Gemüse auf Rädern

Johannes und Hanna Erz

Geliebter Mistjob

Gemüse auf Rädern

Rollende Hühnerställe und Gemüsebeete – Johannes und Hanna Erz haben alle Hände voll zu tun. Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass sie mehr Land benötigen.

Darum geht's!

  • Die Nachfrage steigt: Ein neuer Hof muss her!
  • In Brandenburg ist Land günstiger als im Süden
  • Johannes liefert seine Produkte bis nach Berlin
  • Hanna Erz wollte schon immer Bäuerin werden
  • Der Kampf mit dem Gemüse

Die Nachfrage steigt: Ein neuer Hof muss her!

Johannes und Hanna Erz führten bis vor kurzem noch einen kleinen Hof, auf dem sie Hühner hielten und Gemüse anbauten. Die Nachfrage konnten sie damit aber nicht decken.

Die beiden Junglandwirte haben daher einen großen Schritt gewagt: Sie haben einen Vierseitenhof in Rathstock gekauft. Hier legen sie richtig los: Das Paar will Streuobstwiesen anlegen, Hecken pflanzen und in den Garagen Kücken aufziehen.

Auf etwa zehn Hektar bauen sie Gemüse an und bewegen in drei rollenden Ställen fast 300 Hühner. Mit ihren biologisch angebauten Produkten aus der Region beliefern sie mehrere Bioläden und Restaurants in Berlin.

Bauernhof von Johannes und Hanna Erz

Der Bauernhof von Johannes und Hanna Erz

In Brandenburg ist das Land günstiger

Johannes Erz kommt aus Schwaben, seine Herkunft kann er kaum verbergen, wenn er spricht. In Schwaben hat er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker gemacht, danach hat er in Eberswalde studiert.

Seitdem ist er in Brandenburg geblieben. "Für unsere Eltern könnten wir auch in Australien wohnen, so weit weg fühlt es sich hier an", sagt er.

"Aber hier gibt es noch Flächen, die wir uns leisten können. Im Süden hast du als Jungbauer nur eine Chance: Wenn der Papa mit dem dicken Geldbeutel hilft."

Geliebter Misjob: Hier liegen die sechs Höfe!

Klicken Sie auf die Punkte auf der Karte, um mehr über die sechs Höfe aus der Reportage Geliebter Mistjob zu erfahren.

Johannes Erz liefert seine Produkte bis nach Berlin

Seine schwäbische Betriebsamkeit lebt Johannes nun woanders aus. "Ich habe Bioläden und Restaurants in Berlin angerufen und gefragt, ob sie unsere Produkte haben wollen. Inzwischen liefere ich täglich in die Stadt". Seit kurzem vertreibt er dazu noch die Lebensmittel anderer Kleinbetriebe aus der Region.

Und damit hat er mehr als genug zu tun: "Wir haben da einen Markt, der schreit nach: mehr, mehr, mehr!", sagt er. Er könne daher nicht verstehen, warum so sich so viele beklagen, dass alles so schwer sei.

Johannes und Hanna Erz haben die steigende Nachfrage dazu genutzt, ihre Aktivitäten auszuweiten. Sie wollen noch mehr Gemüse und Obst anbauen und Hühner halten als bisher.

Die beiden Landwirte haben keine Angst davor, dass ihnen alles über den Kopf wächst. "Ich denke zwar viel nach und ich schlafe auch nicht immer gut – aber was bleibt mir anderes übrig, als es zu versuchen?", sagt Johannes Erz.

So sieht ein mobiler Hühnerstall aus

So sieht ein mobiler Hühnerstall aus

Hanna Erz wollte schon immer Bäuerin werden

Die Pfarrerstochter Hanna Erz, die auch aus Schwaben stammt, wollte schon immer Bäuerin werden. Warum, weiß sie nicht. "Ich habe andere Sachen ausprobiert, habe in Firmen gearbeitet, war aber immer unglücklich damit", sagt sie.

"Erst als ich angefangen habe, mich mit der Landwirtschaft zu befassen, ging es mit gut." Und das Heimweh nach dem Süden plage sie nicht.

"Das einzige, was ich wirklich schade finde, ist, dass es hier keine Gaststätte gibt. Wenn wir abends mal ausgehen wollen, gibt es einfach nichts." Meistens ist sie eh zu müde, um ein Feierabendbier zu trinken. Sie fällt einfach ins Bett. "Dieses Jahr war es viel", sagt sie. "Eigentlich zu viel."

Johannes Erz ist mit dem Traktor unterwegs

Johannes Erz ist mit dem Traktor unterwegs

Der Kampf mit dem Gemüse

Das ganze Gemüse ist ihr Aufgabenbereich. Um die Vermarktung kümmert sich ihr eloquenter Mann, während sie auf dem Feld steht und mühsam Unkraut zupft oder tausend Zucchinipflänzchen ansetzt.

Es ärgert Hanna, dass sie die Wünsche der Kunden nicht erfüllen kann. Auch wenn sie ruhiger auftritt als Johannes, sie weiß genau, was sie will: Sich hier ein Leben aufbauen.

Zurückgehen und aufgeben – beides sei keine Optionen. "Es ist viel Arbeit, es ist anstrengend. Manchmal bin ich todmüde und kann auch nicht schlafen – weil die Gedanken und Sorgen mich nicht zur Ruhe kommen lassen. Und doch: Ich kann mir nichts anderes vorstellen."

Hanna Erz kümmert sich um die Gemüseernte

Hanna Erz kümmert sich um die Gemüseernte

Wie es weitergehen soll

Im November 2016 haben die beiden Ökogemüsebauern 2000 Apfelbäume einpflanzt. Im Frühjahr 2017 sollen dann die Hühner, ein paar Schafe und Schweine zwischen den Bäumen spazieren gehen. Auf diese Weise wird der Boden optimal genutzt. Die Beiden denken immer wieder über einen eigenen Laden in Berlin nach.

Ob sie das machen, wird sich zeigen. Eins ist aber klar: 2017 tragen die Obstbäume ihre ersten Früchte.

Die Pläne für die kommenden Monate:

  • Umzug der Hühner in den Vierseitenhof
  • Anstellen von zwei Mitarbeitern
  • Vergrößern des Gemüseanbaus
  • Erweiterung der direkten Vermarktung

Sendetermine: Geliebter Mistjob – Die neue Lust auf Landwirtschaft

Stand: 08.11.2016, 13:14

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