Was passiert mit uns, wenn wir schlafen? Über fünf spannende Phänomene

schlafender Mann auf Wiese

Was passiert mit uns, wenn wir schlafen? Über fünf spannende Phänomene

1. Wir werden bis zu 20 Mal pro Nacht wach – das ist ganz normal!

Wir wachen in der Nacht viel häufiger auf, als wir glauben – weil wir uns hinterher nämlich nicht daran erinnern. Experten nennen diese kurzen Aufwachphasen „spontane Arousals“. Sie können nur wenige Sekunden dauern oder sogar länger als eine Minute und sich über 20 Mal pro Nacht ereignen. Erst wenn die Wachphase länger als drei Minuten anhält, dringt sie in unser Bewusstsein, wird aber nicht unbedingt als störend empfunden. Vermutung der Evolutionsbiologen: Früher, als unsere Vorfahren noch draußen in freier Wildbahn schliefen, war dieses spontane Erwachen möglicherweise ein Schutz vor den draußen überall lauernden Gefahren.

2. Nach dem Schlafen wissen wir mehr als vorher

Im Tiefschlaf ist unser Bewusstsein ausgeschaltet. Doch gerade dann sind wir besonders kreativ. Informationen und Fakten, die wir tagsüber im Zwischenspeicher unseres Gedächtnisses (Hippocampus) abgelegt haben, werden nun in den Langzeitspeicher (Neokortex) „überspielt“. Dabei findet ein faszinierender Auswahl- und Bewertungsprozess statt: Was kann gelöscht werden? Was ist wichtig und soll in Erinnerung bleiben? Unser Gedächtnis entdeckt in den noch unsortierten Fakten und Informationen auf einmal Regeln und Strukturen. Aufgaben, die am Tag nicht zu lösen waren, bereiten danach keine Probleme mehr. In vielen Studien konnten Schlafforscher diese Prozesse im Gehirn nachweisen.

3. Im Schlaf spülen wir den Müll aus unserem Gehirn

Lange dachten Forscher, wir schlafen, um Energie einzusparen – aber das ist mittlerweile widerlegt. Weil während des Schlafs so viel passiert, verbrauchen wir nachts sogar relativ viel Energie. Körperzellen erneuern sich, Muskeln wachsen, Eiweiße und neues Blut entstehen. Und für unser Gehirn ist Schlafen wie ein Spülprogramm. Im Schlaf werden giftige Abbaustoffe ausgewaschen. Schlafen wir nicht oder nur sehr schlecht, kann sich in den Nervenzellen der Abfall des Gehirnstoffwechsels anhäufen und Schaden anrichten. Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass einige dieser Abbau- und Abfallstoffe für die Entstehung der Parkinson- und der Alzheimer-Erkrankung mitverantwortlich sind.

4. Wenn wir wenig oder schlecht schlafen, werden wir krank

Im Schlaf wird unser Immunsystem gestärkt. Es würde kollabieren, wenn wir nicht schlafen würden. Die Folgen wären: Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, möglicherweise Krebs. Schlafforscher haben sogar herausgefunden, dass Impfungen nur dann optimal wirken, wenn wir in der darauf folgenden Nacht gut schlafen. Wird der Schlaf massiv gestört, bildet unser Immunsystem weniger Antikörper. In einer Studie wurde festgestellt, dass der Impf-Erfolg nach so einer Nacht 30 Prozent geringer war als bei den Patienten, die in der ersten Nacht nach der Impfung einen guten Schlaf hatten.

5. Manche von uns können ihre Träume beeinflussen

Alle gesunden Menschen träumen regelmäßig. Aber warum? Sind Träume Erfindungen, die unser erwachendes Gehirn aus den Nervensignalen der letzten Schlafminuten zusammenbaut? Oder tauchen wir während eines Traums in die Tiefe unseres Wesens hinab und konfrontieren uns mit wichtigen Gefühlen und Erlebnissen? Darüber streiten die Experten.

Eine besondere Form des Traums ist der „Klartraum“, auch „luzider Traum“ genannt. Es heißt, dass jeder Fünfte von uns einmal im Monat solch einen Traum hat. Klarträume treten vor allem während des REM-Schlafes auf, also in jener Schlafphase, in der sich die Muskeln entspannen und rasche Augenbewegungen stattfinden. Bei Klarträumern gerät das Gehirn im REM-Schlaf in einen besonderen Zustand. Der Träumende hat dann das Gefühl, während des Traums aufzuwachen. Anders ausgedrückt: Er ist sich dessen bewusst, dass er träumt. Und auf einmal ist er in der Lage, in die Handlung des eigenen Traums einzugreifen. Einige Klarträumer können dabei erstaunliche Dinge vollbringen: Sie trainieren zum Beispiel Bewegungsabläufe – für den Sport oder fürs Musizieren.

Autor: Georg Wieghaus

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