Der Kampf gegen das Gletschersterben

Der Kampf gegen das Gletschersterben

Es scheint ein bisschen wie David gegen Goliath: Forscher aus der Schweiz, Indien und den Niederlanden möchten einen Gletscher vor dem Schmelzen bewahren. Der Morteratsch-Gletscher ist der drittgrößte Gletscher der Ostalpen – und von der Erderwärmung bedroht. In den letzten hundert Jahren ist er bereits um zwei Kilometer geschrumpft. Pro Jahr zieht sich die Zunge etwa 30 Meter zurück. Wenn wir nichts tun, könnte der komplette Gletscher in den nächsten 30 Jahren um die Hälfte schrumpfen. Und eines Tages ganz verschwinden. Aber die Gletscher sind wichtige Süßwasserreservoire. Es lohnt sich, um sie zu kämpfen.

Mit Schnee das Gletschereis retten

Die Schweizer Schneeforscher haben eine Idee: Sie wollen den Gletscher im Sommer mit „Kunstschnee“ bedecken, der die Sonnenstrahlen dann wie ein Spiegel reflektiert. Auf diese Weise könnten die Forscher verhindern, dass die Sonnenenergie das Gletschereis zum Schmelzen bringt. Der Schnee müsste nicht den gesamten Gletscher bedecken, sondern nur das Gebiet, das besonders empfindlich auf Klimaschwankungen reagiert. Die schützende Schneedecke soll den Gletscher sogar um 50 Meter pro Jahr wachsen lassen. Aber dafür brauchen die Forscher sehr viel Schnee. Wenn sie fest installierte Schneekanonen nehmen würden, wären etwa 3.000 nötig - viel zu teuer und aufwändig. Deshalb haben die Wissenschaftler einen anderen, sehr  ausgeklügelten Plan: Sie wollen Drahtseile über den Gletscher spannen und dann in kleinen Gondeln mobile Schneekanonen auf- und abfahren lassen. Kosten: 100 Millionen Schweizer Franken.

Ersatz für das Gletscherwasser

Ice Stupa vor blauem Himmel

Mit dem Schmelzwasser einer Ice Stupa können im Sommer Felder bewässert werden.

In Ladakh, einer extrem kalten und trockenen Wüsten-Region in Nordindien, ist die Lage noch dramatischer. Die Gletscher sind hier bereits stark geschrumpft und die Region leidet deshalb ganz besonders unter Trockenheit. Das ist ein großes Problem für die Landbevölkerung, die auf das Wasser aus den Gletschern angewiesen ist. Hier ist die Herausforderung eine etwas andere als in der Schweiz, denn hier muss das fehlende Gletscherwasser bereits ersetzt werden. Aber auch die indischen Forscher beweisen viel Kreativität: Aus ungenutztem Wasser errichten sie im Winter künstliche Eistürme als Wasserspeicher. Im Frühling können dann mit dem Schmelzwasser die Felder bewässert werden. „Ice Stupa“ heißen diese künstlichen Eistürme, weil sie in ihrer konischen Form an eine „Stupa“, also ein buddhistisches Heiligtum, erinnern. Im Oktober 2013 wurde der erste Prototyp errichtet - ein künstlicher Eisturm, sechs Meter hoch, mit 150.000 Litern gefrorenem Wasser. Er hielt bis zum Mai 2014.

Filmautor: Jakob Kneser

Stand: 07.11.2017, 12:00