: "Wir können nur erfolgreich wirtschaften, wenn wir unsere Milch selber vermarkten. Deswegen wollen wir eine Käserei aufmachen."

Das alles kann nur funktionieren, wenn mehr Menschen umdenken und einen höheren Preis für die Waren bezahlen. Wird das passieren? Janusz zögert und sagt schließlich: "Ich glaube einfach daran!"

Kühe auf der Weide

Kühe auf der Weide

Mit Crowdfunding den Traum erfüllen

Eine Käserei bauen – das ist der nächste große Schritt der beiden Jungbauern. Die Genehmigungen für den Bau liegen vor und die Crowdfunding-Kampagne war erfolgreich: Anja und Janusz haben fast 38.000 Euro eingesammelt. Jetzt wird gebaut. Den aktuellen Stand und die Fortschritte beim Bau kann man auf der Website von Anja unf Januz verfolgen.

Dann gibt es Käse von der "Stolzen Kuh" aus Stolzenhagen. Außderdem wollen sie den Verkauf ihres Biofleischs vorantreiben – durch den Direktverkauf von Fleisch.

Im November 2016 gewannen Janusz und Anja Hradetzky den Öko-Junglandwirte-Zukunftspreis für herausragende Ideen, Mut und Engagement für die Mitgestaltung der Zukunft der ökologischen Landwirtschaft.

Die Pläne für die kommenden Monate:

  • Die eigene Milch vermarkten
  • Etwa 20 milchgebenden Kühen halten
  • Die Jungbullen vermarkten. Das Prinzip: Wer das Fleisch essen möchte, gibt Geld zur Aufzucht der Tiere und bekommt nach Schlachtung seinen Anteil Fleisch (Vorbild: www.kuhteilen.ch)

Sendetermine: Ackern für den Lebenstraum – Die neue Lust auf Landwirtschaft

Stand: 17.07.2017, 12:00

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