Autor Jan Schmitt über seinen Film "Unverschuldet im Gefängnis"

Autor Jan Schmitt über seinen Film "Unverschuldet im Gefängnis"

Jan Schmitt berichtet in seinem Film "Unverschuldet im Gefängnis" (15.09.2013, 16.30 Uhr, WDR Fernsehen) über den Fall Horst Arnolds, der unverschuldet zu jahrelanger Gefängnishaft verurteilt wurde. Kurz nach seiner Rehabilitaion starb Arnold an Herzversagen. Im Interview spricht Jan Schmitt über die Dreharbeiten und seine Motivation.

tag7: Herr Schmitt, Sie mussten viele Szenen Ihres Films nachstellen, etwa die Verhaftung oder die Einweisung ins Gefängnis, weil von diesen Vorgängen keine Aufnahmen vorliegen. War das eine Schwierigkeit?Jan Schmitt berichtet in seinem Film "Unverschuldet im Gefängnis" (15.09.2013, 16.30 Uhr, WDR Fernsehen) über den Fall Horst Arnolds, der unverschuldet zu jahrelanger Gefängnishaft verurteilt wurde. Kurz nach seiner Rehabilitaion starb Arnold an Herzversagen. Im Interview spricht Jan Schmitt über die Dreharbeiten und seine Motivation.

Jan Schmitt: Nein, eigentlich nicht. Die Schwierigkeit ergab sich vielmehr aus dem traurigen Grund, dass der Protagonist des Falles, Horst Arnold, in dem Moment starb, als wir anfangen wollten, mit ihm den Film zu drehen. Wir hatten geplant, ihn während des ganzen Films mitzunehmen. Zu den verschiedenen Interviewpartnern, zu den Orten seiner Geschichte. Ich hatte zwar als allersten Dreh ein langes Interview mit ihm geführt. Aber eben auch nur ein Interview. Und drei Tage bevor wir die Drehreise zu den Orten der Fallgeschichte mit ihm machen wollten, bekam ich von seinem Anwalt die Nachricht, dass Herr Arnold gestorben sei.

Mann in weißem Hemd

Jan Schmitt

tag7: Und dann?

Jan Schmitt: Wir haben natürlich erst einmal gedacht: Wie unendlich tragisch! Jetzt, wo vielleicht eine Lösung für ihn in Aussicht steht. Ich dachte auch, dass der Film jetzt nicht mehr stattfinden würde. Ich habe dann mit der Mutter von Horst Arnold Briefe ausgetauscht. Und sie kam zu dem Schluss, dass sie auch im Sinne ihres Sohnes möchte, dass das Filmprojekt weitergeht.

Druck der Staatsanwaltschaft auf Polizei

tag7: War es schwierig, die am Fall beteiligten Menschen vor die Kamera zu bekommen? Etwa Justizbeamte, Ermittler oder Politiker?

Jan Schmitt: Ja, das war sogar sehr schwierig. Bei dem Ermittler beispielsweise, Herrn Plewka, gab es unglaubliche Verwicklungen. Als ich ihn gefragt habe, ob er sich äußern wolle, wollte er zunächst darüber nachdenken. Dann sagte er, ja, er wolle es gerne machen. Er wolle sich aber absichern, weil er in einem möglichen Verfahren gegen die Klägerin, die Lehrerin, als Zeuge vorgeladen werden könnte. Das ist inzwischen tatsächlich passiert. Es ging dann hin und her bis einen Tag vor dem Dreh mit ihm. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei haben versucht Druck auszuüben, um dieses Interview zu verhindern. Herrn Plewka wurde nahegelegt, er möge sich doch bitte nicht äußern. Auch im laufenden Verfahren wird ihm das Interview mit uns offenbar noch zur Last gelegt, wie ich gehört habe.

Älterer Mann

Saß zehn Jahre unverschuldet in Haft: Horst Arnold

tag7: Was war überhaupt Ihr Anliegen, diesen Film zu machen?

Jan Schmitt: Ich habe über diesen Fall für das ARD-Magazin „Monitor“ einen Beitrag gemacht. Als ich das Material gesichtet habe, wurde mir bewusst, in welcher Weise der Staat sich in diesem Fall aus der Verantwortung zieht. Er lässt Menschen im Regen stehen, weil sie keine Lobby haben. Selbst dann, wenn sich herausstellt, dass sie unschuldig verurteilt wurden. Ich fand einfach, dass solche Vorgänge mehr öffentliche Aufmerksamkeit brauchen. Und ich fand, dass man im Sinne der Betroffenen mehr Zeit braucht, um in Ruhe Fälle und Missstände schildern zu können.

Versteckte Seilschaften?

tag7: Wie steht es nach dem Film um Ihr Vertrauen in die deutsche Justiz?

Jan Schmitt: Ich denke schon, dass wir grundsätzlich ein gutes Justizsystem haben. Es gibt allerdings an einigen Punkten Handlungsbedarf. Es gibt auch die Notwendigkeit, mehr Transparenz in das System zu bringen. Die Justiz ist eine Gewalt im Staat, die irgendwie so vor sich hinarbeitet. Man weiß eigentlich gar nicht genau, was in ihrem Inneren passiert. Es gibt seltsame Verbindungen zwischen ihr und der Politik. Das hat jüngst auch der Fall Mollath gezeigt. Wir selbst haben es feststellen müssen angesichts der Verbindung zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei. Da gibt es möglicherweise versteckte Seilschaften, die man gar nicht erahnt. Was den Bereich der unschuldig Inhaftieren angeht, finde ich, dass dringend eine Stelle eingerichtet werden müsste, die solchen Menschen hilft, wieder ins Leben zu finden. So könnte der Staat einen Teil der Schuld, die er an ihnen begangen hat, wieder gut machen.

Interview: Alexander Haas

Stand: 05.09.2013, 00:00

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