Interview zum Film "Nikita hat Krebs - Atommüll am Baikalsee"

Interview zum Film "Nikita hat Krebs - Atommüll am Baikalsee"

Der Autor und Filmemacher Udo Kilimann spricht im Interview über die Hintergründe seines Films "Nikita hat Krebs - Atommüll am Baikalsee" (12.01.2014, 16.30 Uhr, WDR Fernsehen), den er zusammen mit Jule Sommer gedreht hat.

tag7: Wie seid Ihr auf das Thema aufmerksam geworden?

Udo Kilimann: Wir wussten, dass die Firma Urenco, die in Gronau eine Urananreicherungsanlage betreibt, Atommüll nach Angarsk in Russland liefert. Wir hatten aber nie den richtigen Zugang zum Thema, bis wir Kontakt zu einer Spenden-Aktionsgruppe um Bernhard Clasen aus Mönchengladbach bekamen. Er machte uns auf Nikita und seine Mutter aufmerksam. Wir lernten sie in der Krebsklinik in Hannover kennen und erfuhren: Viele Kinder in Angarsk sind an Krebs erkrankt, die Krebsrate ist dort höher, als zum Beispiel in der Region Tschernobyl. Wir haben dann einen möglichen Zusammenhang zwischen dem deutschen Atommüll und den auffällig vielen Krebserkrankungen in Betracht gezogen.

tag7: Wie kamt Ihr an weitere Informationen?

Udo Kilimann: Wir haben Nikita und seine Mutter Irina in ihre Heimat begleitet und lernten dort eine kleine, sehr engagierte Gruppe unter der Federführung von Swetlana Slobina kennen, einer Journalistin und Ökoaktivistin, die bei der regionalen Zeitung Vremja arbeitet. Diese mutige Frau sammelt alle Informationen rund um den Atommüll und veröffentlicht sie.

Die russische Atomstadt Angarsk - schwierig dort zu drehen

tag7: Wo gab es bei der Drehreise die größten Schwierigkeiten?

Udo Kilimann: Die größte Schwierigkeit war, eine Drehgenehmigung für die russische Atomstadt Angarsk zu bekommen. Wir hatten nur eine Genehmigung für den Baikalsee und haben dann versucht, auch in Angarsk entsprechende Bilder zu machen. Es gab natürlich immer wieder Situationen, wo wir die Kamera abschalten mussten, um einfach unsere Leute, also Nikitas Familie und die russische Journalistin, nicht weiter mit unserer Arbeit zu gefährden.

tag7: Wie haben die beteiligten Firmen reagiert?

Udo Kilimann: Die Firma in Angarsk, die eine der vier atomaren Aufbereitungsanlagen in Russland betreibt, behauptet, an unserer Geschichte sei nichts dran. Auch die Firma Urenco in Deutschland hat uns eine schriftliche Erklärung zukommen lassen, dass der Atommüll absolut sicher gelagert sei und die Krebserkrankungen vieler Kinder vor Ort nicht mit dem Atommüll in Zusammenhang gebracht werden können.

"Wir wollen den Atommüll nicht haben und schaffen ihn weg"

tag7: Ihr setzt oft brisante Reportage-Themen um, welches Thema hat Dich persönlich am meisten berührt?

Udo Kilimann: Das Thema Atommüll war schon ein Thema, bei dem ich eine hohe Verantwortung gespürt habe: Wir wollen in unserem Wohlstandsland den Atommüll nicht haben und schaffen ihn weg, irgendwo an den Baikalsee, wo wir ihn nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken können, also einfach nicht mehr wahrnehmen.
Auch das Thema Organspende halte ich aktuell für sehr wichtig, es ist ein ethisch brisantes Thema und sollte weiter diskutiert werden. Wir arbeiten gerade an einer Reportage zu diesem Thema. Ein kleiner Junge wartet dringend auf eine Leber. Nach dem Organspendenskandal ist im Moment offen, ob das überhaupt klappt und das Kind überlebt. Wir begleiten die Familie.

Interview: Sabine Coen

Stand: 20.12.2013, 00:00

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